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Langjährige und verdiente Mitglieder wurden geehrt: (vorne von links)  Johann Heilbock,   Michael Schauer, Dr. Giselher Propach, Heinz Botsch, (hinten von links)  Vizelandrat Karl-Heinz Grehl (Gast), Joseph Wurm, Reinhold Schuhmacher, Jochen Botsch und Weilheims zweiter Bürgermeister Horst Martin. 

„Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos“ feierte 20-Jähriges

Seit zwei Jahrzehnten zurück zur Natur

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Als die „Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos“ vor 20 Jahren gegründet wurde, hatte sie 15 Mitglieder, heute hat sie 74. Damals gab es im Moos 60 Vogelarten, heute sind es 180. Die Schutzgemeinschaft hat viel erreicht, doch ihr großes Ziel, das  Aus für den Torfabbau, liegt in weiter Ferne.

Weilheim – Hier die Belange des kommerziellen Torfabbaus, dort die des Naturschutzes. In diesem Spannungsfeld befindet sich die „Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos“ (SGW) seit ihrer Gründung im Jahr 1997. Damals taten sich Vertreter der Naturfreunde, des Bund Naturschutzes und des Landesbundes für Vogelschutz zusammen, um diese einmalige Landschaft im Westen der Stadt zu bewahren, zu pflegen und zu entwickeln – und damit vor weiterer Zerstörung zu schützen. Untrennbar mit dieser Aufgabe verbunden ist, wie Dr. Reinhold Schumacher, der Vorsitzende der SGW bei der Festveranstaltung zum 20-Jährigen im Saal des „Oberbräu“ sagte, ein Mann: Heinz Botsch, der auch lange Jahre Vorsitzender war.

Im „Weilheimer Moos“, das zum nacheiszeitlichen Verlandungsgebiet des Ammersees gehört, wurden schon vor über 200 Jahren die ersten Drainagegräben gezogen, um Torf abbauen zu könne, so Schumacher. Die ausgebeuteten Flächen wurden als Acker und Grünland oder als Streuwiesen genutzt, ein Teil wurde sich selbst überlassen. So entstand ein vielfältiges Mosaik. In den 1960er Jahren begann dann aber ein großflächiger Frästorfabbau für den Gartenbau.

1982 zog die Stadt die Notbremse und stellte einen Bebauungsplan auf. Im „Schwattachfilz“, dem Abbaugebiet B, musste der Torfabbau 1990 eingestellt werden. Ein Pflege- und Sanierungskonzept wurde erstellt, die Renaturierung konnte beginnen. Zumindest auf den Flächen, die die Stadt und die SGW ankaufen konnten.

Mit viel persönlichem Einsatz und in Absprache mit Behörden setzten Mitglieder der SGW das Konzept um. Graben, Weiher anlegen, Streuwiesen mähen, Neophyten wie Springkraut und Goldrute entfernen – nur mit aufwändiger Handarbeit und mit Unterstützung durch weitere Ehrenamtliche war – und ist – das alles zu erledigen. Dass sich die Arbeit lohnt, zeigte Schumacher anhand von Fotos von seltenen Pflanzen und Tieren, die dort nun wieder heimisch sind. Allein 180 Vogelarten gibt es dort. Das „Schwattachfilz“ wurde inzwischen als Vogelschutzgebiet der EU ausgewiesen.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere glänzt weniger, denn für das Abbaugebiet A „wurde kein Ende des Torfabbaus festgelegt“, wie Schumacher bedauerte. Zwei Firmen seien dort immer noch am Werk.

Wie Cornelia Siuda, Diplom-Ingenieurin Landschaftsökologie, in ihrem Festvortrag über Moorrenaturierung sagte, tragen intakte Moore viel zum Klimaschutz bei, da sie Kohlendioxid binden. Sie nannte mehrere Beispiele für gelungene Moorrenaturierungen im Landkreis, darunter das Schechen-Filz bei Seeshaupt, das Kläperfilz bei Wildsteig und das Bernrieder Filz. Sie machte sich auch für die weitere Renaturierung des Weilheimer Mooses stark. „Es bedarf der Planung und der Kooperation aller Beteiligten“, sagte sie. Die Torfabbauer könnten ihr Auskommen ja auch als Moosrenaturierer finden, stellte sie fest. Beispiele dafür gebe es.

Exkursion

Am Samstag, 27. Mai, bietet die „SGW eine naturkundliche Exkursion mit dem Rad ins Weilheimer Moos an. Treffpunkt: 14 Uhr an der Stadthalle. Internet:

www.weilheimer-moos.de

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