Pakistani wegen sexueller Nötigung mit Gewalt vor Gericht

Schwerer Vorwurf, doch stimmt er auch?

Der Vorwurf gegen einen Asylbewerber (29) aus Pakistan wiegt schwer. Wegen sexueller Nötigung mit Gewalt muss er sich vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten. Er bestreitet die Tat.

Penzberg/Weilheim – Am ersten Verhandlungstag kam es jedoch noch zu keinem Urteil. Die junge Frau, die ihn angezeigt hatte, war nicht vor Gericht erschienen. Und im Laufe der Verhandlung tauchten viele Ungereimtheiten auf.

„Wir konnten den Aufenthaltsort der Frau nicht ausfindig machen“, eröffnete die Vorsitzende Richterin Regina Sieh die Schöffensitzung. Anscheinend sei die 20-Jährige wieder in ihr Heimatland Bulgarien zurückgekehrt, dort fand man aber ihre Adresse nicht. Der Staatsanwalt erklärte sich auf Vorschlag der Richterin einverstanden, die Aussage der Klägerin zu verlesen. Der Verteidiger lehnte dies ab, nach Beratung des Gerichts erging jedoch der Beschluss, dass die Vernehmung der jungen Frau durch die Polizei auszugsweise verlesen wird.

Demnach hat der Angeklagte die 20-Jährige in einem Raum eines Penzberger Forschungsinstituts, in dem beide als Reinigungskraft tätig waren, im November letzten Jahres sexuell belästigt. Er habe sie festgehalten und versucht, sexuelle Handlungen auszuführen. Sie habe sich gewehrt, sich minutenlang nicht befreien können und Angst gehabt. Schließlich habe sie sich aus der Umklammerung entwinden können und habe einem im Nebenraum arbeitenden Kollegen um Hilfe gerufen. So weit die Angaben aus dem Polizeiprotokoll.

Die junge Frau stellte Strafanzeige wegen sexueller Nötigung. Schon vor ein paar Jahren hatte sie ein ähnliches Erlebnis in Regensburg, wie Richterin Sieh bekanntgab. In diesem Fall legte der Beschuldigte keinen Einspruch ein. Die Richterin wertete dies als Eingeständnis seiner Schuld und somit als Bestätigung der Aussagen der jungen Frau.

Von dem Vorfall in Penzberg erzählte die 20-Jährige einer Arbeitskollegin ein paar Tage später. Diese Arbeitskollegin bezweifelte als Zeugin vor Gericht die Angaben ihrer Kollegin. Sie konnte sich vorstellen, dass diese geschauspielert habe. „Sie war emotional gar nicht so betroffen“, sagte sie mit Hilfe einer Dolmetscherin. Konkrete Beweise für ihre Mutmaßung konnte die Frau dem Gericht jedoch nicht präsentieren.

Auch der im Zeugenstand stehende Arbeitskollege, ebenfalls aus Bulgarien, der den Hilferuf der jungen Frau gehört hatte und sofort in den Raum, in dem der Vorfall angeblich passiert sein soll, geeilt war, hatte seine Bedenken. In der Putztruppe würden fast immer mehr als zwei Personen zusammen arbeiten. Maximal zwei bis drei Minuten hätten seiner Einschätzung nach die junge Frau und der Angeklagte allein sein können. Von einer Belästigung an diesem Tag hatte er nichts mitbekommen.

Überraschenderweise konnte das Gericht aber über ihn den Aufenthaltsort der Geschädigten erfahren. Er besaß die Kontaktdaten der Mutter der jungen Frau, die auch als Reinigungskraft arbeitet. Diese hat eine neue Handynummer, die dem Gericht nicht bekannt war, über WhatsApp kam nun aber ein Kontakt mit der Mutter zustande. Sie gab die Kontaktdaten ihrer Tochter in Bulgarien an, sodass der Fall eine Wende nahm: Nun soll die junge Frau zu einem weiteren Verhandlungstermin vor das Amtsgericht in Weilheim geladen werden. Eine Tatsache, die den Verteidiger erfreute. „Ich hätte doch so einige Fragen an die junge Frau“, sagte er.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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