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Mitmachen oder zuschauen: Beim Repair-Café ist beides möglich. 

Repair-Café im Mütterzentrum

Reparieren und den Horizont erweitern

Weilheim - Im Weilheimer Repair-Café- trifft Geschick auf Unterhaltung.  Im Oktober gibt es sogar ein erstes Treffen für Kinder und Jugendliche.

Reparieren statt wegwerfen und neu kaufen – das ist der Gedanke, welcher der Repair-Café- Idee zugrunde liegt und in vielen Ländern der Welt immer mehr Anhänger findet. Seit Januar des Jahres gibt es im Weilheimer Mütterzentrum auch so ein Café, in dem sich auf Initiative von Monika Welchert-Schlecht einmal im Monat die Bastler mit den Interessenten treffen, deren Föhn, Bügeleisen, Fahrrad, Lampe oder sonstige Geräte Macken haben. Zehn solcher ehrenamtlichen Reparateure sind jeden dritten Samstag im Monat von 13 bis 16 Uhr abwechselnd im Einsatz, das nächste Mal wieder am kommenden Samstag, 17. September.

Der gute Besuch des Cafés spricht für sich: An einem der Tische mühen sich gerade Andreas Hösle und Jochen Walter gemeinsam mit einem Kunden ab, dessen Sprühsauger „nicht mehr sprüht, nur noch saugt“. Noch ist der Fehler nicht gefunden, aber, so Hösle, „wir haben Spaß am Reparieren und erweitern gegenseitig unseren Horizont.“ Einen Tisch weiter ärgert sich der Ingenieur Arne Thie gerade mit einem Marken-Bügeleisen herum, dass sich nicht einmal öffnen läßt. Thie – „ich repariere Sachen, seit ich zwölf Jahre alt bin“ – vermutet angesichts dieses Mangels Produktpiraterie und kommt erst mal nicht weiter. Der Radio mit Verstärker, an dem die Elektro-Fachkraft Felix Bauer gerade arbeitet, ist ebenfalls schadhaft, es kracht immer wieder aus den Lautsprechern. Bauer hilft gern, aber „bei Billigprodukten hab’ ich etwas Bauchweh“, sagt er. So geht es auch dem Techniker August Frank. Das CD-/Kassetten-Radio ist laut seiner Kundin „lange Zeit gut gelaufen“, aber jetzt „spinnt der Lautstärkeregler“. Frank versucht es mit Kontaktspray, nennt das Problem klar beim Namen: „Keine hochwertige Ware“, sagt er, „oft lohnt sich ein größerer Aufwand einfach nicht.“

Ein Erfolgserlebnis hat da seine Ehefrau Renate, die neben ihm gerade gut gelaunt einen verdrehten Gummizug an einer Hose neu eingezogen hat. Die gelernte Schneiderin macht „alles, wo andere sagen ,Das rentiert sich nicht’“. Frank kürzt Röcke, macht enge Dirndl weiter, näht auch nur mal einen Knopf an. Barbara und Marei Kuchler verbringen im Repair-Café lediglich einen spannenden Tag. Mutter und Tochter genießen die entspannte Atmosphäre, schauen den Bastlern über die Schulter und freuen sich über die selbstgemachten Kuchen und den Kaffee.

Monika Welchert-Schlecht ist begeistert, dass ihre Initiative mit dem Motto „Wegwerfen? Denkste!“ so gut ankommt. Im Idealfall laufe es so wie kürzlich bei einer älteren Frau, deren betagte Küchenmaschine dank zweier begabter Helfer am Ende wieder brav schnurrte: „Die war so happy, die hätte uns alle umarmen können!“, erzählt sie über die Frau. Erwartet werden im Repair-Café nur zwei Dinge: Tätige Mithilfe im Rahmen der Möglichkeiten und ein Obolus für die erhaltene Hilfe – jeder so, wie er kann.

Am Samstag, 22. Oktober, hat das „Repair-Café für Kinder“ Premiere. Ebenfalls von 13 bis 16 Uhr dürfen Kinder und Jugendliche ihr kaputtes Spielzeug, ihre zu kurze Jeans oder ihren rauschenden Kopfhörer vorbeibringen. Die Frage, ob dieses zusätzliche Angebot von Dauer sein wird, hängt von fähigen Bastlern ebenso ab wie von der Nachfrage. 

Emanuel Gronau

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