Land in Sicht: Die „Thor Heyderdahl“ steuert auf die Kanarischen Inseln zu.
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Land in Sicht: Die „Thor Heyderdahl“ steuert auf die Kanarischen Inseln zu.

Klassenzimmer unter Segeln

Drei Wochen Teneriffa: Seglerin Magdalena genießt den Landgang

Es ist ein Abenteuer, auf dem sich eine 16-jährige Weilheimerin befindet. Magdalena ist im Zuge des Projekts „Klassenzimmer unter Segeln“ von Oktober bis April auf einem Boot unterwegs, mit 33 anderen Zehntklässlern sowie Lehrern und der Schiffsbesatzung. Über aufregende Wochen berichtet sie in dieser Folge der Serie.

Weilheim – Kurz nach dem Start zwangen starke Winde die Crew der „Thor Heyerdahl“ zum Pausieren, zwölf Tage lang stand das 50 Meter lange Segelschiff im Hafen von Helgoland. Verlorene Zeit war das nicht – die Schüler lernten viel über das Segeln und die Umgebung. Dann ging es weiter in Richtung der kanarischen Inseln. Fast alle Crewmitglieder mussten dabei zwischenzeitlich die Seekrankheit kennenlernen. Prägend aber dürften andere Erfahrungen sein – das enge Zusammenleben auf dem Boot, die Gemeinschaft. Und die vielen Erlebnisse: Die Jugendlichen sahen Delfine und Wale, durften im Atlantik schwimmen und erlebten die Übung einer Seenotrettung hautnah mit. Mittendrin: die 16-jährige Magdalena aus Weilheim. Sie nimmt am Projekt „Klassenzimmer unter Segeln“ teil. Ende November erreichte sie mit der „Thor Heyerdahl“ und 33 weiteren Zehntklässlern den Hafen in Santa Cruz de la Palma. Die Zeit auf den kanarischen Inseln schilderte Magdalena in einem Bericht an die Heimatzeitung:

„Wir erlebten hier drei Wochen lang schönste Natur mit wunderbarer Wärme – jeweils etwa eine Woche auf La Palma, La Gomera und Teneriffa. Wir waren in vier Kleingruppen an vier unterschiedlichen Stationen teilweise mit Zelt unterwegs.

Herrliche Natur, lustige Aufgaben

Auf La Palma war eine Station in Puntesgorden im Norden der Insel. Von dort aus haben wir eine Tageswanderung nach Las Tricias unternommen, wo wir eine Gofio-Mühle besichtigt haben, eine weitere Tageswanderung ging in die Caldera de Taburiente. