1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Weilheim

Wie sieht der Landkreis im Jahr 2040 aus?

Erstellt:

Von: Sebastian Tauchnitz

Kommentare

Nachwuchs im Aufwind: In 18 Jahren werden 8,5 Prozent mehr Kinder und Jugendliche im Landkreis Weilheim-Schongau wohnen.
Nachwuchs im Aufwind: In 18 Jahren werden 8,5 Prozent mehr Kinder und Jugendliche im Landkreis Weilheim-Schongau wohnen. © Foto: Uwe Anspach/DPA

Heute schon an morgen denken – leichter gesagt als getan, denn in die Zukunft schauen ist schwer. Dennoch legte das Landesamt für Statistik jetzt seine Bevölkerungsprognose für 2040 vor. Wie sieht der Landkreis Weilheim-Schongau in 18 Jahren aus?

Landkreis – Bevor man viel Geld ausgibt, muss man planen. Das gilt für den privaten Haushalt genauso wie für die Gemeinde- und Stadtverwaltungen oder die Landratsämter. Es wäre ja auch eine Verschwendung von Steuergeldern, wenn man einen riesigen neuen Kindergarten hinstellt und nach der Eröffnung feststellt, dass kaum Kinder da sind, die dort betreut werden müssen.

Deswegen aktualisiert das Bayerische Landesamt für Statistik Jahr für Jahr die regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung. Damit die Kommunen, aber auch die Wirtschaft eine „differenzierte, qualitativ hochwertige Arbeitsgrundlage“ haben, so der Präsident des Landesamtes, Thomas Gößl.

Schaut man sich die Zahlen, die dieser Tage präsentiert wurden, einmal genauer an, dann ist ein neuer Kindergarten sicher keine schlechte Idee, ein paar mehr Seniorenheime dürften es aber auch sicher werden, um die Versorgung sicherzustellen.

Denn eines wird deutlich, wenn man sich die Prognose anschaut: Die Bevölkerungszahl im Landkreis Weilheim-Schongau wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Und der Anteil der Senioren an der Bevölkerung wird ebenfalls zunehmen.

Anhand dieser Grafik ist deutlich erkennbar, wie drastisch sich die Altersstruktur der Bewohner des Landkreises bis 2040 ändern wird
Anhand dieser Grafik ist deutlich erkennbar, wie drastisch sich die Altersstruktur der Bewohner des Landkreises bis 2040 ändern wird. © Grafik: Landesamt für Statistik

Heute leben im Landkreis rund 137 000 Einwohner. Darunter etwa 8000 Kleinkinder bis sechs Jahre und 17 100 Schulkinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren. Schon jetzt stehen dem 40 700 Einwohner gegenüber, die 60 Jahre oder älter sind. Ein Trend, der sich in Zukunft laut der Prognose fortsetzen wird.

Für 2040 rechnen die Statistiker mit 144 100 Einwohnern im Landkreis Weilheim-Schongau. Das wäre gut 7000 Menschen mehr als heute. Das sind in etwa genauso viele Leute, wie in Hohenpeißenberg und in Altenstadt zusammen wohnen. Menschen, die wohnen wollen, versorgt werden wollen, die zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Freizeit transportiert werden müssen.

Ein durchaus erheblicher Teil dieser 7000 Menschen wird von außen kommen und in den Landkreis ziehen. Zumeist junge Familien, die Kinder haben, die zunächst einen Kita-Platz, später eine Schulausbildung benötigen.

Auf den Landkreis warten immense Aufgaben in den kommenden Jahren

Mit anderen Worten: Es warten immense Aufgaben auf den Landkreis. Wohnraum muss geschaffen werden. Nicht immer nur durch die Ausweisung neuer Wohngebiete, weil dadurch weitere Flächen für Natur und Landwirtschaft verloren gehen. Auch die Nachverdichtung bestehender Siedlungen wird immer mehr zum Thema. Und damit wird sich auch das Aussehen der Städte und Gemeinden im Landkreis verändern. Die Häuser werden wahrscheinlich höher und größer werden, die Städte urbaner.

Die Kita- und Schulinfrastruktur muss entsprechend geplant werden. Aber auch der Verkehr im Landkreis muss wahrscheinlich vollkommen neu geregelt werden. Schon jetzt sind die Hauptverkehrsstraßen zu den Stoßzeiten chronisch verstopft. Rechnet man dann noch tausende neue Autos hinzu, die Tag für Tag unterwegs sein werden, dann muss entweder das bestehende Straßennetz ausgebaut werden. Oder es wird zunehmend in den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und in das Radwegenetz investiert.

Verbunden mit dem prognostizierten Wachstum sind das also alte und neue Aufgaben, aber auch neue Probleme. Denn die Bevölkerung des Landkreises wird in den kommenden 18 Jahren nicht nur wachsen, sie wird auch altern. Verglichen mit 2020, werden 2040 rund 31 Prozent mehr Menschen, die älter als 65 sind, im Landkreis wohnen. Blickt man auf die genauen Prognosen, dann zeigt sich auch, dass die Senioren im Vergleich zu heute durch den weiter voranschreitenden medizinischen Fortschritt statistisch gesehen deutlich älter werden. Es werden mehr Menschen älter als 80, auch die Zahl derjenigen, die das 90. Lebensjahr überschreiten, wird stark zunehmen.

Krankenversorgung und Angebote für Senioren müssen ausgebaut werden

Auch das bedeutet, dass heute schon Vorbereitungen getroffen werden müssen. Eine größere Zahl an älteren Bewohnern erfordert nicht nur mehr Senioreneinrichtungen und Pflegeangebote als heute. Auch die Krankenversorgung muss sich darauf vorbereiten. Nicht von ungefähr wird gerade intensiv darüber diskutiert, wie sich etwa durch den Bau eines Großkrankenhauses in Peißenberg oder Weilheim die Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH zukunftssicher aufstellen lässt.

Doch nicht nur die Zahl der Älteren wird zunehmen, es wird nach der Prognose des statistischen Landesamtes 2040 auch mehr Kinder und Jugendliche im Landkreis geben. Der Anteil der Unter-18-Jährigen wird in den kommenden 18 Jahren um 8,5 Prozent zunehmen.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Erwerbstätigen im Landkreis in Zukunft sinken wird. 2040 werden rund 2,5 Prozent weniger Menschen zwischen 18 und 40 Jahren im Landkreis wohnen, der Anteil der 40- bis 65-Jährigen sinkt noch deutlicher um 5,4 Prozent.

Die Folgen dieser Entwicklung liegen auf der Hand: Geht man davon aus, dass die wirtschaftliche Entwicklung so bleibt, wie sie ist, wird sich der Arbeitskräftemangel in der Region weiter verschärfen.

Bedenkt man dann noch, dass durch die größere Anzahl älterer Mitbürger gerade im Krankenhaus- und Pflegebereich der Arbeitskräftebedarf weiter steigen wird, werden die großen Herausforderungen der kommenden Jahre überdeutlich.

Auch interessant

Kommentare