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So sieht ein Lastenfahrrad aus: Eines von vielen Beispielen zeigt hier Zweirad-Mechatronikermeister Daniel Schwabl vom Fahrradgeschäft Ebert in der Oberen Stadt.

In drei Jahren Kontrolle durch AGFK

Radwege in Weilheim: Große Pläne und kleine Dämpfer

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Ob große Vorhaben wie die Idee, Radlern in der Stadt auf einigen Trassen Vorrang einzuräumen – oder kleine Mosaiksteine wie der Verleih von Lastenfahrrädern: Die Förderung des Radverkehrs ist zurzeit ein großes Thema in Weilheim. Manches aber geht langsamer als gedacht.

Weilheim – An Ideen zur Förderung des Radverkehrs in Weilheim mangelt es nicht. Aus allen Richtungen sprießen Vorschläge, werden Anträge gestellt und Konzepte erarbeitet. So hat die Stadt kürzlich beim Ingenieurbüro „gevas“ für rund 34 000 Euro die Erstellung eines Radverkehrskonzeptes fürs gesamte Stadtgebiet samt der Ortsteile in Auftrag gegeben. Denn 2019 ist Weilheim der Arbeitsgemeinschaft „Fahrradfreundliche Kommunen in Bayern“ (AGFK) beigetreten – und die fordert deutliche Verbesserungen für Radler in der Stadt.

Radwege müssen teilweise umstrukturiert werden

Noch ehe „gevas“ richtig loslegt mit der Arbeit, hat der Arbeitskreis „Mobilität und Verkehr“ der Weilheimer Agenda 21 bereits – in vielen ehrenamtlichen Stunden –ein „Konzept zur Verbesserung der Fahrradwege-Infrastruktur in Weilheim“ erstellt. Damit Radfahrer leichter, schneller und sicherer an ihr Ziel kommen, so dessen Kernaussage, müssen die Verkehrswege in der Kreisstadt teilweise umstrukturiert werden: „Es braucht durchgängige Verkehrsachsen, auf denen die Radfahrer bevorrechtigt sind und die abseits und parallel zu den Hauptverkehrsachsen für Autofahrer verlaufen.“ Für sieben solcher Radwege-Achsen hat die Arbeitsgruppe unter Leitung von Helmut Kilian detailliert aufgeschrieben, was in welcher Straße zu tun wäre (ausführlicher Bericht folgt).

Im Verkehrsausschuss des Stadtrates gab es letzte Woche schon großes Lob für dieses Konzept. Die Aktiven hätten sich „sehr viel Arbeit gemacht und viel Hirnschmalz reingesteckt“, dankte Bürgermeister Markus Loth (BfW): „Das ist eine Super-Arbeitsgrundlage, auf der man aufbauen kann.“ Die 32-seitige Vorlage soll nun in das offiziell beauftragte Radverkehrskonzept eingebunden werden. Zeitpunkt und Inhalt des Agenda-Entwurfs seien „äußerst begrüßenswert und sinnvoll“, wurde der zuständige „gevas“-Mitarbeiter im Ausschuss zitiert. Am 28. Juli soll für das von „gevas“ zu erstellende Maßnahmenpaket vor Ort eine Arbeitsgruppe tätig werden. Neben Vertretern der Stadtratsfraktionen werden dazu auch die Aktiven des Agenda-Kreises und des ADFC-Kreisverbandes (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) eingeladen, wie Stefan Frenzl, der Radverkehrsbeauftragte im Rathaus, versprach.

Erfolge in Sachen „Radl“ zu verzeichnen - unter anderem kommt Lastenfahrrad gut an

In seinem Sachstandsbericht in Sachen „Radverkehr“ zählte Frenzl in der Ausschuss-Sitzung einige Erfolge auf. Etwa, dass am Weilheimer Bahnhof im Zuge der Umgestaltung rund 800 „wertige, überdachte Radl-Abstellplätze“ entstehen. Auch das städtische Förderprogramm, das die Anschaffung von Lastenfahrrädern und Radl-Anhängern bezuschusst, werde sehr gut angenommen: In den ersten sechs Wochen wurden schon 30 Anträge gestellt und ca. 6000 Euro ausbezahlt; insgesamt stehen dafür heuer 15 000 Euro zur Verfügung. Zudem habe sich die Stadt für ein bayerisches Modellprojekt zur Schaffung eines Lastenfahrrad-Vermietsystems beworben. Zu diesem Thema gibt es auch einen Antrag der CSU/FDP-Fraktion – und schon ab Juli kann mitten in Weilheim von privat ein Lastenfahrrad ausgeliehen werden (siehe unten).

