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Rund 250 Bürger waren  zu der Versammlung gekommen. 

Bürgerinformation zur Erweiterung der Fussgängerzone

Nur die  Gutachter sind  sich einig

Für die Gutachter steht klipp und klar fest: Eine Erweiterung der Weilheimer Fußgängerzone birgt mehr Risiken als Chancen. Auch die Geschäftsleute seien dagegen. Die Weilheimer Bürger sehen dies differenzierter, wie sich in der Infoversammlung in der Stadthalle zeigte.

von brigitte Gretschmann

Weilheim – Zugegeben, es war eiskalt an diesem Mittwochabend, und im Fernsehen wurde das Politiker-Derblecken vom Nockherberg übertragen. Wie auch immer: Die Stadt hatte jedenfalls mehr Interesse an ihrer Bürgerinformation zur Erweiterung der Fußgängerzone erwartet, wie ein Blick auf die vielen in der Stadthalle aufgestellten Stühle zeigte. Viele blieben leer, letztlich waren rund 250 besetzt.

Das Thema „Erweiterung der Fußgängerzone“ beschäftigt die Stadt laut Bürgermeister Markus Loth (BfW) schon seit langem. Zuletzt 2005/2006, als es um die umfassende Sanierung des im September 1976 eingeweihten autofreien Bereichs ging. Es sei ein Gesamtverkehrsgutachten erstellt worden. Zu einer Einigung über eine Erweiterung sei es jedoch nicht gekommen, es wurden vielmehr verkehrsberuhigte Bereiche angelegt. Der aktuelle Anstoß stammt von der Stadtrats-Fraktion der Grünen. Die reichte im September 2016 einen Antrag auf ein Ratsbegehren ein. Mit dem Ziel, die Fußgängerzone auf Ledererstraße und Hofstraße zu erweitern. Der Stadtrat habe sich daraufhin entschieden, ein (60 000 Euro teures) Gutachten für einen größeren Erweiterungsbereich anfertigen zu lassen, so dass letztlich fünf Straßen untersucht wurden: Ledererstraße, Hofstraße, Kirchplatz, Admiral-Hipper-Straße und Pöltnerstraße.

Die Ergebnisse dieses Gutachtens – Passantenzählungen, Befragungen von Geschäftsleuten, Bewohnern und Immobilienbesitzern sowie Strukturanalysen von Handel, Dienstleistungen und Verkehrsuntersuchungen – wurden nun vorgestellt: bildlich auf Stellwänden im Foyer, mündlich durch Jan Vorholt von der Firma „Cima“ und Christian Fahnberg von „Ingevost“, den beiden Gutachterbüros.

Die beiden waren sich einig: Weilheim habe eine maßstabsgerechte und maßgeschneiderte Fußgängerzone. „Es gibt wenig Städte, wo die Innenstadt so gut funktioniert wie in Weilheim“, sagte Jan Vorholt. Es gebe aktuell vier Leerstände, einen guten Mix von inhabergeführten und Filial-Geschäften und eine gute Frequenz (7200 Leute am Tag in der Schmiedstraße). Außerdem, so Jan Vorholt, sähen 70 Prozent der Befragten eine Erweiterung negativ, 14 positiv, 15 seien neutral. Eine Erweiterung stelle ein Risiko für das „System Innenstadt“ dar.

Christian Fahnberg hieb in die gleiche Kerbe: Der Verkehr funktioniere gut, es gebe kaum Unfälle (48 in drei Jahren, drei mit Personenschaden). Problematisch sei lediglich der Durchgangsverkehr, der 25 bis 30 Prozent des Verkehrs ausmache sowie das Parken für die Bewohner. Dazu müssten Lösungen gefunden werden.

In der ruhigen und sachlichen Diskussion zeigte sich, dass es nicht nur bei Geschäftsleuten – vor allem artikuliert von Michael Buchner – Vorbehalte gegen eine Erweiterung gibt, sondern auch bei Bürgern. Vor allem hatten diese aber Fragen an die Planer (siehe Kasten).

