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Gut zu tun hatte Erik Liebermann (sitzend) bei der Ausstellungseröffnung. Bei den Besuchern war sein Autogramm gefragt. 

„Schneemannzipation“ im Stadtmuseum

Ein Schneemann kommt selten allein

Weilheim - Der Cartoonist Erik Liebermann zeigt im Weilheimer Stadtmuseum „Schneemannzipation“. Zur Ausstellungseröffnung musste er fleißig Autogramme schreiben. 

 Ein „Spitzenhäubchen“ trägt nicht nur das aktuelle Theaterstück, auch die Vernissage von Erik Liebermanns „Schneemannzipation“ bekam eine Gloriole aufgesetzt. Weilheims zweiter Bürgermeister Horst Martin verkündete, der Stadtrat habe der Generalsanierung des Stadtmuseums zugestimmt und versprach, man werde „aus dem Schmuckstück, das wir hier haben, einen Edelstein machen“. Ragnhild Thieler, die als Kulturreferentin ebenso wie im Verein der Museumsfreunde stets für einen Plan zur Herrichtung des Gebäudes getrommelt hatte, kommentierte die frohe Botschaft: „Jetzt brauche ich kein anderes Weihnachtsgeschenk mehr.“ Die übrigen Weilheimer können sich immerhin vom Humor des Zeichners Erik Liebermann beschenken lassen – kostenlos zum Ansehen, in Buchform oder als käufliche Originalgrafik im Stadtmuseum.

Eng ist es diesmal gehängt: Das Foyer scheint ein begehbares Fotoalbum. Doch die Zeichnungen wirken aus sich selber heraus luftig, der Humor darin ist bemerkenswert subtil und leicht. Die Schneemänner erscheinen als wesensverwandte Witzfiguren des Menschen und halten großen und kleinen Betrachtern den Spiegel vor.

Die Parallele reicht bis hin zu den Schneemann-Eltern im Weihnachtsstress, deren kleiner Sohn über den nicht erfüllten Wunsch der „Schneekanone“ zetert. Treffend sind die Sehnsüchte der kalten Gesellen dargestellt: Ein Paar aus Schneemann und Schneefrau fragt nach einer Immobilie mit „Wintergarten“ – und imaginiert ein dauerhaftes Überleben in einer gläsernen Schneekabine. Solche unerwarteten Mann-Frau-Szenen sorgen für Überraschungseffekte, eben für „Schneemannzipation“.

Zwischendrin finden sich unerwartete Schneemann-Schrullen: Einer räkelt sich bei Bodenfrost wohlig auf dem eiskalten Grund, ein anderer ist gewissermaßen der Punk unter den weißen Kugelwesen und entzündet – als „Schande für die ganze Zunft“ – ein Lagerfeuer. Erik Liebermann beweist sich somit nicht nur als Cartoonist, sondern auch als Humorist, der mit Zeichenfeder, Aquarellpinsel und Wortwitz gleich drei Künste auf höchstem Niveau zusammenführt.

Und auch wenn der aus München gebürtige und heute in Steingaden lebende Künstler sagt, dass er nichts Politisches zeichne – „nur den Zeitgeist, den spieße ich manchmal schon auf“ –, so gibt es doch viele Inhalte, die auf den Topos des Klimawandels rekurrieren. Nie belehrend, immer behände humoristisch umspielt taucht das Thema auf. Da fragt ein Liebermannscher „Glupsch“-Mensch einen tropfenden Schneemann herablassend im Werbe-Sprech: „Schwitzt du noch oder taust du schon?“, und ein anderer, lustvoll-witzig blickender Schneemann formuliert gar eine Kontaktanzeige für den einsamen Standkühlschrank: „Zum gemeinsamen Aussitzen der Klimaerwärmung.“

Auch die Menschen stehen nun unter Zeitdruck, erinnerte Thieler: „Am 18. Januar ist der ,Tag des Schneemanns‘, aber die Ausstellung schließt leider schon drei Tage früher.“ Amüsiert griff Museumsleiter Tobias Güthner als Laudator den (Schnee-)Ball auf und wünschte mit schwungvollen Worten viele unterhaltsame Momente mit dem „Leben, Lieben und Leiden“ der Schneemänner.

Andreas Bretting

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