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Ein gelbes Gerät für ein besseres Gefühl im Einsatz: Der Weilheimer Inspektionsleiter Harald Bauer und Kamerafachmann Polizeiobermeister Maximilian Thedorff mit den auffälligen Body-Cams. 

Polizei in Weilheim ist froh über Body-Cams

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Die Polizei im Landkreis setzt seit Mai 2019 Body-Cams ein. Die Kameras kommen oft zum Einsatz – und erfüllen ihren Zweck, wie es heißt. Auch, wenn sie ausgeschaltet sind.

Landkreis – An diesem Abend im Juli 2019 waren die Weilheimer Polizeibeamten froh, dass sie die neuen Body-Cams dabei hatten. Gegen 19.25 Uhr hatten Passanten die Inspektion alarmiert: Nahe der Fußgängerbrücke bei der BMX-Bahn seien Jugendliche in Streit geraten. Eine Streife rückte an. Die Polizisten kümmerten sich um eine Alkoholisierte und riefen den Sanka. Doch einige aus der Gruppe hinderten den Wagen am Abfahren. „Sie haben sich solidarisiert und sind provozierend auf die Beamten losgegangen“, erinnert sich Inspektionsleiter Harald Bauer. Weitere Streifen kamen, die Lage beruhigte sich. Die Polizei hatte zwei „Körperkameras“ im Einsatz, schalteten sie wegen der bedrohlichen Lage ein. Die Aufnahmen wurden am Ende gebraucht, weil gegen Beteiligte ein Verfahren wegen Nötigung eingeleitet wurde. Weilheims Polizeichef nutzte die Gelegenheit für einen Filmabend: Bauer lud Jugendliche und Eltern in die Inspektion ein und hielt vor rund 20 Personen einen ernsten Vortrag über Gewalt. „Alle waren einsichtig“, sagt der Polizist.

Die Body-Cams wurden im Mai 2019 in der Weilheimer Inspektion eingeführt. Vier gelbe Exemplare „Axon Body 2“ der US-Firma „Taser“ sind im Gerätepool. 14 Stunden hält ein Akku, das reicht bei Bedarf für eine komplette Schicht. Die Aufnahmen erfolgen in Full HD, auch in der Nacht, in einem 72-GB-Speicher, erklärt Maximilian Thedorff. Der Polizeiobermeister hatte die Einführung begleitet. Es gab eine Schulung für die Kollegen in Theorie („mit viel Recht“) und Praxis.

Jede Zweier-Streife führt in der Regel eine Kamera mit sich. Getragen werden darf sie laut Bauer „nur in Uniform“, für zivile Kräfte ist das Gerät tabu. Wobei: Es gibt keine Verpflichtung, sie mitzunehmen. Allerdings würden die Kollegen meist nicht darauf verzichten wollen. Zum Einsatz kommt die Kamera, wenn eine Situation aus dem Ruder zu laufen droht. Der Beamte kündige dies an, erklärt Thedorff. Kooperiere das Gegenüber immer noch nicht, werde die Aufzeichnung gestartet – ebenfalls nach Ankündigung. „Dann wird alles gefilmt.“ Von 14. Mai bis 10. November verzeichnet die Weilheimer Statistik 25 Body-Cam-Einsätze. Die Palette reicht von Bedrohung über Beleidigung, Körperverletzung, Trunkenheit bis zu sechsmal Widerstand und zwei tätlichen Angriffen auf Polizisten.

Sofort nach Eintreffen in der Dienststelle werden die Daten gesichtet und auf einen eigenen Server gespielt. Der steht vor Ort und ist nicht vernetzt, wie Thedorff versichert. Zudem seien die Filme beweissicher. „Sie können nicht verfälscht werden.“ Wird ein Vorfall für ein strafrechtliches Verfahren auf CD gebrannt, geschieht dies im Vier-Augen-Prinzip, ein Vorgesetzter ist stets dabei. Auch einfach mal Anschauen ist nicht. Zugriff auf den Server gibt es nur von einem Computer aus, „jedes Ansehen wird protokolliert“, erklärt Bauer. Er versichert: „Auf Datenschutz wird sehr großen Wert gelegt.“ Deshalb dürften die Aufnahmen nicht zu Schulungszwecken verwendet werden.

Meist müssen die Polizisten nicht auf den Knopf drücken. „Allein die Ankündigung langt, dass der Gegenüber deutlich zurückfährt“, weiß Thedorff. „Die Situation läuft viel ruhiger ab.“ Auch Unbeteiligte „mischen sich nicht mehr ein“. Noch ein Nebeneffekt: Die Aufnehmen dienen auch „zur Rechtfertigung des Vorgehens der Kollegen“, sagt Polizeichef Bauer. Sein Fazit : „Das Gerät ist einfach gut.“

Eine Einschätzung, die landkreisweit geteilt wird. 31 Kameraeinsätze meldete zum Jahresende Schongaus Polizeichef Herbert Kieweg. Er sieht die Body-Cams als „sehr positiv“ an: „Sie wirken abschreckend.“ In Penzberg kommt Inspektionsleiter Jan Pfeil seit der Einführung auf circa 20 Fälle. Er nennt das Gerät „ein hervorragendes Mittel zur Deeskalation“. In zwei Fällen ging der Film an die Staatsanwaltschaft. Bei einem habe der Betreffende Beamte und Unbeteiligte beleidigt. Der Film wurde umfangreich. „41 Minuten am Stück“, so Pfeil. „Man sieht auch, wie professionell die Kollegen reagieren.“

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