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Große Literatur aus nächster Nähe: Michael Köhlmeier beim Bücher-Signieren in der Aula des Gymmnasiums.

Weilheim  

Köhlmeier begeisterte in Weilheim 

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Was ist Literatur? Ein Erlebnis! Zumindest, wenn einer erzählen kann wie der österreichische Autor Michael Köhlmeier. Die gut 350 Zuhörer hingen bei seiner Dichterlesung im Gymnasium Weilheim förmlich an seinen Lippen.

Weilheim – Es war nicht ganz leicht, den 67-jährigen Schriftsteller, der – nicht nur in Österreich – auch eine Art Fernsehstar ist, nach Weilheim zu holen. Und ging dann doch recht einfach. Nachdem es auf offiziellem Weg über den ORF nicht klappte, so Gymnasiumsdirektorin Beate Sitek am Donnerstagabend in ihrer Begrüßung, habe man Köhlmeier bei einer Lesung in München direkt angesprochen. Und er sagte spontan zu.

Michael Köhlmeier zur ruhmreichen Autorengalerie der „Weilheimer Hefte zur Literatur“ hinzuzufügen, war also schwierig und simpel zugleich. Das passt ganz gut zu diesem Autor, der noch manch anderes zusammenbringt, was selten ist oder gar unvereinbar scheint: Er schreibt lakonisch und romantisch zugleich, verwischt alle Grenzen zwischen Dichtung und Wahrheit. „Ich bin der, dem jeder glaubt, auch wenn er lügt“, lässt er im Roman „Madalyn“ (2010) einen Schriftsteller, sein Alter Ego, sagen. Der schöne Satz ist auch der Titel von Köhlmeiers „Weilheimer Heft“.

„Madalyn“ stellte der Autor an den Anfang seines Auftritts in der vollbesetzten Gymnasiums-Aula: die Geschichte einer ersten Liebe. Die wäre schon mit 14 – als Köhlmeier beschloss, Schriftsteller zu werden („eigentlich kam auch vorher nichts anderes in Frage“) – sein Thema gewesen. Doch damals habe er das „nicht für literaturwürdig befunden“; erst mit 60 wagte er sich daran.

Langsam, genüsslich, mit sonorer, teils suggestiver Stimme las Köhlmeier vor. Es gab kaum „action“ in den dargebotenen Geschichten, und doch zogen sie große und kleine Zuhörer merklich in ihren Bann. Die Passage, die er aus dem 770-Seiten-Schmöker „Abendland“ herauspickte, beschreibt die beginnende Freundschaft zwischen einem Menschen und einem Hund. Da muss nicht viel passieren; da geht’s um die Tiefe, die der Alltag hat, wenn man sie ihm gibt. Nicht eine Idee oder ein Thema stünden am Anfang seines Schreibens, erklärte Köhlmeier in der Fragerunde (siehe Kasten): „Romane beginnen bei mir mit einer Figur.“ So habe ihm Hauptperson Madalyn beim Schreiben des gleichnamigen Buchs quasi „die Geschichte nach und nach erzählt“.

Am Ende seines Weilheim-Gastspiels brillierte Köhlmeier selbst als Erzähler: Lebhaft und frei berichtete der 67-Jährige (ähnlich seinen TV-Formaten wie „Köhlmeiers Märchen“), wie es nach Vorstellung der alten Griechen mit dem Himmel, der Erde und dem Menschen begann. Vieles sei „biologisch zweifelhaft, aber mythologisch einwandfrei“, fügte er immer wieder augenzwinkernd an. Den Menschen jedenfalls hätten die Götter als „lernfähigen, lernwilligen Versager“ durchaus gut gemacht, so Köhlmeier. Und gelernt hat man auch an diesem literarischen Abend einiges – auf kurzweiligste Art.

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