Viele Bücher - darunter von Robert Walser - und eine Dreifach-CD sind neu erschienen.

neues von den „weilheimer autoren“  

Prominenz von Adorf bis Walser

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Weilheim - Es gibt Neues von den „Weilheimer  Autoren“ . Von einigen wurden Klassiker neu aufgelegt,  andere ernten Lob  für weise "Spätwerke".

Unter den noch lebenden Schriftstellern, denen in den vergangenen 36 Jahren „Weilheimer Hefte zur Literatur“ gewidmet wurden, ist Martin Walser vielleicht der Berühmteste (unter vielen Berühmten). Im November 1985 war „sein“ Heft, die Nummer 16, erschienen. Titel: „Ein Angriff auf Perduz“. Und die dazugehörige Dichterlesung war nicht Walsers letzter Besuch in Weilheim. 1991 kam der vielfach Ausgezeichnete wieder und las in der Stadthalle aus seinem Roman „Die Verteidigung der Kindheit“; im März 1995 hielt Walser ebendort die Laudatio, als der Schweizer Erzähler Thomas Hürlimann den Weilheimer Literaturpreis erhielt.

Längst war Walser schon damals ein Star, und das Interesse an ihm hat seither noch zugenommen. So fand laut Verlag selten ein Buch von Martin Walser „ein derart grandioses Presseecho“ wie der im Januar 2016 erschienene Roman „Ein sterbender Mann“ (Rowohlt, 288 Seiten, 19,95 Euro) – gepriesen als „großes Spätwerk“ des Autors vom Bodensee, der soeben 89 wurde. Walser erzählt darin vom Altsein, von Liebe und Verrat, und er mischt dabei souverän die Erzählformen. „Wer wissen will, warum es sich zu leben lohnt, obwohl das schmerzlich und am Ende zweifellos tödlich ist, der sollte dieses Buch lesen“, befand etwa Deutschlandradio Kultur.

Der Dichter und Denker Hans Magnus Enzensberger, 86, steht Walser in Sachen „Prominenz“ nicht nach. Auch er war mehrmals Gast des hiesigen Gymnasiums, seit 1994 sein „Weilheimer Heft“ (Nummer 38, „Wörter wie Pappelsamen“) erschien. 2006 übernahm er in Berlin die Begrüßung, als eine Delegation dem Nigerianer Wole Soyinka den Weilheimer Literaturpreis überbrachte. Und 2010 feierte Enzensberger in der Stadthalle „30 Jahre Weilheimer Hefte“ mit.

Wer sich von Enzensberger auf so fundierte wie subversive Art erklären lassen möchte, wie unsere Wirtschaft funktioniert und warum selbst Billionen nie reichen, muss nun nicht mal mehr selber lesen: „Immer das Geld!“, seinen „kleinen Wirtschaftsroman“, der im Herbst 2015 erschienen ist, gibt’s jetzt auch als Hörbuch (Der Hörverlag, 3 CD, 22,99 Euro). Schauspielerin Lena Dörrie liest, und es gilt das Motto: „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.“  Dass Mario Adorf unter den „Weilheimer Autoren“ ist, mag manchen überraschen. Doch der berühmte Schauspieler, hoch geachtet für seine Filmrollen von „Die Blechtrommel“ über Billy Wilders „Fedora“ bis zu „Kir Royal“, ist auch Schriftsteller. Das „Weilheimer Heft“ Nr. 57 stellte von ihm „Das Orakel und andere Erzählungen“ vor. Und der in Zürich geborene Sohn einer deutschen Röntgenassistentin und eines italienischen Chirurgen bekannte darin, es sei ihm „weniger wichtig, die Wahrheit zu bedienen, als den Leser zu unterhalten. Ich wär’s auch zufrieden, wenn er dächte: ,Se non è vero è ben trovato’“ (Wenn es nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden). Den Darsteller und den Autor Mario Adorf vereint das neue Büchlein „Schauen Sie mal böse“ (Kiepenheuer & Witsch, 174 Seiten, 17,99 Euro) mit „Geschichten aus meinem Schauspielerleben“. Und darin debütiert der 85-Jährige dann auch noch als Zeichner.

Von zwei weiteren viel gelesenen und oft preisgekrönten Autoren „Weilheimer Hefte“ sind kürzlich zwei Klassiker in neuen Ausgaben erschienen. Der begnadete Erzähler Rafik Schami, 1946 in der syrischen Hauptstadt Damaskus geboren, 1971 nach Deutschland geflohen und 2003 mit dem Weilheimer Literaturpreis ausgezeichnet, wirft gewitzte und liebevolle Blicke auf den manchmal skurrilen Alltag in seiner Wahlheimat: „Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat – und andere seltsame Geschichten“ (dtv Großdruck, 286 Seiten, 10,95 Euro) lehrt auf charmante Art zum Beispiel die Unterschiede zwischen Kaufhaus und Basar – „ein humorvoller Brückenschlag zwischen Orient und Okzident“, wirbt der Verlag.

Bereits 1983 hat Uwe Timm, dessen Werk 2007 mit „Weilheimer Heft“ Nr. 63 („Erinnerung, sprich“) gewürdigt wurde, „Die Piratenamsel“ veröffentlicht. Jetzt hat dtv junior das hübsche Kinderbuch um den so sprachbegabten wie eigensinnigen Beo „Padde“, den es von Indien nach Hamburg verschlagen hat, neu aufgelegt (110 Seiten, 6,95 Euro); Axel Scheffler hat es neu illustriert. „Die Piratenamsel“ lässt sich wunderbar vorlesen – und kann auch jene Ex-Schüler mit dem großen Schriftsteller Uwe Timm versöhnen, denen dessen Lesung im Januar 2008 in der Stadthalle zu kühl war.

Die Rubrik

„Neues von den ,Weilheimer Autoren’“ stellt in loser Folge Neuerscheinungen von Schriftstellern vor, denen das Gymnasium Weilheim „Weilheimer Hefte zur Literatur“ gewidmet hat und die dort Dichterlesungen hielten.

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