Justitia im Gericht
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Wegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers des Weilheimer Krankenhauses kam es kürzlich zum Prozess.

48-Jähriger starb im Klinikum Großhadern

Prozess wegen ärztlichem Behandlungsfehler des Weilheimer Krankenhauses

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Das Krankenhaus Weilheim wird vermutlich für einen ärztlichen Behandlungsfehler aufkommen müssen. Geklagt hatten die Ehefrau und der Sohn eines 2018 verstorbenen Familienvaters (48), ein selbstständiger Schreiner.

Weilheim – Der Mann war an einem Februar-Tag gegen Mittag in die Klinik gekommen. Es ging ihm schlecht, er litt unter Durchfall und Erbrechen und hatte diffuse Bauchschmerzen. Die Ärzte gingen zunächst von einem Magen-Darm-Virus aus, der zu der Zeit grassierte. Sie nahmen Blut ab und erkannten Abweichungen zum üblichen Krankheitsbild. Drei Stunden später wiederholten sie die Blutabnahme, es gab erneut auffallende Leberwerte.

Patient wurde nach Großhadern verlegt - dort starb er aufgrund von Leberversagen

Eine daraufhin angesetzte Sonographie ergab laut der Ärzte nichts Wesentliches, das auf ein drohendes Leberversagen hingewiesen hätte. Allerdings erwies sich die Untersuchung aus Sicht der Mediziner als schwierig, weil der 48-Jährige sie nicht im Liegen über sich ergehen lassen wollte und seine adipöse Körperkonstellation den Ultraschall erschwerte.

Weil eine arterielle Gefäßdiagnostik nicht machbar war, wurde der Weilheimer erst am Abend nach Großhadern verlegt. Dort starb er aufgrund von Leberversagen und den Folgen einer Auflösung der Arterienwand, einer so genannten Aortendissektion.

Einem Gutachten zufolge hätte aufgrund der auffälligen Blutwerte noch vor der zweiten Laborkontrolle am Nachmittag eine Sonographie und Röntgenuntersuchung des Bauches erfolgen müssen, welche die Ärzte unterließen. Das sei grob fehlerhaft gewesen, so ein Experte. Wenn man den Patienten binnen zwölf Stunden nach Auftreten der Symptome operiert hätte, wären seine Überlebenschancen bei über 50 Prozent gelegen. Vermutlich wäre er aber schwer behindert gewesen, hätte an die Dialyse gemusst, verbunden mit einem künstlichem Ausgang.

Werte aus dem Labor hätten mindestens eine Stunde früher vorliegen müssen

Der Sachverständige bejahte einen Befunderhebungsfehler, die Werte aus dem Labor hätten mindestens eine Stunde früher vorliegen müssen. Dann wäre es an der Zeit gewesen, die Oberärztin zu informieren und gleichzeitig die Verlegung zu organisieren, da ein akutes Leberversagen erkennbar war. Durch die überflüssige dritte Blutabnahme kam es zu einer Verzögerung von zweieinhalb Stunden.

Das Gericht riet zu einem Vergleich. Der kann bis Ende April widerrufen werden. Mit der Summe, über die Stillschweigen vereinbart wurde, soll der fehlende Unterhalt bis zur zweiten Eheschließung der mittlerweile wieder verheirateten Frau und dem Ausbildungs-Ende des Sohnes, ein Schmerzensgeld und die Beerdigung abgegolten sein.

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