1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Weilheim

Personalmangel macht krank - krasser Anstieg der Krankschreibungen im Landkreis

Kommentare

Die Pfeile zeigen nach oben: Die Zahl der Fehltage ist im Landkreis deutlich angestiegen.
Die Pfeile zeigen nach oben: Die Zahl der Fehltage ist im Landkreis deutlich angestiegen. © Grafik: DAK

Wer in einer Firma arbeitet, die unter Personalnot leidet, wird häufiger krank. Das ist das Ergebnis einer Studie der DAK für das erste Halbjahr 2023 im Landkreis. Nahezu verdoppelt haben sich zudem die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen.

Landkreis – Die Corona-Pandemie ist vorbei, trotzdem sind im ersten Halbjahr mehr Arbeitnehmer krank gewesen als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das Plus von 29 Prozent im Landkreis ist ein – durchaus überraschendes – Ergebnis der DAK-Studie, die die Krankschreibungen aller Beschäftigten auswertet, die bei der DAK versichert sind.

Der Arbeitsausfall wegen Corona ist dagegen um 77 Prozent zurückgegangen. Für den Anstieg verantwortlich waren in erster Linie Atemwegserkrankungen wie Erkältungen oder Bronchitis, psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzustände und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems wie etwa Rückenschmerzen (siehe Grafik).

Krankenstand im Landkreis genau im Bayern-Durchschnitt

Der Krankenstand im Landkreis insgesamt lag bei 4,8 Prozent und damit so hoch wie im bayernweiten Durchschnitt. Allerdings war die Zunahme im Landkreis deutlich stärker. 4,8 Prozent Fehltage bedeuten. dass in einer Firma mit 1000 Mitarbeitern jeden Tag 48 davon krank geschrieben sind. Fast jeder zweite Arbeitnehmer zwischen Lech und Loisach war zwischen Januar und Juni schon einmal krank geschrieben, diese Quote werde in der Regel erst zum Jahresende erreicht, schreibt die DAK in der Mitteilung zur Studie.

Auffällig dabei: Bei den jüngeren Arbeitnehmern (15 bis 29 Jahre) ist die Zahl der Krankschreibungen stärker gestiegen als bei den über 50-Jährigen. Die Älteren wiederum sind dafür länger krank. Die Zahl der Fehltage ist bei dieser Altersgruppe um 43 Prozent gestiegen. Depressionen oder Rückenprobleme führen meist zu längeren Fehlzeiten.

Fast ein Drittel leidet unter Schlafstörungen

Und diese Erkrankungsarten treten auch gehäuft bei jenen Mitarbeitern auf, deren Firma unter regelmäßigem oder gelegentlichem Personalmangel leidet. „Beschäftigte, die regelmäßig Personalmangel erleben, sind mehrheitlich erschöpft. Fast ein Drittel leidet unter Schlafstörungen, ein Fünftel unter Kopfschmerzen“, so die Studie. Müdigkeit, Mattigkeit oder Erschöpfung empfinden 52 Prozent der Mitarbeiter, die in einer Firma mit stetem Personalmangel arbeiten; bei Firmen ohne Personalsorgen sind es lediglich 20 Prozent. Und: „Die Beschwerden nehmen mit steigender Intensität des Personalmangels deutlich zu“, so die Ergebnisse der zusätzlichen bayernweiten DAK-Studie.

„Das merken auch wir gewaltig“, sagt Helmut Dinter, 1. Bevollmächtigter der IG Metall-Verwaltungsstelle Weilheim. Gerade bei den Automobil-Zulieferern in der Region sei der Druck derzeit enorm hoch. Das liege in erster Linie am Fachkräftemangel, der dazu führe, dass die verbliebenen Beschäftigten mehr leisten müssen und auch samstags und sonntags in die Arbeit gehen. „Viele packen das auf Dauer nicht“, so Gewerkschafter Dinter. Infekte, Rückenprobleme oder psychische Erkrankungen seien die Folge.

Keine schnelle Lösung in Sicht

Eine schnelle Lösung des Problems gebe es nicht. Die Fehler seien in der Vergangenheit gemacht worden, so Dinter. Schon vor rund zwei Jahrzehnten hätten Arbeitgeberverbände und Gewerkschaft gemeinsam eine Ausbildungsquote von zehn Prozent der Mitarbeiter in den Betrieben der Metall- und Elektrobranche angemahnt. Doch nur die wenigsten Betriebe hätten sich auch daran gehalten. Entlastung für Mitarbeiter könnte der in vielen Bereichen prognostizierte Auftragsrückgang im kommenden Jahr bringen, so Dinter. Hinter vorgehaltener Hand würden das sogar einige Firmenchefs begrüßen.

Auch die DAK kennt keine schnellen Lösungen. Immerhin bietet sie spezielle Hilfen wie das Programm „veovita plus“ an: „Schnelle und flexible Hilfe bei Angst, Depression und Burnout“ wird da versprochen.

Auch interessant

Kommentare

Teilen