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Wie die 0180/655 3000 helfen kann, darüber sprachen (v.l.) Ralf Gisbert, Maria Majhera, Josef Mederer, Dr. Michael Welschehold und Peter Walter (Herzogsägmühle).

„Krisendienst Psychiatrie“ im Landkreis

Schnelle Hilfe in psychischen Notlagen

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Seit 1. April gibt es im Landkreis den „Krisendienst Psychiatrie“. Er bietet auch Hausbesuche an.

Landkreis – Die 35-Jährige, die große Probleme hat, eine Trennung zu verarbeiten, der Mann, der sich beruflich überfordert fühlt und Depressionen hat, die Ehefrau, die sich Sorgen um ihren an einer beginnenden Psychose leidenden Mann macht: Die Fälle, um die sich der „Krisendienst Psychiatrie“ kümmert, sind vielfältig. Seit 1. April will der Krisendienst auch im Landkreis Weilheim-Schongau und vier weiteren Landkreisen für schnelle Hilfe sorgen. Binnen einer Stunde sollen mobile Helfer im Bedarfsfall bei Menschen in seelischen Krisen sein.

Vorgestellt wurde das neue Angebot für drei der Landkreise – Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Landsberg/Lech – bei einer Pressekonferenz mit dem Bezirkstagspräsidenten von Oberbayern, Josef Mederer, in Weilheim. 0180/655 3000 – so lautet die Rufnummer des „Krisendiensts Psychiatrie“, der täglich von 9 bis 24 Uhr erreichbar ist und bisher schon München und Umland sowie den Südwesten Oberbayerns versorgte. Allein, dass es diese Notrufnummer gibt, sei eine Beruhigung, sagte der Bezirkstagspräsident, als er die „vier Säulen“ des Angebots im Café „VerWeilheim“ präsentierte.

Die erste Säule sei die telefonische Beratung, die von der Leitstelle in München aus erfolgt und in vielen Fällen schon ausreichend sei. Betroffenen kurzfristig einen ambulanten Behandlungstermin zu vermitteln, das ist laut Mederer die zweite Säule. Bei entsprechendem Bedarf komme die dritte Säule zum Tragen: die mobilen Helfer, die Hausbesuche machen. Die vierte Säule ist die stationäre Behandlung in Kliniken. Mederer rief dazu auf, keine Scheu zu haben, das Angebot des Krisendienstes zu nutzen – so, wie man sich auch bei körperlichen Erkrankungen Hilfe hole.

„Alles wird angehört“

Dass es ein wichtiges Anliegen des Krisendienstes ist, Gefahren – im schlimmsten Fall einen Suizid – abzuwenden, darauf wies der ärztliche Leiter der Leitstelle in München, Dr. Michael Welschehold, hin. Laut Statistik komme jeder Dritte mindestens einmal im Leben in eine psychische Notsituation. „Es geht um Zuhören, Beratung und Deeskalation“, umschrieb er die Aufgaben der Telefon-Mitarbeiter. „Alles wird angehört.“ Um in Notlagen zu helfen, werden etwa in Peißenberg und Garmisch-Partenkirchen in den „psychiatrischen Institutsambulanzen“ Termine für Krisendienst-Klienten freigehalten.

Die Hausbesuche des Krisendienstes übernehmen in den Landkreisen Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen von 9 bis 16 Uhr Mitarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes von Herzogsägmühle. Zwischen 16 und 21 sind auch andere qualifizierte Kräfte im Einsatz. Insgesamt sind es in den beiden Landkreisen jeweils etwa 30 Menschen, die sich in Zweierteams auf den Weg zu Notfällen machen. Von 21 bis 24 Uhr ist der „Krisendienst Psychiatrie“ nur telefonisch erreichbar.

Ein Fernziel ist es laut Mederer, die Lücke zur schließen, die es von 24 bis 9 Uhr gibt. Im Notfall könnten sich Menschen in diesen Stunden an Kliniken wenden.

Rund 7,4 Millionen Euro pro Jahr investiert der Bezirk Oberbayern in den Aufbau und Betrieb des Krisendienstes, dessen Angebot Betroffene kostenfrei nutzen können. Der Bezirkstagspräsident hofft auf Zuschüsse vom Freistaat. Er kritisierte, dass sich die Krankenkassen nicht an den Kosten beteiligen, obwohl ihnen der Krisendienst viele Ausgaben erspare.

Dass ihnen der Krisendienst wichtig erscheint, machten bei der Pressekonferenz zwei Betroffene deutlich: Maria Majhera, die mit anderweitiger psychiatrischer Versorgung sehr negative Erfahrungen gesammelt hat, sowie Ralf Gisbert, der als Vater einer psychisch kranken Tochter eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe in Weilheim gründete. Gisberts Erfahrung zeigt, dass eine Institution nötig ist, bei der man schnell Hilfe bekommt.

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