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Bei einer Schwangerschaft zur Stelle: (v.l.) das Sozialpädagogen-Team Petra Regauer, Ronald Weber, Susanne Nabholz, Nina Striegler und der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Karl Breu. 

schwangerenberatung des Gesundheitsamts

„Es heißt immer: alles ganz easy“

Weilheim - Bei Fragen rund um die Schwangerschaft und Geburt werden Fauen nicht allein gelassen. Die Beratungsstelle  des Gesundheitsamts weiß Rat.

Wird eine Frau schwanger, kann sie Freude und Glück empfinden. Die Schwangerschaft kann aber auch Sorge und Angst hervorrufen, wissen die Mitglieder der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen am Gesundheitsamt Weilheim-Schongau. Die Sozialpädagogen beraten sowohl Frauen und Paare, die das Baby haben wollen als auch Frauen, die eine Schwangerschaft abgebrochen haben oder es in Erwägung ziehen. Als Grund für diese Überlegung gaben die meisten Frauen im vergangenen Jahr psychische und physische Überforderung oder auch Angst vor der Verantwortung an. Drei Frauen sagten, ihr soziales Umfeld oder die Familie setzt sie unter Druck.

Vergangenes Jahr kamen insgesamt 369 Ratsuchende in die Beratungsstelle – im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von vier Prozent. Die Beratungsstelle führt das auf den personellen Engpass der Beratungsstelle „Donum Vitae“ in Weilheim zurück. Die Beratungen seien 2015 ohnehin besonders intensiv und aufwendig gewesen, berichtete Leiterin Petra Regauer. Denn auch Asylbewerberinnen würden inzwischen bei der Stelle Rat suchen. „Und die sprachliche Barriere verstärkt den Aufwand enorm“, sagte Dr. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamts. Der Wunsch nach einer zusätzlichen Verwaltungskraft habe mittlerweile aber gefruchtet – „Die Stelle wird jedoch nicht von der Regierung, sondern vom Landratsamt bezahlt“, fügte Regauer hinzu.

Regauer und Susanne Nabholz sind unter anderem für die Konfliktberatung zuständig – wenn es zum Beispiel um den Schwangerschaftsabbruch geht. 27 Prozent der Patientinnen haben im vergangenen Jahr diese Art der Beratung in Anspruch genommen. ,„Der Abbruch einer Schwangerschaft ist nach einem Gespräch mit uns bis zur zwölften Woche erlaubt, danach bis auf Einzelfälle nicht mehr“, erklärte Regauer den rechtlichen Hintergrund. Sie machte außerdem deutlich, dass Frauen vor allem nach einem Abbruch unter einer psychischen Belastung litten. „Es heißt immer: alles ganz easy. Aber die meisten Frauen schleppen das ein Leben lang mit sich herum.“ In solchen Fällen kann die Beratungsstelle auch noch einige Zeit später externes Personal wie die Psychotherapeutin Pia Schreiber hinzurrufen – die Behandlungskosten werden von der Beratungsstelle übernommen.

Auch finanzielle Aspekte gehören zu den Hürden, die Schwangere und ihre Partner bewältigen müssen. „Inzwischen gibt es aber derart viele Leistungen, dass keiner mehr durchblickt“, sagte Ronald Weber, der sich mit den Formalien auskennt. Da sich im Internet zu manchen Fragen zu viele Antworten finden ließen, von denen man teils nicht einmal wisse, wie aktuell sie sind, erstellte die Beratungsstelle eine Liste. Sie bietet eine Übersicht mit den Leistungen, die eine schwangere Frau beziehungsweise die Eltern in Anspruch nehmen können.

Für sexualpädagogische Arbeit sind Nina Striegler und Christina Huber die Ansprechpartnerinnen. Mit einem „Methodenkoffer“, der von anderen Institutionen geliehen werden kann, klären sie in Schulen Jungen und Mädchen über Themen wie Pubertät, Liebe, Hygiene und Schutz auf. „Es kommt immer wieder vor, dass Frauen wegen einer Kondompanne schwanger werden“, sagte Striegler.

Inzwischen ist die Beratungsstelle eng mit der Koordinierten Kinderschutzstelle (KoKi) in Weilheim verknüpft. Im Herbst plant das Team ein „KoKi-Netzwerktreffen“ zum Thema „Fetale Alkoholspektrumsstörungen (FAS) – eine vor der Geburt entstandene Schädigung des Kindes durch Alkoholgenuss der schwangeren Mutter, denn auch das sei immer wieder ein Thema, so Regauer.

Info

Erreichbar ist das Beratungsteam unter der Nummer 0881/681 1600 oder per E-Mail an schwangerenberatung@lra-wm.bayern.de. Die Beratung ist kostenfrei.

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