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Mit 80 Jahren ist für Helga Schuhmann als Schwimmtrainerin beim Post SV noch lange nicht Schluss. 

Trainerin Helga Schuhmann (80) vom Post SV Weilheim

Das Schwimmbad ist ihre zweite Heimat

Helga Schuhmann ist Schwimmtrainerin und Abteilungsleiterin beim Post SV Weilheim. Mehrere Generationen hat sie trainiert. Vor kurzem ist sie 80 Jahre alt geworden, doch ein Ende ihrer Zeit am Beckenrand ist noch nicht in Sicht.

Weilheim –Kinder springen vom Beckenrand, zwei Mädchen halten sich die Nase zu und hüpfen gemeinsam ins kalte Nass. Die Mutigen trauen sich auf den Sprungturm und zeigen waghalsige Sprünge. Plötzlich ertönt ein schriller Pfiff. Alles ist still, und sofort herrscht Ordnung. Das Schwimmtraining beginnt – unter der Leitung von Helga Schuhmann.

„Das Schwimmbad ist meine zweite Heimat. Ich mache die Tür auf, und alles Negative bleibt draußen“, sagt Schuhmann. Sie ist Schwimmtrainerin und Abteilungsleiterin beim Post SV Weilheim. Das sind ihre offiziellen Titel, doch dahinter steckt viel mehr. Die Schwimmer schätzen die Atmosphäre, die Schuhmann beim Post SV aufgebaut hat. „Wir sind hier wie eine große Familie“, sagt sie selbst.

Geboren wurde sie in Halle an der Saale. Sie verbrachte einige Jahre bei ihrer Oma in der DDR, ehe sie mit fast elf Jahren nach Oberbayern kam. „Anfangs habe ich hier niemanden verstanden“, erzählt sie. Schwimmen hat sie erst in ihrer neuen Heimat gelernt – in einer Kiesgrube.

Vor allem ihre vier Kinder seien wasserverrückt gewesen, erzählt die 80-Jährige. So verbrachte die Familie Schuhmann viel Zeit am Dietlhofer See. Später schlossen sich mehrere Familien zusammen und brachen nach Dießen auf, wo sie im Schwimmbecken des Augustinums ihre Bahnen zogen. Während die Erwachsenen schwammen, standen die Kinder nur am Beckenrand. Schuhmann holte die Kleinen dazu und machte mit ihnen Spiele – der Beginn einer mittlerweile rund 50-jährigen Trainerkarriere.

Danach ging alles ganz schnell. Schuhmann machte eine Übungsleiterausbildung im Breitensport. Die Schwimmabteilung im Post SV wurde gegründet, und 1972 eröffnete das Hallenbad in der Kreisstadt. „Ich wollte nicht auf vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen“, begründet Schuhmann ihren Fokus auf das Schwimmen. Obwohl sie nach eigener Aussage vom Schwimmen „keine Ahnung“ habe. „Anfangs habe ich mir Fachbücher aus der DDR schicken lassen“, erzählt die Huglfingerin. Heute bleibe sie durch Fortbildungen und Lehrgänge auf dem aktuellen Stand des Trainings. Die jugendlichen Leistungsschwimmer trainiert sie nicht mehr, dafür die Kinder der Jahrgänge 2007/08. Mittlerweile gingen mehrere Generationen durch die Schule Schuhmanns, die eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hat. Kinder ehemaliger Schüler zählen heute zum Trainerteam.

Vor kurzem wurde Schuhmann 80 Jahre alt. Als Geschenk gab es von ihren Schülern eine große Collage in einem goldenen Bilderrahmen mit Bilder aus unterschiedlichen Jahrzehnten. Darunter auch aus ihrer Zeit als Schwimmtrainerin am Gymnasium. Außenrum klebten Herzen und die beteiligten Kinder, Jugendliche und auch Mütter hatten unterschrieben. „Das habe ich nicht erwartet“, sagt sie. Es sei einer dieser Momente gewesen, in dem man mehr zurückbekomme, als man den Kindern gegeben habe. „Wenn ich sehe, wie die Kinder etwas wieder und wieder üben und schließlich ein Strahlen im Gesicht haben, wenn es dann klappt, ist das genug Belohnung für all die investierte Zeit“, so die 80-Jährige.

Montags und mittwochs steht sie beim Training rund drei Stunden am Beckenrand. Etliche Stunden der Vorbereitung hat sie dann schon hinter sich. „Ein ganzes Leben unter jungen Leuten“ sei zudem ihr Jungbrunnen, sagt sie. Doch gibt es mehr als Schwimmen: Um Abzuschalten, spielt Schuhmann Volleyball. „Das mache ich für mich“, sagt sie.

Über ihren Abschied hat sie sich schon Gedanken gemacht und ist beruhigt, ein kompetentes Trainerteam um sich zu haben. „Mir macht es Spaß“, sagt Schuhmann. Erst wenn die Kinder anfangen zu fragen: ,Was will die Olle?’ ist es vorbei.“ Doch das ist noch kein Thema.

Phillip Plesch

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