Die Körbe mit den Osterspeisen wurden in Weilheim diesmal nicht nur in den Kirchen, sondern auch beim ökumenischen Morgenlob gesegnet, zu dem am Ostermorgen an zehn Orte im Freien eingeladen worden war. Bei der Hardtschule hatte Pastoralreferentin Andrea Günther-Reitinger die Feier gestaltet.
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Die Körbe mit den Osterspeisen wurden in Weilheim diesmal nicht nur in den Kirchen, sondern auch beim ökumenischen Morgenlob gesegnet, zu dem am Ostermorgen an zehn Orte im Freien eingeladen worden war. Bei der Hardtschule hatte Pastoralreferentin Andrea Günther-Reitinger die Feier gestaltet.

Osterpredigten in Weilheim

Frohe Botschaften für schwierige Zeiten

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Wo ist Hoffnung in Zeiten der Pandemie? Diese Frage klang heuer wohl in jedem Ostergottesdienst mit. Die Heimatzeitung hat auf die Antworten gehört – bei zwei zentralen Auferstehungsfeiern in Weilheim.

Weilheim – „Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?“ Diese Liedzeile aus dem 18. Jahrhundert fehlt auch heute in kaum einem Ostergottesdienst. Denn sie markiert für die über zwei Milliarden Christen in aller Welt die zentrale Botschaft des Osterfestes. Doch in Corona-Zeiten hat diese Botschaft für viele einen besonderen, einen anderen Klang – nicht nur, weil die Besucherzahl in Gottesdiensten streng limitiert ist und Gemeindegesang pandemiebedingt ausfällt.

„Unsere Welt ist durcheinander“, so begann Weilheims katholischer Stadtpfarrer Engelbert Birkle am Samstagabend seine Osternacht-Predigt in der Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt: Die Welt und auch die Kirche seien geprägt von einem „spürbaren Umbruch und Abbruch“; Jugendliche bräuchten für die Beschreibung der aktuellen Lage nur zwei Wörter: „voll krank!“

Engelbert Birkle, katholischer Stadtpfarrer: „,Es ist sehr gut.’ Diese Zeile aus dem Schöpfungslied im Buch Genesis ist der Kern unseres Glaubens. Was immer wir machen – unsere Welt wird nicht aus diesem Wort herausfallen, dass alles sehr gut ist.“

So wie bei Fieber der Wadenwickel helfe, so tauge in der katholischen Kirche derzeit der synodale Weg als „erste Hilfe“. Doch irgendwann, so Birkle, tauche die Frage auf: „Woher kommt die Krankheit? Was sind die Ursachen einer krank gewordenen Kirche und einer krank gewordenen Welt?“ Und da brauche es auch eine „innere Gesundung“. Die biblischen Texte der Osternacht sind für den Seelsorger eine Einladung, zum „Urfunken“ des Glaubens, zur „ersten Liebe“ zurückzukehren – über all die Pflasterchen und schnellen Aktivitäten an der Oberfläche hinaus.

„In dieser Nacht ist eine große Erinnerung daran, wie alles angefangen hat und was immer gilt“, erklärte der Geistliche. Zum Beispiel in der Schöpfungserzählung aus dem alttestamentlichen Buch Genesis, in der Gott über die Schöpfung immer wieder feststellt: „Es ist sehr gut.“ Diese Zeile sei „der Kern unseres Glaubens“, betonte Pfarrer Birkle in seiner Predigt, die per Livestream im Internet auch an rund hundert Geräten zuhause verfolgt wurde: „Was immer wir machen – unsere Welt wird nicht aus diesem Wort herausfallen, dass alles sehr gut ist.“ Wir Menschen, so Birkles Aufruf zur Hoffnung, dürften fest darauf trauen: „Es gibt immer einen Weg – auch wenn wir ihn weder ahnen noch glauben.“

Auf das sich ausbreitende Kerzenlicht der Osternacht verwies Weilheims evangelischer Dekan Jörg Hammerbacher in seiner Predigt in der Apostelkirche: „Das Licht des neuen Morgens, des Ostermorgens verdrängt die Dunkelheit. In einer Zeit wie jetzt, wo wir Geduld brauchen, tut es gut, diesen Vorgang zu erleben, unaufhaltsam setzt sich das Licht gegen die Dunkelheit durch.“

Jörg Hammerbacher, evangelischer Dekan: „Ostern infiziert uns mit einer Hoffnung, die uns gut durch diese nicht einfachen Zeiten kommen lässt. Ostern ein Infektionsgeschehen: Infiziert mit Hoffnung, die von dem lebendigen Christus ausgeht.“

Ostern ist für Hammerbacher „ein Ausbreitungsgeschehen im besten Sinn des Wortes: Unaufhaltsam verbreitet sich Hoffnung, dass Christus den Tod überwunden hat, dass das Leben stärker ist als alles, was Leben bedroht und verunsichert. Am Ostermorgen erscheint die Welt in einem anderen Licht, ja mit anderem Vorzeichen: Hoffnung! Einfach nur Hoffnung. Hoffnung, dass das Leben stärker ist als der Tod.“ So beschrieb der Dekan die Osterbotschaft als „deutlichen Gegenpol“ zur Angst vor dem Virus, die zurzeit unser aller Leben bestimmt: „Ostern infiziert uns mit einer Hoffnung, die uns gut durch diese nicht einfachen Zeiten kommen lässt.“

Eine „tolle Erfahrung“ war für Hammerbacher das ökumenische Morgenlob, das die evangelische Gemeinde und die katholische Pfarreiengemeinschaft nach ihren jeweiligen Osternachtfeiern gemeinsam draußen anboten. An zehn Orten quer durchs Stadtgebiet wurden am Ostermorgen um 7.30 oder um 8 Uhr kleine Feiern im Freien abgehalten. Hunderte Christen der unterschiedlichen Konfessionen nutzten die Gelegenheit, um sich ihr Osterlicht zu holen, die Osterspeisen weihen zu lassen und, so Hammerbacher, „sich einen Segen mitzunehmen in die Häuser“. Am Volksfestplatz waren beispielsweise rund 90 Menschen versammelt, um die 100 waren es um halb acht Uhr in der Früh auf dem Pausenhof der Hardtschule – unter strenger Einhaltung sämtlicher Corona-Regeln, inklusive des Tragens von FFP 2-Masken. Und doch war die Hoffnung dort in jeder Hinsicht spürbar.

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