Szene von den Dreharbeiten für die Serie „Reiterhof Wildenstein“
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Das Filmteam von „Reiterhof Wildenstein“: (hinten v.l.) Josh Broecker (Regie); Stefan Pohl (Schauspieler), Klara Deutschmann (Schauspielerin), Max Woelky (Schauspieler), Eckhard Jansen (Kameramann) sowie (vorn v.l.) Anne Schäfer (Schauspielerin), Kathrin Anna Stahl (Schauspielerin), Gerd Anthoff (Schauspieler) und Nele Trebs (Schauspielerin).

Filmdreh in und um Weilheim

Gut Schörghof wird zum „Reiterhof Wildenstein“

Zwei Monate lang war ein Filmteam im ganzen Landkreis unterwegs, um neue Folgen für die erfolgreiche Fernsehserie „Reiterhof Wildenstein“ zu produzieren. Wir haben die Dreharbeiten der Neue Bioskop Television in Weilheim besucht.

  • Für die ARD-Serie „Reiterhof Wildenstein“ fanden jüngst in Weilheim Dreharbeiten statt.
  • Einige Szenen wurden auf Gut Schörghof gedreht.
  • Die Hauptdarstellerinm kennt sich mit Pferden aus, musste aber Reitunterricht nehmen.

Weilheim – Auf dem Parkplatz am Gymnasium herrscht geordnetes Chaos: Ein ganzer Fuhrpark und jede Menge Technik sind aufgebaut, dazwischen wuseln viele Mitarbeiter mit Gesichtsmaske und Funkgeräten herum, die alle sehr wichtig und geschäftig wirken. In der Mittagspause hat Regisseur Josh Broecker Zeit für ein Interview, das an einem Biertisch mit einem aufgeklebten Sperrkreuz in der Mitte stattfindet. Nur links und rechts an der Seite darf man wegen der Corona-Regeln sitzen, die dem ganzen Team die Arbeit schwer gemacht haben.

„Heute ist unser letzter Drehtag“, sagt Broecker, „und da wäre eigentlich ein großes Abschlussfest fällig.“ Weil das aber der Pandemie zum Opfer fällt, spendet das Team die Kosten in Höhe von 2500 Euro der Münchner Stiftung Ambulantes Kinderhospiz.

„Wildenstein“: Drehbücher wegen Corona extra umgeschrieben

Mit dem gebührenden Abstand zueinander warten die Schauspieler, Techniker und Helfer vor dem Catering-Wagen, wo gerade das Mittagessen ausgegeben wird. „Der Umgang miteinander ist nicht so emotional-herzlich, wie das in der großen Filmfamilie sonst der Fall ist“, erzählt der Regisseur. Das heißt, es gibt keine morgendlichen Begrüßungsbussis, keine kollegiale Umarmung, kein anerkennendes Schulterklopfen, wenn eine gelungene Szene im Kasten ist. „Diese Kontakte fehlen natürlich“, sagt Broecker, „und ich muss versuchen, verbal das Team bei Laune zu halten.“

Auch für ihn selbst waren die vergangenen Wochen in einer Weilheimer Ferienwohnung nicht einfach, den Kontakt zu seiner Frau in Hamburg und den beiden Söhnen im Studium konnte er nur über digitale Medien pflegen. „Und wenn wir in Weilheim fertig sind, werde ich allein im Auto nach Hause fahren und nicht zurück fliegen.“

Obwohl während der Dreharbeiten zeitweise bis zu fünf Dutzend Leute gleichzeitig am Set waren, gab es keinen Corona-Fall – „zum Glück, denn jeder ausgefallene Tag hätte die Produktion sehr viel Geld gekostet“, so der Regisseur. Eine Betriebsärztin überwachte die Mitarbeiter und die Einhaltung der Hygiene-Vorschriften, regelmäßig wurde Fieber gemessen und bei Innenaufnahmen gelüftet. Broecker: „Wir mussten sogar Szenen in den Drehbüchern umschreiben, damit die Schauspieler einander nicht zu nahe kommen. Jetzt bin ich froh, dass alles so gut gelaufen und heute Drehschluss ist.“

