Erst eine halbe Stunde vorher wurde der Weilheimer Rainer Schweiger von seinem Hausarzt Dr. Alexander Schießler informiert, dass er und seine Frau geimpft werden können – diese Gelegenheit ließen sie sich nicht entgehen.
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Erst eine halbe Stunde vorher wurde der Weilheimer Rainer Schweiger von seinem Hausarzt Dr. Alexander Schießler informiert, dass er und seine Frau geimpft werden können – diese Gelegenheit ließen sie sich nicht entgehen.

Mit großem Einsatz dabei

Perfekter Start der Hausarzt-Impfung

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
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Gut angelaufen ist die Impfkampagne bei den Hausärzten im Landkreis. Die meisten Mediziner haben am gestrigen Mittwoch losgelegt, manche schon am Dienstag, einige wenige vergangene Woche. Die erste Erfahrung zeigt: Es ist viel Arbeit, und manchmal kommt der Anruf für die Patienten überraschend.

Landkreis – Rainer Schweiger, langjähriger Vize-Landrat aus Weilheim, hatte sich gestern Vormittag bereits mental auf seinen Impftermin vorbereitet. Der 79-Jährige sollte wenige Stunden später in Peißenberg immunisiert werden, als plötzlich das Telefon klingelte – mit einer überraschenden Nachricht: Eine Mitarbeiterin seines langjährigen Hausarztes Dr. Alexander Schießler war am Apparat und fragte, ob er und seine Frau Karin (77) kurzfristig vorbeikommen können. Biontech für beide in gewohnter Umgebung statt Astrazeneca nur für ihn im fremden Impfzentrum – das Ehepaar musste nicht lange überlegen. „Herr Schießler gehört praktisch zur Familie. Ich habe nicht einmal den Piks gespürt“, freute sich Schweiger.

Mittwochabend weiß jeder Hausarzt, wie viele Impfdosen er die Woche darauf bekommt

So wie dem Ehepaar dürfte es vielen in diesen Tagen gehen. Nach Auskunft von Dr. Peter Lidzba, der Penzberger hat den Posten des ärztlichen Koordinators im Landkreis vom Schongauer Martin Kayser übernommen, ist die Impfkampagne gut angelaufen. „Schon vergangene Woche sind am Mittwoch und Donnerstag mehr als 400 Dosen Astrazeneca aus der Sonderlieferung der Staatsregierung verimpft worden, das kann sich trotz Urlaub und Quartalswechsel sehen lassen“, sagt Lidzba.

Doch welcher Hausarzt bekommt wie viel Impfstoff? „Die Bestellung muss jeden Dienstag mittags bei den Apotheken eingegangen sein“, erklärt Dr. Philipp Kircher aus Peißenberg, Apotheken-Sprecher für den Landkreis. In der Regel habe jede Praxis eine Stammapotheke, die der erste Ansprechpartner ist. Jeder Hausarzt könne maximal 50 Impfdosen bestellen, bei Gemeinschaftspraxen sind für jeden weiteren Arzt weitere 50 Dosen möglich. „Am Mittwochabend erfahren wir dann, ob beim Großhandel genug Impfstoff vorhanden ist, um jeden Hausarzt ausreichend beliefern zu können“, sagt Kircher. Viele Ärzte hätten die volle Menge erhalten, eine große Praxis mit vier Ärzten beispielsweise aber statt der bestellten 200 nur 100 Dosen. „Wie da die Auswahl erfolgt, weiß ich nicht“, sagt Kircher. Lidzba rechnet damit, dass ungefähr 60 Prozent der bestellten Menge geliefert wird.

Probleme mit Astrazeneca befürchtet

Ab Mittwochabend weiß also jeder Hausarzt, wie viel er nächste Woche impfen kann, und kann sich ans Abtelefonieren der Patienten machen. „Das ist natürlich sehr aufwändig und kostet viel Zeit, aber es funktioniert gut“, sagt der Peitinger Hausarzt Dr. Philipp Wagner. Was er festgestellt hat: Unter seinen Patienten waren noch einige aus der Prioritätengruppe eins, die noch nicht geimpft waren. Er hat am Dienstag mit den ersten sechs Patienten begonnen, am Freitag will er mit den 48 Dosen durch sein – weil diese und nächste Woche Biontech ausgeliefert werden soll, wo aus einer Ampulle sechs Dosen gezogen werden können, haben die Ärzte statt 50 nur 48 Dosen erhalten. „Alle Patienten waren begeistert, es gab kaum Probleme – das dürfte mit Astrazeneca schwieriger werden“, schwant Wagner.

Das glaubt auch Lidzba. Wobei für ihn noch nicht ausgemacht ist, dass, wie bisher geplant, die Hausärzte künftig nur noch Astrazeneca impfen sollen. „Die Akzeptanz ist einfach nicht da. Von 100 Patienten, die wir angerufen haben, wollten sich nur acht damit impfen lassen“, sagt Lidzba. Das bestätigt Schießler: „Der Impfstoff wird oft abgelehnt. Da könnte bald erheblich mehr Diskussionsbedarf auf uns zukommen.“

Die Ärzte könnten auch mehr impfen

Auch Apotheker Kircher ist froh, dass nächste Woche noch einmal Biontech geliefert wird – weil dort das nötige Material dabei ist. „Sonst könnte es einen Engpass bei Spritzen und Kanülen geben“, befürchtet er. Gleichzeitig hofft er, dass es nicht bei den maximal 50 wöchentlichen Dosen pro Arzt bleibt, sondern diese Zahl ansteigt. Das würde auch Lidzba begrüßen: Um das Aufkommen zu bewältigen, hat er in seiner Praxis sogar einen zusätzlichen Impfarzt eingestellt und allein am gestrigen Mittwoch sein komplettes Wochenkontingent von 48 Dosen – bestellt hatte er 96 – verbraucht. „Wir könnten locker noch einen zweiten Tag einschieben, aber da fehlt leider der Impfstoff“, bedauert Lidzba.

Bis dahin machen die Ärzte das beste daraus. Wagner aus Peiting brütet am heutigen Donnerstag schon an der Impf-Planung der nächsten Woche, ebenso wie viele seiner Kollegen. Und wenn dann kurzfristig mal jemand ausfällt, freut sich ein kurzfristig verfügbares Ehepaar wie die Schweigers.

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