40 000 auf dieser Weltreise zurückgelegte Kilometer feierte Michael Öfele am Strand Te Ngaere.
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40 000 auf dieser Weltreise zurückgelegte Kilometer feierte Michael Öfele am Strand Te Ngaere.

Er setzt trotz Corona seine Weltreise fort

Öfele knackt die 40 000-Kilometer-Marke

  • Stephanie Uehlein
    vonStephanie Uehlein
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Trotz Corona-Pandemie setzt Michael Öfele, ehemaliger Lehrer am Gymnasium Weilheim, seine Weltreise mit dem Fahrrad fort. Der 45-Jährige ist froh, dass sein Visum für Neuseeland inzwischen verlängert wurde. Seit 2016 war er per Rad schon auf mehreren Kontinenten unterwegs.

Weilheim – „Ohne Cape Reinga warst du nicht auf Neuseeland.“ So lautet laut Öfele eine Aussage vieler Neuseeländer, so dass es für ihn ein „absolutes Muss“ war, auch zu diesem Ort zu reisen. „Dabei blieb ich meinem Motto ,Der Weg ist das Ziel treu“, schreibt Öfele in seinem jüngsten Reisebericht. So besuchte er auch den Muriwai Beach mit einem etwa 80 Meter hohen Felsen, auf dem sich eine riesige Kolonie der seltenen Gannet-Vögel angesiedelt hat. Diese hätten sich von ihm „weder beim euphorisch-liebevollen Durchkämmen des Gefieders ihres Partners noch beim Füttern ihrer frisch geschlüpften Jungen“ stören lassen, so Öfele.

„Im Gegensatz zu diesem harmonischen, wenn auch turbulenten und lauten Miteinander nervte mich vielmehr der rege Straßenverkehr zu Beginn der (australen) Sommerferien, in dem ich mich bei vielen rücksichtslosen Überholmanövern so gefährdet sah, dass ich die langen Tage nutzte, um erst nach der Rush Hour das Gros meiner Etappen zu bewältigen“, schreibt der Globetrotter. So sei er „trotz des hügeligen Streckenprofils“ mit circa 80 Meter hohen Anstiegen recht zügig vorangekommen.

Immer wieder faszinierende Bilder liefert Michael Öfele auch aus Neuseeland, hier vom Matauri Bay.

Erst auf den letzten Kilometern vor dem „Nordkap Neuseelands“ konnte Öfele zu beiden Seiten den Pazifik sehen, so dass ihm ab Awanui „auch ohne Zuhilfenahme einer Landkarte“ bewusst wurde, sich „die ganze Zeit in eine über 100 Kilometer lange Sackgasse hineinmanövriert zu haben“. An deren Ende habe er erst beim Berühren des exponiert stehenden Leuchtturms realisiert, Cape Reinga erreicht zu haben, so Öfele.

Vor einiger zeit wartete Michael Öfele auf die Verlängerung seines Visums für Neuseeland. Denn er konnte wegen der Corona-Pandemie seine Fahrt nicht wie geplant in Südostasien fortsetzen.

Für Übernachtung genügend Proviant und Wasser dabei

Seinen Rückweg wertete der 45-Jährige laut seinem Reisebericht mit einem Abstecher zu den Giant Sand Dunes bei Te Paki auf. „Beim frühmorgendlichen Hinaufstapfen auf eine der höchsten Sanddünen, die sich entlang des Meeres bis über 100 Meter auftürmen, wehte stürmisch pfeifender Wind den feinen Sand entlang der sanft gewellten Oberfläche über den lang gezogenen scharfen Grat hinweg, von dem man mit einem ,Sandboard’ wie mit einem Schlitten im Schnee hinabsausen kann“, so Öfele. Mit diesem „Wüsten-Abenteuer“ sei er bestens auf den Ninety Mile Beach eingestimmt worden, auf dem er sich in besonderem Outfit vor dem gleißenden Sonnenlicht schützte.