Wie geht es weiter?

In diesen Tagen erhalten alle Weilheimer über 16 Jahren einen Brief mit einem Schreiben von Bürgermeister Markus Loth und einer Postkarte für die Bürgerbefragung. Einsendeschluss dazu ist am 12. März. Am 22. März will dann der Stadtrat anhand des Gutachtens und der Bürgerbefragung entscheiden, ob die Weiheimer Fußgängerzone erweitert wird. Infos: www.

weilheim.de

Was die Weielhimer sagten:

Als die Fußgängerzone vor über 40 Jahren gebaut wurde, hatte Weilheim um die 16 000 Einwohner. Ich glaube, sie muss mithalten bei diesem Wachstum.

(Roland Bosch)

Ein Wachstum proportional zu dem der Einwohner passt nicht, da sich das Einkaufsverhalten (Stichwort „online“) geändert hat. (Jan Vorholt)

Wir reden jetzt nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip. Warum werden nicht nur um die Hofstraße und die Ledererstraße erweitert, wie es ursprünglich geplant war?

(Dieter Pausch)

Das kann ich nicht empfehlen, weil sich dann der Verkehr verlagert.

(Christian Fahnberg)

Hier wird vor allem um die Auswirkungen für die Geschäftswelt gesprochen. Es ist nicht richtig, dass man mit dem Auto bis ins Geschäft fahren können soll.

(Edwart Schmied).

Die Untersuchung besteht aus acht Bausteinen, nicht nur aus der Befragung der Wirtschaft und der Anlieger. Die Erreichbarkeit der Geschäfte muss gewährleistet sein.

(Jan Vorholt).

Wenn man im Café am Kirchplatz sitzt, fahren immer wieder die gleichen Autos vorbei. Kann man die Parkplätze nicht abbauen und die Autos außerhalb parken lassen?

(Karin Knöthig)

Wir prüfen gerade das Anwohnerparken, man soll nur noch reinfahren, wenn man was zu erledigen hat.

(Bürgermeister Markus Loth)

Ich wohne seit über 60 Jahren an der Hofstraße und will mit dem Auto zu meinem Haus fahren können. Seit die Straße verkehrsberuhigte Zone ist, ist das viel besser, auch mit dem Parken vor dem Haus. Ich sehe keinen Grund für eine Veränderung.

(Dr. Anton Schuster)

Der Einzelhandel ist massiv beschädigt. Die Verkehrsberuhigung ist schon viel zu weit fortgeschritten. Was wird aus einer Stadt, wenn dort nur noch Döner und Cafés sind?

(Michael Buchner)

Wie lässt sich der Durchgangsverkehr denn regulieren?

(Anette Schulze)

Die Abkürzung von der B 2 durch die Altstadt weniger attraktiv machen, beispielsweise durch das Verengen auf eine Abbiegspur in der Admiral-Hipper-Straße.

(Christian Fahnherg).

Bei den 7200 Passanten in der Schmiedstraße, sind da die Schüler auch dabei? (Richard Gerold)

Ja.

(Jan Vorholt)

Wie oft sind die 44 Parkplätze in der Altstadt überhaupt belegt?

(Kurt Dörr)

Man kann von zehn bis zwölf Fahrzeugen am Tag pro Parkplatz ausgehen.

(Christian Fahnberg).

Wie stellt man eigentlich den Umfang des Schleichverkehrs fest?

(Thomas Zöpf)

Es gibt Verkehr, der weder zu den Geschäften noch zu den Anwohnern passt. Und es gab Befragungen.

(Christian Fahnberg).

Kann sich von den Älteren noch jemand erinnern, ob es beim Bau der Fußgängerzone auch so eine Weltuntergangsstimmung gab?

(Helmut Fischer)

Allgemeines zustimmendes Gemurmel im Saal.

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