Mit einer offenen Beziehung versuchen es Martin Hofer und Undine Schneider (r.) als Giovanni und Antonia. Mit ihnen auf der Bühne ist Petra Fierlbeck. 

„Offene Zweierbeziehung“

Eifersucht und Rollentausch im Stadttheater

Heikle Beziehungsfragen wurden auf der Bühne des Weilheimer Stadttheaters erörtert.  Das „Turmtheater Regensburg“ spielte das Stück „Offene Zweierbeziehung“.

Weilheim – Ein Mann betrügt seine Frau. Sie leidet darunter. Um sein Gewissen zu beruhigen, vielleicht auch nur, um immer wiederkehrenden Diskussionen aus dem Weg zu gehen, schlägt er ihr einen Deal vor: den der offenen Beziehung. Keine ganz neue Erfindung, denn die Komödie „Offene Zweierbeziehung“ wurde bereits 1983 uraufgeführt. Nun zeigte sie das „Turmtheater Regensburg“ im Weilheimer Stadttheater.

Der italienische Dramatiker und Literaturnobelpreisträger Dario Fo und seine Frau Franca Rame haben mit dem Werk einen Bühnenklassiker geschaffen, der eine Thematik aufgreift, die seither nichts an Aktualität eingebüßt haben dürfte. Ist schon diese brisant genug, bringt die Tatsache, dass ein Paar, privat wie beruflich verbandelt, über Beziehungsprobleme schreibt, einen zusätzlichen Reiz. Und Rame und Fo waren bekannt (und geschätzt) dafür, sich diesem Thema auf höchst unkonventionelle Weise anzunähern. So zeigen sie Giovanni und Antonia in allen möglichen Paarkonstellationen zwischen Liebe und Hass, Demütigung und Hingabe.

Martin Hofer und Undine Schneider vom „Turmtheater Regensburg“ spielen das lustvoll aus. Mit Petra Fierlbeck ist eine dritte Person auf der Bühne, die Gitarre, Saxophon und Akkordeon spielend sowie singend zum einen den musikalischen Part beisteuert, zum anderen dramaturgisch in viele Szenen integriert ist. Die Inszenierung von Michael Bleiziffer setzt im ersten Teil sehr, vielleicht zu sehr, auf Kleinteiligkeit. Sehr kurze Szenen, immer wieder von Musik unterbrochen, reihen sich aneinander, ohne dass ein größerer Bogen entstehen könnte. Das Leiden Antonias, die sich regelmäßig das Leben zu nehmen versucht, scheint eher wie vergnügliches Spiel, eine völlig überdrehte Aktion, die die Schauspieler nicht ernst nehmen und darum auch das Publikum nicht ernst nehmen kann.

Nach der Pause hat sich nicht nur die Szene verändert – statt des schwarzen Kubus, den lediglich drei Stühle umstehen, sind wir nun in einer Art Club, in dem rockig-fetzige Musik eine eindeutige Atmosphäre schafft. Plötzlich sind auch die Gefühle der Akteure eindeutiger, glaubhafter, echter. Nun leidet Giovanni, während Antonia zu neuem Leben erweckt, die Umtriebige, Aktive geworden ist. In allen Einzelheiten schildert sie ihrem staunenden Gatten die Vorzüge ihres neuen Lovers: 20 Jahre jünger als dieser, Professor an der Universität, außerdem Mitglied einer Rockband und Dichter einfühlsamer Liebeslieder – ein Frauenversteher.

Während sie aufblüht, dreht er durch: „Ich bring’ sie um!“ Nach einer Würgeszene, die nach gestammelter Entschuldigung nahtlos in eine Beinahe-Vergewaltigung übergeht, die an ihrer für ihn unerwarteten Gegenwehr schließlich doch scheitert, sind die Rollen endgültig vertauscht. Nun will er sich das Leben nehmen – und sie versucht, ihn daran zu hindern. Ehe er mit Fön in die Badewanne steigen kann, gesteht sie, den Rock-Professor nur erfunden zu haben. Ganz kurz scheint alles wieder im Lot, das Paar sich wieder gefunden zu haben. Doch da klingelt es an der Tür, die Sängerin kommt herein und umarmt Antonia leidenschaftlich. „Wer ist denn das?“, fragt Giovanni fassungslos. „Na, wer schon: mein Professor“, entgegnet seine Frau.

Wie das Ende zu deuten ist, bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen. Es wurde jedenfalls mit viel Beifall im ausverkauften Stadttheater bedacht.

Sabine Näher

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