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„Radio Niederbayern“ sendete aus dem Bistro „Hänsel’s“: (vo.li.) Christoph Schmid, Herbert Schmidt und Heinrich Limbrunner.

„Radio Niederbayern“ bei den „Kunstbändigern“

Nur auf den ersten Blick Hobby-Kabarettisten

Erfrischende Unterhaltung boten „Hausmeister“ Christoph Schmid (Keyboard), „Praktikant“ Herbert Schmidt und „Studiochef“ Heinrich Limbrunner mit ihrem „Radio Niederbayern“. Sie hatten bei den „Kunstbändigern“ im Bistro „Hänsel’s“ allerlei slapstickhafte bis makabre Ideen im Programm.

Weilheim–  Für ein Piratenlied wurde Niederbayern gar zur früheren Seemacht erklärt: Vor langer Zeit habe die niederbayerische Marine begonnen, eine „Meerwasser-Abnutzungs- und Transitgebühr“ zu erheben – „kurz Maut“. Die Österreicher hätten daraufhin frustriert ihre Schiffe zertrümmert und die Holz-Brettl zum Herunterrutschen an den Bergen verwendet. Mit dem langsamen Duktus des Niederbayern setzt Limbrunner den gedankenschweren Schlusspunkt: „Aber komischerweise nennen sie’s immer noch Schief-Fahrn.“

Die Witzeleien des Kabarett-Trios erstrecken sich auch auf die Werbung. Als Running Gag preist Schmidt alle Viertelstunden das gleiche Produkt an – jedoch stets mit einem neuen Versprechen, was garantiert nicht darin sei. Erst im Laufe des Abends erschließt sich: Die kurzen Gags ergeben einen schlagenden Treffer auf die Health-Food-Industrie.

Von erster komödiantischer Güte ist dann das Studio-Telefonat mit Starkoch Alfons Schuhbeck, dem die Idee ausgegangen ist, wie man Wiener Würstl original niederbayerisch zubereitet. Limbrunner schmückt die Erklärung kurios aus – und empfiehlt allerlei Marketing-Artikel, zum Beispiel den „Radio Niederbayern Würstl-Schubser für nur 49 Euro“.

Die Spezialität des Trios sind Gags, die wie eine verhungerte Kegelkugel in Zeitlupe laufen, um zuletzt doch noch zu treffen. Genauso langsam entfaltet sich auch der perfekte Song übers „Shoppen“, der vor allem die Damen im Publikum zum Lachen bringt. Einzig ein Anti-Pegida-Song wirkt unentschlossen zwischen Kritik und Versöhnungskurs und läuft daher leer. Das Zeug zum echten Rundfunk-Hit hat dagegen das Lied übers Grantigsein.

Die Spezialität von Christoph Schmid ist das Stimmeverstellen, und so mimt er schon mal die krakeelende Seniorin am „Studiotelefon“ oder gibt den interviewten Politiker von der „Links-Rechts-Partei“. Am Schlagzeug begleitet Schmidt die Musikstücke, die zwischen Skiffle, Blues und Reggae rangieren. Limbrunner geht sogar bis zu Wah-Wah-Effekten an der E-Gitarre und hat eine echte Gesangsstimme. Aber professionell-steif soll das Programm gar nicht rüberkommen, und so schmeißt er sich lieber in die Verkleidung des „Superstars“ und schmachtet eine gewollt schlecht interpretierte Schnulze in Falco-Pose – das ist einfach nur witzig.

Hinterher staunt man, wieviel gut gekonnter Spaß hinter der wurstigen Hobby-Kabarett-Attitüde steckt. „Radio Niederbayern“ kann man mit Fug und Recht auf der Senderliste speichern.

Andreas Bretting

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