Doch an anderer Stelle geht wenig voran, wie eine Nachfrage von ADFC-Vertreter Dieter Schleiermacher im Verkehrsausschuss ergab. Für eine dauerhafte Verbesserung für Radler an der Deutenhausener Straße (samt Querungshilfe) liegt – obwohl längst beschlossen und im Haushalt eingeplant – noch immer keine Planung vor. Und für den ersten Teil eines Radweges an der Ostseite der Münchener Straße, vom Töllernkreisel bis zur „Aldi“-Einfahrt, geht es womöglich „zurück auf Los“: Die eingeplanten 350 000 Euro reichten dafür nicht aus, sagte Bürgermeister Loth und verwies auf die derzeitige „absolute Hochpreis-Phase im Tiefbau“. Nun müsse im Bauausschuss noch mal diskutiert werden, „ob und wie man das macht“.

In drei Jahren kontrolliert AGFK Fortschritte

Teuer wäre es auch, den sogenannten Modalsplit zu ermitteln, der aussagt, wie hoch der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr in der Stadt ist – und der von der AGFK eigentlich gefordert wird. Weil es dafür auch eine Haushaltsbefragung braucht, müsste die Stadt Weilheim zweimal rund 30 000 Euro dafür ausgeben (einmal jetzt, einmal später, um einen Vergleich zu haben). Vor einer Entscheidung soll geprüft werden, ob auch eine Erfassung mit günstigeren Zählgeräten genügen würde.

Mehr zum Thema: Weilheims neue Ziele in Sachen „Radverkehr“

Fest steht: Um dauerhaft im Club der fahrradfreundlichen Kommunen zu sein, muss die Stadt mehr für den Radverkehr tun. In rund drei Jahren wird Weilheim diesbezüglich von der AGFK unter die Lupe genommen. Frenzl gab sich im Ausschuss zuversichtlich: „Wir können in drei Jahren durchaus was erreichen, wenn wir ein bisschen Gas geben.“

Wo man sofort etwas ändern könnte und müsste, regte SPD-Stadtrat Horst Martin an: Aus Sicherheitsgründen solle besser markiert werden, wo Radwege oder Schutzstreifen enden. Und bei Umleitungen wegen Baustellen müsse man „auch mal Möglichkeiten für Radler bedenken und nicht nur für Autos“. Im übrigen läuft, initiiert von der ÖDP, weiter die Online-Petition „Radentscheid Weilheim“. Motto: „Wenn Radfahren attraktiv und sicher ist, bleibt das Auto leichter stehen.“

Ein Lastenfahrrad zum Ausleihen

Die Stadt Weilheim solle ein Lastenfahrrad „zum Verleihen an die Weilheimer Bevölkerung“ anschaffen – das beantragt die CSU/FDP-Stadtratsfraktion. Gut 4000 Euro müsse man dafür investieren, das Geld sei im Etat 2020 vorhanden. In Absprache mit den Stadtwerken wird folgendes Modell vorgeschlagen: Wo sich das Gefährt jeweils befindet, könne über das GPS-System der Stadtwerke überwacht werden. Wartung, Pflege und Reparatur sollen durch einen Fahrradhändler vor Ort erfolgen, die Kosten dafür durch die Leihgebühr erwirtschaftet werden – wobei das Ausleihen für Gewerbetreibende heuer wegen deren Corona-Einbußen kostenfrei sein solle. Zentraler Standort für das Lastenfahrrad könne „die Bahnhofgasse beim Döner- Imbisswagen“ sein; dessen Betreiberin sei bereit, die Ausgabe und Rücknahme abzuwickeln, wie es hieß. 

Der Verkehrsausschuss des Stadtrates stimmte dem Antrag grundsätzlich zu, doch Standort und Modalitäten seien zu prüfen. „Das muss noch genauer ausgearbeitet werden“, so Bürgermeister Markus Loth (BfW). Ein besserer Standort wäre laut Radverkehrsbeauftragtem Stefan Frenzl die „Biomichl“-Tiefgarage. Horst Martin (SPD) betonte, dass für „Normalbürger“ und Gewerbetreibende unterschiedliche Bedürfnisse zu erfüllen seien. Die Stadt will nun Erfahrungen einer Privatinitiative abwarten: Der „Studienkreis Weilheim“ stellt laut Frenzl ab 1. Juli ein Lastenfahrrad zur Verfügung, das Bürger in den Arkaden des „Unverpackt“-Ladens in der Admiral-Hipper-Straße kostenlos ausleihen können

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