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Begeisternder Auftakt auf der Freilichtbühne neben der großen Hochlandhalle: (v.l.) Burkhard Kosche, Georg Roters und Marina Granchette boten am Sonntag in lockerer Atmosphäre den „Sängerkrieg der Heidehasen“.

Starker Auftakt für „Teatro Coronato“ in Weilheim: „Sängerkrieg“ macht Lust auf mehr

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Überall Corona-Krise, überall Einschränkungen. Aber Weilheim macht das Beste draus: Das „Teatro Coronato“ an der großen Hochlandhalle ist eröffnet – und der Sommer für Kulturfreunde gerettet.

Weilheim – In Blechkisten vor große Bühnen zu rollen, das ist eine Möglichkeit, in Pandemiezeiten doch noch irgendwie Kultur stattfinden zu lassen. Doch Weilheims Stadttheater-Leiter Andreas Arneth hat eine viel hübschere Lösung als Autokonzerte gefunden: Aus Kulissen des letztjährigen „Brandner Kaspar“-Festspiels hat er eine feine, kleine Freilichtbühne in den Hof neben der großen Hochlandhalle gezimmert – und ein formidables Programm herbeigezaubert, das bis 6. September noch 19 Aufführungen sieben verschiedener Musik- und Theaterproduktionen erleben lässt. Welch ein Luxus!

Aber Kultur ist eben kein Luxus. „Wir alle brauchen das jetzt dringend“, sagte Arneth am Sonntag beim Auftakt fürs „Teatro Coronato“. Je rund 40 Besucher genossen den „Sängerkrieg der Heidehasen“, den ein Mini-Ensemble des „Hofspielhauses“ München zweimal in Folge darbot. Lauschig und obendrein gut bewirtet saß man da auf Biergartenstühlen im Gras, wunderbar locker war die Stimmung – und doch alles höchst Coronaschutz-konform: Alle mit Maske (außer am Sitzplatz), alles mit gebotenem Abstand, und damit ja keiner einem in die Quere kommt, werden die Zuschauer nacheinander zum und vom Platz geleitet...

Schon das Drumherum, angefangen mit einladend-atmosphärischen „Teatro“-Kulissen auf dem Vorplatz, ist also ein Ereignis. Und das Auftakt-Stück war auch eins: Dominik Wilgenbus hat den „Sängerkrieg“ – James Krüss’ Klassiker mit Musik von Rolf Wilhelm – als herrlich leichtes und doch nie banales Vergnügen für die ganze Familie inszeniert. Und die drei hochmusikalischen Darsteller haben seine Ideen hinreißend umgesetzt, mit wenigen Hilfsmitteln, aber ganz viel Kreativität, Timing und Witz.

Zu dritt all die schrägen Hasen zu spielen, die zum Sängerwettstreit um die Hand der Karnickelkönigstochter hoppeln, das ist eine reife Leistung. Marina Granchette, Burkhard Kosche und Georg Roters meistern sie so bravourös wie lustvoll. Sie singen und spielen (auch die Instrumente) mit Inbrunst; selbst einen Baum muss einer der drei selbst mimen. Und neben Elfmetergags wie der Feststellung, dass auch ein „Hase Kerkeling“ mal klein angefangen habe, werden Kenner bedient: „Ist das ein Haselitz?“, heißt es, als ein Hasenbild verkehrt herum hängt, in Anspielung auf den Maler Baselitz, der stets Motive auf dem Kopf malt.

Ach, endlich wieder Kultur, seufzt man wohlig nach diesem Auftakt – und freut sich auf ganz viel mehr.

Magnus Reitinger

Die nächsten Abendebeim „Teatro Coronato“ lassen erneut die Sängerin und Schauspielerin Marina Granchette erleben: Am Freitag, 24. Juli, gibt sie mit Sabine Lorenz und Pianist Martin Steinlein die musikalisch-literarische Revue „Großstadtliebe“ und am Samstag, 25. Juli, mit Torsten Frisch und Steinlein die Musical-/Chanson-Gala „Potpourri“ – jeweils um 20.30 Uhr. Info (auch zu allen weiteren Vorstellungen): www.stadttheater-weilheim.de. Karten gibt es nur per E-Mail an info@stadttheater-weilheim.de und unter Tel. 0152-56570359. Bei Regen wird in der Hochlandhalle gespielt. „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ ist übrigens am Freitag, 17. Juli, 14 und 16.30 Uhr, vor der evang. Kirche Tutzing zu sehen (Eintritt frei, Anmeldung: karten@hofspielhaus.de).

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