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Schulstrom aus der Turnhallen-Fassade

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Von: Sebastian Tauchnitz, Katrin Kleinschmidt

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Als Beispiel wurde die Kopenhagen International School mit ihrer Solarfassade genannt. Ob allerdings genau diese Variante mit verstellbaren Solarpanels zum Einsatz kommt, ist zumindest zweifelhaft.
Als Beispiel wurde die Kopenhagen International School mit ihrer Solarfassade genannt. Ob allerdings genau diese Variante mit verstellbaren Solarpanels zum Einsatz kommt, ist zumindest zweifelhaft. © ADAM MOERK/C.F. MØLLER ARCHITECTS

Der Kreistag könnte am Freitag bei seiner nächsten Sitzung die dritte Fassadenvariante binnen weniger Monate für die neue Turnhalle am Weilheimer Gymnasium beschließen. Kreis- und Umweltausschuss machten gestern schon mal den Weg frei für die Solarfassade.

Landkreis – Es war der Tag der Brigitte Gronau (Grüne/Weilheim). Sie war extra als Zuschauerin zur gemeinsamen Sitzung von Kreis- und Schulausschuss nach Peißenberg gekommen, um dabei zu sein, wenn noch einmal über das Thema „Solarfassade“ an der neuen Turnhalle des Gymnasiums gesprochen wird.

Anfang Oktober, als der Kreistag nach monatelanger Prüfung und nervenzehrenden Debatten beschlossen hatte, dass die Fassade mit Holz statt mit Betonfaserplatten verkleidet werden soll, war sie noch von der Verwaltung attackiert worden, weil sie vorgeschlagen hatte, dass man doch auch mal prüfen könnte, ob so eine Solarfassade an der Ostseite nicht vielleicht die bessere Idee wäre.

Fähiger Verwaltungsmitarbeiter rechnete noch einmal genau nach

„Wir können nicht in der Phase, in der wir jetzt sind, nochmal in die Planung einsteigen“, hatte Kreiskämmerer Norbert Merk damals geschimpft. Man solle nicht jetzt noch einen fahrenden Zug an der letzten Weiche entgleisen lassen, jede Umplanung bringe eine weitere Zeitverzögerung und zusätzliche Kosten mit sich.

Nun begab es sich aber, dass, nachdem sich auch der Weilheimer Agenda 21-Arbeitskreis für die Sache stark gemacht hatte, dass der Leiter der Bau- und Liegenschaftsverwaltung des Landkreises, Florian Steinbach, sich doch noch einmal genauer mit dem Thema „Solarfassade“ beschäftigte.

Und dabei, wie er gestern im Ausschuss berichtete, durchaus auf interessante Informationen stieß. Rund 370 000 Euro mehr als die jüngst beschlossene Holzfassade würde es kosten, eine PV-Anlage an der Fassade zu installieren. 16 000 Euro pro Jahr ließen sich durch Eigenverbrauch und Einspeisung der erzeugten Energie erzielen, rechnete er weiter vor. Mit anderen Worten: Rund 23 Jahre würde es dauern, bis sich die Investition amortisieren würde.

Fassade rechnet sich nach fünfeinhalb Jahren und verdient danach bares Geld

Wenn, ja wenn da nicht die Förderrichtlinien wären. Bislang wurde der Turnhallenneubau nach dem KfW-Standard 40 geplant. Wenn nun aber eine Solarfassade installiert würde, erfülle das Gebäude die Kriterien des KfW-Standards 50 – und würde in den Genuss einer deutlich höheren Förderung kommen. Rund 280 000 Euro mehr würde der Fördermittelgeber dann lockermachen, erklärte Steinbach.

Am Ende müssen also nur noch 90 000 Euro zusätzlich aus dem Kreishaushalt aufgebracht werden. Und dieser Betrag bedeute, dass man schon nach fünfeinhalb Jahren schwarze Zahlen schreiben würde – vom ökologischen Aspekt, dass man nicht nur seinen eigenen Strom umweltfreundlich erzeugen würde und in Zeiten, in denen die Schule nicht genutzt werde, ins Netz einspeisen würde, mal ganz abgesehen.

Steinbach zerstreute durch verschiedene Beispielfotos, die er an die Wand projizierte, auch die Bedenken, dass die neue Fassade nun eine triste schwarze Spiegelfassade werde. Die PV-Platten ließen sich in allen möglichen Farben bestellen, meinte er. Und die Architekten seien ebenfalls sehr angetan von dem Vorschlag.

Kreisräte begeistert von neuer Entwicklung der Dinge

Das stieß im Ausschuss erwartungsgemäß auf großen Beifall. „Unter diesen Rahmenbedingungen kann man eigentlich nur zustimmen“, sagte Peter Ostenrieder (CSU/Peiting). Klaus Gast (CSU/Weilheim) ging sogar noch weiter und wollte wissen, warum man so etwas nicht gleich prüfen könne. Da kassierte er aber eine Abfuhr von Florian Steinbach: Die Verwaltung plane möglichst wirtschaftlich. Und die ursprüngliche Fassade aus Betonfaserplatten sei nun mal die „wirtschaftlichste“ Lösung gewesen. Schon die zwischenzeitlich beschlossene Holzfassade wäre rund 300 000 Euro teurer geworden, die jetzt favorisierte PV-Fassade koste noch einmal 370 000 Euro mehr. Dennoch, regte Kreisrätin Manuela Vanni (Unabhängige/Peißenberg) an, „sollte man sich bei künftigen Vorhaben an diese Variante erinnern“. Auch Markus Kunzendorf (ÖDP/Oberhausen) war voll des Lobes: „Schaut super aus und rechnet sich nach fünf Jahren – da kann es keine zweite Meinung geben“.

Kein Gehör für vorgeschlagenen Strom-Speicher

Brigitte Gronau kam ebenfalls noch zu Wort. Und man konnte fast ein wenig traurig werden, dass die Solarfassade noch nicht montiert ist. Ansonsten hätte das Strahlen der Kreisrätin in diesem Moment für mindestens einen Tag Strom produziert: „Dank und Lob für Herrn Steinbach, dass er das Thema nicht einfach zu den Akten gelegt, sondern weiterverfolgt hat“, sagte sie. Die Fakten sprächen für sich.

Das sahen auch die Mitglieder des Kreis- und des Schulausschusses so. Jeweils einstimmig empfahlen sie dem Kreistag, am Freitag die Umplanung und Errichtung einer Solarfassade zu beauftragen. Der Vorschlag von Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim), auch gleich noch einen Speicher für den erzeugten, aber in diesem Moment nicht benötigten Sonnenstrom zu errichten, fand indes kein Gehör.

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