Auf diesem nur 90 Kilometer (und nicht 90 Meilen) langen Strand begann für Öfele ein Wettrennen gegen die Flut. Diese drängte ihn immer weiter in den Sand ab, in dem letztlich kein Weiterkommen mehr möglich war. Zum Glück war Öfele, wie er schreibt, mental „ohnehin auf eine Nacht im Nirgendwo zwischen Meer und Sanddünen vorbereitet“. Für seine Übernachtung hatte er auch genügend Proviant und Wasser dabei. Tags darauf fuhr er ohne Pause so schnell wie möglich zu seinem anvisierten Ziel, das er kurz vor der kompletten Überschwemmung seiner Fahrbahn erreichte.

Michael Öfele feierte den 40.000 Kilometer gebührend

Zur Erholung besuchte er auf der Karikari-Halbinsel die langen Sandstrände, von denen er eigentlich schon genug hatte. „Erst  bei  Matai Beach mit vielen, von Seegras und Muscheln bedeckten Felsen, zwischen denen sich viele Fische versteckten, wurde beim Schnorcheln wieder mein Entdecker-Instinkt geweckt“, so Öfele. Mit Urlaubsbekanntschaften aus Frankreich und Wales bestieg er Duke’s Nose, wo er „mit einem fantastischen Rundumblick auf die verästelten Fjordarme“ belohnt wurde.

Mit seinem Rad stapfte Öfele über den mit langen und steilen Anstiegen gespickten Scenic Drive, um den 40.000. Kilometer dieser Weltreise am Strand Te Ngaere „mit einer Extraportion Kettenschmiere gebührend zu feiern“. Bei seiner Reise von 2006 bis 2010 hatte er die 40.000-Kilometer-Marke auch schon geknackt.

Rund 1100 Kilometer umfasste diese Tour Öfeles auf der Nordinsel Neuseelands.

An der Ostküste waren bei Öfele bei hochsommerlichen Temperaturen Abkühlungen willkommen. So aalte er sich bei Kerikeri in den Rainbow Falls, die aus circa 70 Meter Höhe auf ihn herab prasselten.

Mit einem Besuch am 1820 errichteten Stone Shop, dem ältesten Gebäude Neuseelands seit seiner europäischen Besiedlung, setzte der Weltenbummler seine Tour nach Waitangi fort. Dort war 1840 die „Treaty of Waitangi“ unterzeichnet worden, die als „Geburtsurkunde“ des heutigen Neuseelands gilt.

Übernachtung in einer ehemaligen Leuchttumwärter-Hütte

Nach einer Schiffspassage zum Hafenort Russell, dem man laut Öfele nicht ansieht, dass er kurzzeitig Landeshauptstadt war, gönnte der Globetrotter seinem „Bock“, wie er sein Rad nennt, eine Pause. Er schulterte seinen Rucksack, um Cape Brett anzusteuern. Bei einer Gratwanderung über viele Berge der schmalen Landzunge bekam er an Aussichtspunkten zu beiden Seiten das Panorama der Bay of Islands mit 140 Inseln geboten. In einer ehemaligen Leuchtturmwärter-Hütte sank er, wie er schreibt, „in den wohlverdientesten Schlaf“ seines Lebens.

Tags darauf kühlte er seine noch brennenden Fußsohlen beim Schnorcheln. So machte er sich gut erfrischt auf den Rückweg, bei dem er die Unterwasserwelt der Deep Water Cove erkundete. „Trotz bleischwerer Beine musste ich auf der gnadenlosen Hügelstrecke nach Whangarei mangels Proviant kräftig in die Pedale treten“, so Öfele. „Mit einem Bärenhunger erreichte ich die noble Stadt mit vielen kunstvollen Skulpturen, einem Museum im Hundertwasser-Stil – und mehreren Supermärkten.“

Bei der dritten Verlängerung seines Touristenvisums, die schließlich automatisch um zwei Monate erfolgte, fiel dem Globetrotter „ein Stein vom Herzen“, wie er es beschreibt. Auf die Verlängerung hatte er bereits seit längerer Zeit gewartet.

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