Technik in den Schulen wird immer wichtiger. Nicht nur in Pandemiezeiten.
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Technik in den Schulen wird immer wichtiger. Nicht nur in Pandemiezeiten.

Situation vor einigen Jahren untragbar

Schul-IT: Teure, aber gute Lösung

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Einigen Weitblick bewies der Landkreis Weilheim-Schongau, als er bereits 2017 mit der Planung eines IT-Konzepts für die Schulen in seiner Trägerschaft begann. Das ist zwar teuer, zahlte sich jetzt in Pandemiezeiten aber aus.

Landkreis – Die Situation vor einigen Jahren war – vorsichtig formuliert – untragbar. In jeder Schule stand andere Hardware, die zumeist nebenbei von einem der Lehrer betreut wurde. Ging der an eine andere Schule oder in den Ruhestand, herrschte meistens Schweigen im Lehrerzimmer, wenn gefragt wurde, wer sich denn mit Linux auskennt und die Aufgabe übernehmen möchte...

Mittlerweile sei bereits viel erreicht und umgesetzt worden, sagte die Zuständige beim Landratsamt, Kathrin Horn, im Rahmen der gemeinsamen Sitzung von Kreis- und Schulausschuss. So habe man sich auf einheitliche Hardware für alle Schulen verständigt und damit technische Standards für jedes Klassenzimmer festgelegt. Auch Rahmenverträge wurden ausgeschrieben und abgeschlossen, weil der gemeinsame Einkauf einheitlicher Geräte in der Regel bessere Preise erzielt und man sich dann oftmals die Ausschreibung sparen kann.

„Schulen sind sehr zufrieden mit der Lösung“

Der größte Kostenpunkt war aber die Beauftragung von drei Firmen, die seit 2019 die Betreuung der Schul-IT übernommen haben. Die IT des Landratsamtes kümmert sich nur noch um die Netzwerke und die WLANs in den Schulen. Alles andere – Aufbau und Installation der Hard- und Software, Hilfe im Fall, dass Probleme auftreten – übernahmen die Firmen. Jeweils eine von ihnen ist für den Raum Weilheim, Schongau und Penzberg zuständig.

„Die Schulen sind sehr zufrieden mit dieser Lösung“, sagte Horn weiter im Ausschuss. Mittlerweile werde die Betreuung immer stärker nachgefragt – „das braucht eine Zeit, bis es sich etabliert hat und angenommen wird“. Bei Problemen würden die Berater per Fernwartung auf die Rechner zugreifen oder vor Ort Hand anlegen.

Also alles in Butter? „Natürlich gibt es auch Schwierigkeiten“, so die Zuständige vom Landratsamt weiter. So sei der Informationsfluss schwierig, wenn so viele unterschiedliche Partner zusammenarbeiten. Die Firmen mussten auch umdenken. Normalerweise hätten sie ihre eigenen Anbieter von Hard- und Software gehabt, nun mussten sie sich in die Einheitstechnik einarbeiten.

Mittlerweile laufe aber alles glatt, meinte Horn. Deswegen wolle man die Testphase gern verlängern. Ursprünglich waren die Leistungen auf vier Jahre ausgeschrieben worden, im Rahmen einer Testphase hatte man die Aufträge an die Firmen allerdings nur für zwei Jahre vergeben. Diese Frist würde Ende August 2021 enden. Horn plädierte dafür, den Firmen für zwei weitere Jahre den Zuschlag zu geben.

Gründung eines Tochterunternehmens des Landkreises soll geprüft werden

In dieser Zeit soll geklärt werden, wie die Betreuung der Schul-IT in Zukunft organisiert werden soll. Dass sich die IT-Abteilung des Landratsamtes um die Rechnertechnik in allen Schulen in Trägerschaft des Landkreises kümmert, sei personell nicht zu leisten.

Geprüft werden solle aber weiterhin die Gründung eines Tochterunternehmens des Landkreises, dass nicht nur die Betreuung der Schulen übernehmen soll, sondern sich auch um die Technik der Krankenhäuser und bei Bedarf auch um die in den Rathäusern der Städte und Gemeinden im Landkreis kümmern soll, wenn diese dies wünschen (und bezahlen). Hier müssten aber noch juristische Prüfungen stattfinden, so Kathrin Horn. Zudem muss man schauen, ob dieses Modell unterm Strich kostengünstiger wäre.

Denn die Betreuung der Schul-IT durch die Fremdfirmen funktioniert zwar offensichtlich sehr gut, kostet den Landkreis allerdings auch Jahr für Jahr eine ganze Stange Geld. Mit rund 430 000 Euro pro Jahr bezifferte Horn die Kosten, die dem Landkreis entstehen.

Die Summe schreckte die Kreisräte nicht, Klaus Gast (CSU/Weilheim) meinte, „so umfangreich, wie das Aufgabenspektrum mittlerweile ist, kann man das heute nicht mehr nebenbei erledigen. Die einheitliche Betreuung ist der richtige Weg. Und wenn das die private Wirtschaft leisten kann, soll sie das auch tun.“

Das sah Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) ganz anders. Er forderte, dass die Gründung eines „Kreisrechenzentrums“ nicht aus den Augen verloren werden solle. „Das muss geprüft werden“, sagte er.

Einigkeit im Ausschuss herrschte derweil in der Frage, dass der Freistaat Bayern sich in Zukunft an diesen Kosten beteiligen müsse. „Bei der Nachkostenbetreuung macht sich der Freistaat derzeit einen schlanken Fuß“, räumte der stellvertretende Kreiskämmerer Matthias Brugger ein. Im Sommer solle das allerdings noch einmal diskutiert werden. Daher stimmten am Ende beide Ausschüsse für eine Vertragsverlängerung.

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