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Saatkrähen: Vertreibung aus dem Paradeis

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Von: Magnus Reitinger

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Der Lärm und die Verschmutzung, die mit Saatkrähen innerorts einhergehen, stören viele. Die Stadt plant deshalb erneut eine Vergrämungsaktion Doch letztlich, so heißt es, müsse man „mit den Vögeln leben“.
Der Lärm und die Verschmutzung, die mit Saatkrähen innerorts einhergehen, stören viele. Die Stadt plant deshalb erneut eine Vergrämungsaktion Doch letztlich, so heißt es, müsse man „mit den Vögeln leben“. © Gronau (Archiv)

Im Frühjahr 2022 soll erneut versucht werden, Saatkrähen aus Weilheim zu vertreiben, vor allem aus dem Wohngebiet im Paradeis. Zugleich will man die Vögel in anderen Stadtbereichen dulden. Denn alle Maßnahmen, so weiß man, helfen nur sehr begrenzt – oder haben sogar negative Folgen.

Weilheim – Die Saatkrähen sind ein Dauer-Aufreger in Weilheim. Vergangenes Frühjahr führte die Stadt deshalb mit Genehmigung der Regierung von Oberbayern Vergrämungsmaßnahmen am Oberen Graben und insbesondere beim Kindergarten an der Augsburger Straße durch (wir berichteten). Das habe durchaus funktioniert, wie Bauverwaltungsleiter Manfred Stork diese Woche im Bauausschuss des Stadtrates resümierte. Doch die Vögel – und mit ihnen die Probleme – wurden letztlich nur verdrängt. „Danach waren in Weilheim rund 400 Nester/Brutpaare in den Bereichen Au, Maibaumpark, Friedhof und insbesondere im Wohngebiet Paradeis festzustellen“, so Stork.

Vogel lässt sich nicht einfach so verdrängen

Vor allem aus dem Paradeis sei die Verwaltung in der Folge „mit Beschwerden über untragbare Zustände überhäuft“ worden: Der fast ganztägige Lärm und die Verschmutzungen durch die Saatkrähen machten vielen Anwohnern zu schaffen. Man müsse deshalb unbedingt versuchen, die Situation dort zu verbessern, betonte Stork. Wenngleich die Erfahrung lehre: „Dieser Vogel lässt sich nicht einfach so verdrängen, jeder Eingriff hat letztlich auch negative Auswirkungen.“ Auch in anderen betroffenen Gemeinden habe sich gezeigt: „Vergrämungen führen meist zu weiteren Splittersiedlungen und zu einer vorzeitigen Geschlechtsreife der Vögel. Lenkende Maßnahmen zu einer Umsiedlung sind schwierig.“

Um eine Strategie für Weilheim zu entwickeln, habe es im Laufes des Jahres zwei Gesprächsrunden mit Vertretern der Regierung von Oberbayern, des Landratsamtes, des Landesverbandes für Vogelschutz, des Landesjagdverbandes und des Bauernverbandes gegeben. Dabei einigte man sich letztlich, im Stadtgebiet „Bereiche zu definieren, wo die Saatkrähen geduldet werden können, und Bereiche, aus denen eine Vergrämung mit gleichzeitigem Versuch einer gezielten Umsiedlung unternommen werden kann“.

Auch Verschmutzungen am Friedhof

Dulden will man die Vögel demzufolge in der Au (der traditionelle Aulauf und gelegentliche Feiern sind dort laut Experten „keine Beeinträchtigung für die Krähen“), im Maibaumpark, im Bereich des Friedhofs sowie südlich des Rathauses am Oberen Graben. In letzterem Gebiet wurden die Vögel heuer noch vergrämt, doch dort werde man sie künftig dulden müssen, erklärte Stork. Eingriffe soll es in diesem Bereich allenfalls noch am Spielplatz an der Augsburger Straße geben. Kritik wegen Verschmutzungen durch die Krähen gebe es auch am Friedhof. „Aber vom Geräuschpegel her stören sie dort am wenigsten“, befand der Rathaus-Mitarbeiter.

Alarmrufe aus dem Lautsprecher

Im Paradeis aber soll es im Frühjahr 2022 erneut Vergrämungsmaßnahmen geben. Die Stadt beantragt jetzt die dafür nötige artenschutzrechtliche Erlaubnis und will ein zweites „bird guard“-Gerät anschaffen, das die Vögel mit Alarmrufen aus dem Lautsprecher vertreiben soll. Die Geräte sollen zwei Wochen lang an zwei Stellen zum Einsatz kommen. Parallel will man versuchen, die Krähen vom Paradeis Richtung Kläranlage/Alt-Ammer zu locken; auch Lockgeräusche sind per „bird guard“ möglich. „Ob es letztlich funktioniert, wissen wir nicht“, so Stork, „es kommt auf den Versuch an“.

Der Bauausschuss hat diese Maßnahmen einstimmig befürwortet und dankte dem Stadtbauamt ausdrücklich, „dass die Zeit genutzt wurde, Lösungen zu erarbeiten“. Die Saatkrähen nicht aus dem ganzen Stadtgebiet vertreiben zu wollen, sei „der richtige Weg“, meinte Horst Martin (SPD). „Grundsätzlich müssen wir mit den Vögeln leben, es geht nur um eine gewisse Steuerung“, pflichtete Brigitte Holeczek (BfW) bei – wenngleich sie verstehe, wenn sich betroffene Bürger aufregen. Man könne nur versuchen, die Krähen „dorthin zu vertreiben, wo nicht so viel Wohnbebauung ist“, fügte CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder hinzu: „Das ist immer ein Kompromiss.“

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