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„Der Blick über den Kirchturm hinaus eröffnet neue Chancen“: Josef Miller (stehend) vom Diözesanrat forderte auf, „den Wandel anzunehmen und aktiv zu gestalten“. 

Projekt „Kirche und Kommune“

Kirche will im Dorfleben mitspielen

Weilheim - Die Kirche will im Dorfleben mitspielen. Darum macht sie Werbung für ihr Projekt „Kirche und Kommune“.

Die katholischen Kirchengemeinden in der Diözese Augsburg müssen mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen auf dem Land klarkommen – auch im Dekanat Weilheim-Schongau. Vor allem das bürgerschaftliche Engagement müsse unterstützt und gefördert werden. Das ist die Haupttforderung des Netzwerks „Kirche und Kommune – gemeinsam für soziale Gemeinden“. Damit machte der Diözesanrat jetzt vor rund 50 Besuchern mit einer Auftaktveranstaltung im Weilheimer „Haus der Begegnung“ Station. Eingeladen waren Vertreter der Pfarreien und der politischen Gemeinden.

Das Projekt hatte der Sachausschuss „Land“ im Diözesanrat des Bistums Augsburg im vergangenen Jahr gestartet. Hintergrund ist die Studie „Netzwerk Kommune – Kirche – Gesellschaft“ des Vereins „Soziale Gemeinden im Unterallgäu“ aus den Jahren 2011 und 2013 in 18 Pfarreien. Thomas Stark, Mitarbeiter der Studie, machte deutlich, dass Handlungsbedarf besteht: Die „soziale Gemeinde“ müsse weiterentwickelt werden, es brauche eine „Kultur der Verantwortung“. Stark: „Es macht das Leben auf dem Land so lebenswert, dass es ein Miteinander gibt.“ Dafür spielten die Kirche, und die dort im Ehrenamt engagierten Bürger weiterhin eine große Rolle, ist er überzeugt. Doch es gebe Defizite: vor allem, weil die Kontakte zwischen Kirche und Politik geringer geworden seien – auch, weil angesichts der Verantwortung der Pfarrer für immer mehr Gemeinden den Rathäusern die Ansprechpartner fehlten. Laut Stark müsste die Kirche in manche Prozesse mehr einbezogen werden, zum Beispiel bei der Dorferneuerung. „Die Kirche ist ein wichtiger Mitspieler.“ Stark hatte zwei Lösungsmöglichkeiten im Gepäck. Erstens die Einrichtung regelmäßiger „Sozialgespräche“ mit Vertretern beider Seiten. Zweitens sollten die Gemeinden Kirchenbeauftragte ernennen, die Kirche im gleichen Atemzug Kommunalverantwortliche. Alles, um letztendlich die Zusammenarbeit zu fördern.

Ein flammendes Plädoyer für das Ehrenamt in der Kirche hielt Josef Miller. Dieses sei wichtig, um mit dem Wandel „in einer einer ungeheuer schnelllebigen Zeit“ klarzukommen. Die Menschen in den Kirchengemeinden seien für eine lebendige Dorfgemeinbschaft unverzichtbar, warb der Vorsitzende des „Land“-Ausschusses im Diözesanrat. Allerdings beklagte der Memminger, ehemaliger Landwirtschaftsminister, angesichts von Pfarrermangel und Pfarreiengemeinschaften einen Rückgang der kirchlichen Kontakte zu den einzeln politischen Gemeinden. Mitschuld ist die Personallage: Von rund 640 Priestern in der Diözese seien 300 im Ruhestand, von 340 hauptamtlichen Seelsorgern seien 150 aus dem Ausland. Es dürfe aber „keinen Rückzug in die Sakristeien“ geben, mahnte der Ex-Minister.

Im Weilheimer Rathaus jedenfalls sieht man die Bedürfnisse der Kirche: „Es braucht diesen ständigen Dialog“, betonte dritte Bürgermeisterin Angelika Flock, selbst einst im Pfarrgemeinderat. „Es braucht aktive Bürger“, sagte Flock mit Blick gerade auf Solidarität mit den Schwächeren in der Gesellschaft.

Der Diözesanrat tourt mit seinem Netzwerk weiter durch die Dekanate. Nächste Stationen sind Donauwörth und Immenstadt. Damit will die Laienvertretung von rund 1000 Pfarreien mit 1,5 Millionen Katholiken in 23 Dekanaten ihr Anliegen in Rathäuser und Gemeinderäte bekommen. In Weilheim waren aber nur wenige Bürgermeister der Einladung gefolgt.

Andreas Baar

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