„Wildenstein“: Hauptdarstellerin ist mit Pferden vertraut

„Reiterhof Wildenstein“ ist eine deutsche Fernsehserie, die seit 2019 für das Erste produziert wird. Die Folgen haben eine Länge von circa 85 Minuten und werden im Rahmen der Reihe „Endlich Freitag“ ausgestrahlt. Im Mittelpunkt steht Pferdetrainerin Rike Wildenstein (Klara Deutschmann), die nach dem Tod ihres Vaters aus den USA nach Deutschland zurückkehrt, um das traditionsreiche Familiengestüt zu retten. Kaum zu Hause, möchte die unkonventionelle Heimkehrerin fortan einen sanften Reitsport einführen. Doch ihre mit Wildpferden entwickelte Vision vom Reiten ohne Zwang und Peitsche trifft bei den Anhängern der klassischen Reitlehre auf wenig Gegenliebe. Sie überwirft sich mit ihrem ehrgeizigen Bruder, der mit den besten Pferden in einen konkurrierenden Stall abwandert. Es entsteht ein konfliktbehafteter Machtkampf um die Zukunft des finanziell angeschlagenen Reiterhofs.

„Wildenstein“: Dreharbeiten auch auf Gut Schörghof

Gedreht wurden die neuen Folgen unter anderem auf dem Weilheimer Gut Schörghof von Baronin Annabel von Bechtolsheim. Deutschmanns dunkelbraunen Wallach gibt es gleich viermal in identischer Ausführung, denn jedes der Pferde hat andere Fähigkeiten, die in bestimmten Aufnahmen zum Tragen kommen. Eines beherrscht die Freidressur, eines ist ein richtiges Dressurpferd, ein anderes kommt als Stuntpferd zum Einsatz.

Die Schauspielerin geht völlig auf in ihrer Rolle als „Pferdeflüsterin“ Rike. „Seit ich fünf Jahre alt bin, habe ich mich in Pferdeställen aufgehalten“, verrät sie. Deutschmann ist viel geritten und hatte früher einige Reitbeteiligungen; der Umgang mit den Tieren ist ihr also vertraut. Trotzdem musste sie für die Dreharbeiten sechs Wochen Reitunterricht nehmen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Statt einer Drehschlussparty gab es eine Spende an die Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München. Das Bild zeigt (v.l.) Eva-Maria Büttner (Stiftung), Schauspielerin Klara Deutschmann und Producerin Ulrike Schölles.

Aus Sicherheitsgründen sprang bei den Galoppszenen ein Double ein. Für rasante Nahaufnahmen saß die Hauptdarstellerin auf einem Fake-Horse – einer täuschend echt aussehenden Attrappe, die auf einem Anhänger gezogen wurde. „Mit den Pferden hat man beim Dreh immer etwas zu tun“, erzählt sie, „fernab von dem, was gerade in der Szene passiert. Dadurch entsteht aber auch eine ganz andere Natürlichkeit und Spontaneität in den Szenen.“ Das war aber auch nicht immer einfach: „Manche Szenen dauerten dreimal so lang als sonst, bis sie richtig abgedreht waren.“

Ein Sendetermin für die beiden neuen Filme steht laut Broecker noch nicht fest. „Es wird aber sehr spannend“, verrät er über die nächste Folge mit dem Titel „Jacomo und der Wolf“. Denn auf Wildenstein herrscht große Aufregung. Wölfe haben sich im Wald angesiedelt und kommen den Bewohnern gefährlich nahe. Der ganze Ort steht Kopf – Gegner fürchten um das Leben der Menschen und Tiere und geraten mit Naturschützern aneinander, die die Wolfsansiedlung befürworten. Mittendrin: Rike Wildenstein, deren besonders einfühlsamer Zugang zu Pferden sich auch bei den Wölfen bewährt – doch gerade ihre große Tierliebe bringt die “Pferdeflüsterin” in einen schweren Konflikt. Text: Peter Stöbich

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