Problemlöser in der Coronavirus-Pandemie? Die Corona-Schnelltests in Deutschland.
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Problemlöser in der Coronavirus-Pandemie? Die Corona-Schnelltests in Deutschland.

BRK hat die Lösung bereits fertig

Gratis-Schnelltest-Chaos: Keiner weiß was

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Seit gestern soll sich jeder, der möchte, einem kostenlosen Corona-Schnelltest unterziehen können. Die Betonung liegt auf „soll“, denn aktuell ist das nirgendwo möglich. Bund und Freistaat streiten, die Leidtragenden sind der Landkreis, Ärzte, Apotheker und das BRK.

Landkreis – Auf dem Parkplatz vor der „St.Ulrich-Apotheke“ in Peißenberg steht ein Wohnwagen als „Corona-Teststation“. Hier bietet Apotheker Philipp Kircher Schnelltests an. Allerdings nicht, wie von der Bundes- und Landespolitik versprochen, kostenlos. Derzeit muss Kircher pro Test 25 Euro kassieren – es sei denn, derjenige, der sich testen lassen möchte, hat in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu Coronakranken gehabt. Wann die „Volkstests“, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn versprochen hat, tatsächlich angeboten werden können, ist unklar.

Denn zentrale Fragen sind noch nicht geklärt, wie es auf Anfrage beim Landratsamt heißt. Bund und Länder zanken sich, wer die Tests beschafft. In Berlin meint man, es reiche, wenn der Bund die Kosten übernimmt. Die Konsequenz: Keiner weiß so richtig Bescheid und die Bevölkerung ist zutiefst frustriert.

Eine junge Mutter aus Weilheim wollte gestern, wie sie der Redaktion berichtet, ihren kleinen Buben testen lassen, weil dieser Kontakt zu einem Corona-Verdachtsfall hatte. Beim Kinderarzt wurde ihr gesagt, dass keine kostenlosen Tests angeboten werden, weil unklar ist, wer die Kosten übernimmt. Das gleiche Bild bot sich auch bei den Apotheken. Keiner weiß was, Tests gibt es, aber nur gegen Barzahlung. Zähneknirschend berappte die junge Mutter dort 45 Euro, um schnell Gewissheit zu haben, dass es ihrem Kind gut geht.

Nur 25 Euro hätte es bei den Schnelltests des BRK gekostet, die nach wie vor an vier Terminen pro Woche in Weilheim angeboten werden, wie Kreisgeschäftsführer Hans Eberl berichtet. „Auch wir können die Tests bislang nicht kostenlos anbieten, weil keiner weiß, wie das abgerechnet werden soll“, berichtet er.

Das BRK hat seinen Schnelltest-Service bereits vor Weihnachten etabliert, als viele auf einen solchen Test angewiesen waren, wenn sie ihre Angehörigen besuchen wollten. Zwischenzeitlich würde in vielen Pflegeheimen ein Schnelltest vor Ort angeboten, so Eberl, Deswegen sei die Zahl der Testungen etwas zurückgegangen. Dennoch sei die Nachfrage nach wie vor da. Seit Ende Dezember führte das BRK so insgesamt rund 2500 Tests durch.

„Wir haben dem Landkreis angeboten, dass wir dieses Angebot massiv ausbauen und so flächendeckend die so genannten ,Volkstests’ anbieten können“, sagte Eberl gestern. Personell zu stemmen seien mit der Unterstützung der Ehrenamtlichen rund 20 Termine an insgesamt sechs Orten pro Woche. Damit könnten weit über 1000 Gratis-Tests vom BRK durchgeführt werden. Man werde täglich Tests im Osten, im Westen und in der Mitte des Landkreises anbieten können. Das würde bedeuten, dass im Bereich Mitte an einem Tag Tests in Weilheim möglich sind, tags darauf dann in Peißenberg, dann wieder in Weilheim. Ähnlich könnte die Sache in Schongau/Peiting und Penzberg/Sindelsdorf laufen. Auch die Infrastruktur zur Terminvergabe existiert beim BRK bereits: Auf der Internetseite https://bit.ly/3v2buqp kann man sich einen freien Test-Termin aussuchen und reservieren. Es könnte also theoretisch jetzt schnell losgehen.

Wenn, ja wenn irgendeiner wüsste, was Berlin und München nun konkret geplant haben. Doch das wisse niemand, sagte Landrätin Andrea Jochner-Weiß gestern auf Anfrage der Heimatzeitung. „Da haben wir einmal einen fantastisch ausgearbeiteten Plan des BRK, der alle Fragen klären würde“, sagt sie. Und dann könne sie BRK-Chef Eberl kein grünes Licht geben, am Mittwoch mit den kostenlosen Testungen loszulegen, weil beim Freistaat nichts entschieden sei. So weiß Eberl nicht, ob der Bund die Tests beschafft oder das Land, ob der Landkreis die bestellen muss oder er auf die bisherigen Lieferanten des BRK zurückgreift. Unklar ist, ob und in welcher Höhe die entstehenden Sach- und Personalkosten übernommen werden.

Nach wie vor steht auch im Raum, dass überhaupt keine Träger wie das BRK die Testungen übernehmen, sondern die Hausärzte und Apotheken das übernehmen und direkt abrechnen. Es weiß einfach niemand, wie es laufen soll. „So langsam kann ich überhaupt nicht mehr schlafen“, seufzte denn auch die Landrätin.

Es bestätigt sich der Eindruck der vergangenen Monate: In Berlin und München werden vollmundige Versprechungen gemacht, die Organisation und Umsetzung wird anschließend den Landkreisen aufs Auge gedrückt, die am Ende auch noch monatelang auf die Erstattung ihrer Kosten warten müssen (wir berichteten).

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