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Hier beginnt die Fußgänger – derzeit: Ob sie größer werden soll, daran scheiden sich die Geister. 

Plakataktion gegen Erweiterung der Fußgängerzone

„Wir wollten wachrütteln“

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Die Plakate gegen eine Erweiterung der Fußgängerzone, die einer Todesanzeige nachempfunden sind, entzweien Weilheim. Während die Geschäftsleute sie noch ein bis zwei Wochen hängen lassen wollen, liegt dem Stadtrat am Donnerstag ein Antrag auf Missbilligung der Aktion vor.

Weilheim – Michael Buchner, der Mann hinter der Plakataktion „Stop!!! keine Erweiterung der Fußgängerzone. Diese Innenstadt wird zu Tode beruhigt“, sitzt an diesem regnerischen Montagvormittag auf einer weißen Couch in seinem Schuhladen am Kirchplatz und zählt Läden auf, die sich an der Kampagne beteiligen. Über 40 seien es schon, sagt er. Schwerpunktmäßig in jenen fünf Straßen, die von der Stadt als mögliche „Beitrittskandidaten“ in eine erweitere Fußgängerzone in Betracht gezogen werden, also Lederer-, Pöltner- und Hofstraße sowie Admiral-Hipper-Straße und Kirchplatz.

Die Idee für die Aktion habe er schon lange im Kopf, sagt Buchner, der diese weder mit dem „Aktionskreis Innenstadt“ noch Gewerbeverband oder Standortförderung abgesprochen hat. Denn seit vielen Jahren ärgere er sich, dass „so wenig los ist“ in der Stadt. Damit meint er nicht Veranstaltungen, sondern Besucher, sprich: Kunden. Die Fußgängerzone sei von der Stadt schön hergerichtet worden, so Buchner, trotzdem gebe es lange Leerstände, trotzdem lasse die Frequenz nach. Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass, wenn die Stadt verschönert werde, im Gegenzug andere Aspekte wie die Erreichbarkeit verschlechtert werden könnten. Das Bestreben der Grünen, die Altstadt autofrei zu machen, nennt er „unsäglich“.

Doch braucht es dazu eine Aktion, deren Plakate an Todesanzeigen erinnern? „Ja“, sagt Buchner, „wir wollten wachrütteln. Mit Postkarten in Schaufenstern hätten wir nichts erreicht“. „Wir wollten mal auf den Tisch hauen, in der Hoffnung, dass Vernunft Einzug hält“, so Buchner weiter, der die Debatte um die Kreuze bigott findet.

Auch Kunden sprechen ihn auf die Plakate an. „Zwei haben mir gesagt, dass sie bei mir jetzt nichts mehr einkaufen“, berichtet der Geschäftsmann. „Viele wissen gar nicht, was es bedeutet, wenn die Fußgängerzone erweitert wird“, so Buchner, der oft lange Diskussionen mit den Kunden führt. Wenn sie dann hörten, dass sie nicht mehr mit dem Auto in diese Straßen reinfahren dürften, sähen sie die Sache anders. 95 Prozent der Kunden, so schätzt er, teilten die Meinung der Geschäftsleute.

Und was ihm in den Gesprächen noch auffällt: Die meistens sähen die Fußgängerzone nur in den italienischen Momenten, wenn die Sonne scheine und Weilheim strahle, „aber es regnet auch oft“. So wie am Montag, als ein Café und ein Laden an der Hofstraße eigens mit Schildern „Geöffnet“ auf sich aufmerksam machen. Für Buchner ein Indiz für das nachlassende Interesse an der Fußgängerzone. „So etwas hätte es früher nicht gegeben“, sagt er.

Buchner und seinen Mitstreitern sind in der Dsikussion um die Erweiterung der Fußgängerzone viele Aspekte wichtig: Jetzt schon fehlende Parkplätze, hohe Parkgebühren und strenge Kontrollen zählt er auf. Auch um die Stadt fielen Parkplätze weg, ein Beispiel sei das Deck an der B 2. Aber auch die Einkaufszentren außerhalb der Altstadt bereiten den Innenstadtkaufleuten Sorgen: „Die ziehen Frequenz ab“. Im „real“ gebe es rund zehn Geschäfte mit innenstadtrelevantem Angebot, der „Neidhart-Einkaufspark“ bringe der Altstadt nichts. Die Läden dort hätten auch mit der Konkurrenz im Internet zu kämpfen, aber sie hätten Parkplätze, weswegen die Kunden weiter kämen.

Diese Zentren und die hinter ihnen stehenden Konzerne sieht Buchner als „die Profiteure“ der „Innenstadtberuhigungspolitik“, die in seinen Augen auch eine „unsoziale Entwicklung“ nach sich ziehe. Wenn Läden schließen, hätten ältere Menschen Probleme, sich mit Einkäufen zu versorgen.

Buchner setzt statt auf eine Vergrößerung eher auf eine Verkleinerung der Fußgängerzone. Was Weilheim plane, sei gegen den Trend sagte er und nennt Expertisen von Handelsfachleuten – und als Beispiel die Stadt Friedberg. Dort sei der Bau einer Fußgängerzone 2009 bei einem Bürgerentscheid abgelehnt worden. Wie Frank Büschel, Sprecher der Stadt Friedberg, gegenüber dieser Zeitung sagte, „gibt es bis heute keine“. Das Thema „Verkehrsberuhigung“ schwele aber immer noch.

Buchner könnte sich „gut vorstellen“, die bestehende Fußgängerzone mittels einer einspurigen Fahrbahn durch die Schmiedstraße, über den Marienplatz und raus über die Admiral-Hipper-Straße für den Autoverkehr wieder zu öffnen. Sie sollte so gestaltet werden, dass sie über einige Parkbuchten verfügt, zugleich aber den Charakter einer Fußgängerzone hat und für Feste gesperrt werden kann.

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