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Begeisterten in Weilheim: (am Tisch v.l.) Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg mit „Opern auf Bayrisch“. 

„Opern auf Bayrisch“

Ein Genuss

Die „Opern auf Bayrisch“ waren ein Genuss. Dafür sorgten  Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg. 

Weilheim – „Am meisten war’s auf solche wuild, die wo g’sunga ham und Musi g’spuilt!“ Damit ist Frau Venus charakterisiert, die ihr Liebesnest in der Kampenwand aufgeschlagen hat. Kein Wunder also, dass sie auf den gechillt des Weges kommenden Minnesänger Tannhäuser mit seiner Harfe voll abfährt. Ganz anders als auf den Grantelhuber, der sie mit dem Satz „Sog, Oide: mogst jetz oder net?“ vergeblich zu bezirzen suchte. Denn: „Des hot Frau Venus net vertrog’n! Zur Göttin konnst net ‚Oide‘ sog’n…“ Ob das Richard Wagner, dem (in Leipzig geborenen) Franken, gefallen hätte, sei dahingestellt. Das oberbayrische Publikum indessen liebt seine „Opern auf Bayrisch“. Erst recht, wenn sie von den Größen der hiesigen Theater- und Fernsehwelt, Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg, präsentiert werden.

Beim Auftritt in der ausverkauften Weilheimer Stadthalle waren die drei ein eingespieltes Team. Ihre unaufgeregte, oberbayrisch geerdete Vortagsweise ist ein Genuss. Dass sie dem Affen Zucker geben, wo’s passt, versteht sich von selbst. Und so flicht Lerchenberg seine Stoiber-Parodie ebenso ein wie eine des bayrischen Ex-Papsts Benedikt. Anthoff kann herrlich grollen und poltern. Und Glogger stimmt mit wenig richtigen Tönen, aber desto mehr Inbrunst eine Opernarie an, die die Herren neben ihr das Gesicht verziehen lässt.

Damit wären wir bei der Musik: Die Arrangements von Friedrich Meyer, die keineswegs nur die jeweilige Oper karikieren, sondern vom Schlager über den Popsong bis zur Jazznummer ohne Berührungsängste alles einbeziehen, ist bei Andreas Kowalewitz mit seinem Ensemble und dem Percussionisten Werner Hofmeister, der auch szenische Einlagen gibt, in besten Händen. Allerdings ist es eine grundsätzliche Frage, ob die Musik so sehr als Parodie und Karikatur daherkommen sollte. Denn die genialen Texte von Paul Schallweg entwickeln eine solch urtümliche Kraft, dass sie eher als eigenständiges Kunstwerk denn als Karikatur wirken. Eine „ernsthaftere“ Einstellung zur Musik würde dazu vielleicht besser passen. Ein riesiges Vergnügen bleibt die Angelegenheit aber allemal.

Zum Abschluss geht’s „ins Reich der Mitte, weit von hier, wo’s Tee trinken anstatt am Bier“. Die Prinzessin Turandot lässt alle Freier köpfen, die ihre drei Rätselfragen nicht beantworten können, auch einen Professor: „Man hat ihn als Genie verehrt, doch ohne Kopf ist er nichts wert!“ Erst der kühne Anthoff als Tartarenprinz lässt die Prinzessin erblassen. Mit bayrischer Nonchalance löst er das Rätsel: „Wie a Sonnenschein im März host du mi auftaut unterm Schnee! Liabs Schatzerl, dank da schee…“

Nicht enden wollender Beifall wird mit einer Zugabe belohnt („Jetz seid’s selber schuld!“): „Madame Butterfly“ – als geniale Kurzfassung in fünf Minuten.

Sabine Näher

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