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Zur ersten Präsentation des „Sion“ in Weilheim waren Vertreter von „Sono Motors“, der Stadt und der Firma „Motoren-Bauer“ gekommen (v.l.): Barbara Christ, Klaus Bauer, Nadine Gebhard, Valentin Isert, Navina Pernsteiner, Jutta Liebmann, Philipp Endres und Angelika Flock. 

Präsentation bei „Motoren Bauer“

Fahren mit Solarstrom von der Karosserie

Auf dem Gelände der Firma „Motoren Bauer“ in Weilheim war ein Stück Auto-Zukunft zu sehen und zu erleben. Das Münchener Start-up-Unternehmen „Sono Motors“ hatte zu Testfahrten mit zwei Prototypen seines „Sion“ eingeladen.

Weilheim –  Das Elektroauto lädt seine Batterie mit Solarzellen, die in die Karosserie integriert sind, und kann so bis zu 30 Kilometer pro Tag mit eigenem Solarstrom fahren. Rund 400 Interessenten – einige darunter aus Norwegen, Österreich und der Schweiz – nutzetn die Gelegenheit für eine Testfahrt. Dr. Andreas Karrer, Energiereferent im Wielenbacher Gemeinderat, hält das Auto für „genau die richtige Lösung“. Es bietet viel Platz für die Passagiere, einen großen Kofferraum und hat sogar eine Anhängekupplung. Auch mit den Fahrleistungen, die er bei einer Runde durch das „Bauer“-Gelände selbst ausprobieren konnte, war er zufrieden. Und noch etwas kommt hinzu, das der Lehrer am Weil-heimer Gymnasium nicht verschweigen möchte: „Man ist als Lehrer schon auch stolz darauf, dass Schüler so etwas leisten.“

Er dachte dabei an Navina Pernsteiner, die Mitglied des 30-köpfigen Teams ist, das das innovative Auto entwickelt hat. Die ehemalige Schülerin des Gymnasiums ist eine von drei Weilheimern in der Gruppe. Ähnlich wie Karrer sah es auch ein Landwirt aus Eresing. Jetzt fährt er noch „eine sportliche Familienkutsche mit Dieselmotor“, sein nächstes Auto soll aber ein e-Auto sein. Für dessen Ladung will er eigens eine dritte PV-Anlage – zwei Anlagen speisen bereits ins Netz ein – installieren, die mit Hilfe eines Batteriespeichers seinen Betrieb weitgehend elektrisch autark macht. Auch ein Elektro-Auto gehört in sein Zukunftskonzept, und die Solarzellen auf der Karosserie sind für ihn „eine nette Option. Bei der Testfahrt habe der „Sion“, den er als „schönes Familienfahrzeug“ einstufte, einen „sehr guten Eindruck“ gemacht.

„Ich finde es toll, was die Truppe auf die Beine gestellt hat“, sagte Firmenchef Klaus Bauer, der für die Testfahrten am Wochenende das Firmengelände zur Verfügung gestellt hat. Er ist überzeugt davon, dass die Entwicklung in Richtung e-Mobililtät geht. Zuerst werden es nach seiner Einschätzung die Stadtbusse sein, die elektrisch fahren – „das wird höchstens noch drei bis vier Jahre dauern“. Ihn freue besonders, dass das junge Entwicklerteam nach Weilheim gekommen ist, um die Prototypen auf seinem Firmengelände zu präsentieren. Seine Tochter Barbara Christ ist ebenfalls von der Zukunft des elektrischen Antriebs überzeugt. Das Unternehmen schule jetzt schon Mitarbeiter für die Wartung und Reparatur von e-Fahrzeugen, nächstes Jahr werde der erste Mechatronik-Lehrling ausgebildet, der gleichzeitig eine Zusatzausbildung für e-Fahrzeuge mache.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Angelika Flock war nach einer Testfahrt „echt begeistert von dem, was die klugen und innovativen Köpfe da geleistet haben“. Ihrer Beifahrerin Jutta Liebmann gefiel die Idee, die Karosserie zur Energiegewinnung zu nutzen: „Man sieht, dass diese Leute nicht in Grenzen denken.“ Sie schätzte auch die Form des Fahrzeugs und die hohe Sitzposition, von der aus „man einen guten Überblick hat“ sowie das übersichtliche Armaturenbrett.

Interessant fand die Leiterin des Amts für Standortförderung, Kultur und Tourismus auch das Baukastensystem der Konstruktion. Das Auto besteht aus Komponenten, die man leicht austauschen kann, was laut Geschäftsführer Jona Christians einen guten Grund hat: „Man muss das Rad nicht neu erfinden.“ Um Geld und Zeit zu sparen wurden Standard-Teile zugekauft und der Bau von Chassis und Karosserie an ein externes Unternehmen vergeben.

So konnte aus der Idee, die 2013 entstand, 2016 ein Unternehmen werden, das bereits ein Jahr später die beiden Prototypen vorstellen konnte. 2019 soll die Serienfertigung beginnen – wieder bei einem Auftragsunternehmen. Der „Sion“ soll dann ohne Batterie 16 000 Euro kosten. Die Batterie gibt es laut Christians zum aktuellen Marktpreis dazu.

Dass Weilheim, obwohl ein Drittel der Mitarbeiter aus Weilheim und Umgebung stammt, nicht als Unternehmenssitz gewählt wurde, hat laut Christians einen pragmatischen Grund: „Wir brauchen den Kontakt zu unseren vielen Partnern.“ Und in München sei man einfach besser erreichbar als in Weilheim. 

Alfred Schubert

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