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Problemfall: Die Ortsdurchfahrt von Marnbach machen Autofahrer immer wieder zu einer Rennstrecke, wie Anlieger beklagen.

Tempokontrollen ab Juli

Den Rasern geht es an Kragen

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Weilheim - Kurswechsel im Weilheimer Stadtrat. Jahrelang wehrte er Tempokontrollen durch den „Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung“ ab, doch ab 1. Juli gibt es nun Messungen im ganzen Stadtgebiet. Die Weilheimer sollen aber an die neuen Kontrollen gewöhnt werden – ganz langsam.

 Entscheidungsgrundlage für den Stadtrat waren – folgenlose – Geschwindigkeitsmessungen vom 8. März bis 20. Mai 2016. Sie fanden an 17 über das Stadtgebiet und die Ortsteile verteilten Messpunkten sowohl an Hauptverkehrsstraßen als auch in Tempo-30-Gebieten statt (wir berichteten). Die Kontrollen hätten gezeigt, dass die Beschwerden vieler Weilheimer über Raserei nicht aus der Luft gegriffen seien, so Andreas Wunder, Leiter des städtischen Ordnungsamtes, in der Sitzung am Donnerstabend.

In Marnbach seien damals von 33 000 Fahrzeugen 22,8 Prozent schneller als die zugelassenen 50 Stundenkilometer gefahren. 13 Autofahrern am Tag hätte ein Führerscheinentzug gedroht, so viel zu schnell waren sie. In Unterhausen sei über die Hälfte der Autofahrer zu schnell gewesen, obwohl an der Straße eine Bushaltestelle sei. Dabei sei Raserei eine Hauptunfallursache.

Einige Stadträte waren dennoch skeptisch. Man stelle sich vor: Ein junger Mann fährt mit seinem Auto mit 110 Stundenkilometern durch die Karl-Böhaimb-Straße in Weilheim, wird vom „Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung“ erwischt und verliert seinen Führerschein. Den Führerschein, den er von Berufs wegen dringend braucht. Kann die Stadt dies verantworten? Diese Frage stellte CSU-Stadträtin Uta Orawetz. Sie sei bei diesem Thema unentschlossen, sagte sie und forderte eine einjährige Befristung des Vertrags. Eine Antwort auf die Frage, ob die Stadt diese Messungen verantworten könne, kam von ihrem Fraktionskollegen Stefan Zirngibl. Die Verkehrsmoral habe sich in den letzten Jahren „drastisch verschlechtert“, stellte er fest. Deswegen sei auch er, der zweimal gegen diese Maßnahme gestimmt habe, für die Tempoüberwachung.

Einer, der sich seit Beginn seiner Stadtratsarbeit vor 15 Jahren für die vom Zweckverband angebotene Kontrolle einsetzt, ist Verkehrsreferent Dr. Claus Reindl (BfW). „Wir müssen für Verkehrssicherheit sorgen, auch für die der schwächsten Verkehrsteilnehmer wie Senioren und Kinder“, sagte er. Walter Weber (Freie Wähler), der als Schulweghelfer an der Lohgasse im Einsatz ist, spürt die Rücksichtslosigkeit fast jeden Tag: „Manche fahren uns fast die Kelle aus der Hand“. Die Autofahrer lernten richtiges Verhalten nur, „wenn es an den Geldbeutel geht“.

Am Donnerstagabend stimmten letztlich nur zwei Stadträte dagegen, dass der Zweckverband die Geschwindigkeit kontrolliert und Verstöße ahndet, nämlich Petra Arneth-Mangano (SPD) und Wolfgang Mini (fraktionslos). Beide mit dem Hinweis darauf, dass diese Verkehrsüberwachung eine hochheitliche Aufgabe der Polizei sei, die nicht auf andere verlagert werden sollte. Mini zweifelte zudem die Ergebnisse der Probemessungen des Zweckverbandes an.

Die Stadt wolle auch deswegen dem „Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung“ beitreten, weil die Polizei „aus personellen Gründen eine häufige Geschwindigkeitsüberwachung leider nicht gewährleisten kann“, sagte Wunder. Wie Bürgermeister Markus Loth (BfW) anfügte, werde sich die Polizei aber nicht ganz aus dieser Aufgabe zurückziehen, zudem sei die Inspektion Weilheim in die Auswahl der Messstellen eingebunden.

Laut Wunder sollen die Verkehrsteilnehmer langsam an die Messungen gewöhnt werden. Zum einen sei eine Plakataktion geplant, zum anderen sollen nicht von Anfang an Bußgeldbescheide, sondern erst Ermahnungen verschickt werden. Die Stadt wird vorerst ein Kontingent von 40 Überwachungsstunden in der Woche beim Zweckverband bestellen, gemessen werden soll an 40 bis 50 Stellen. Eine Überwachungsstunde schlägt bei der Stadt mit 95 Euro zu Buche, plus sechs Euro Bearbeitungsgebühr pro Bußgeldbescheid.

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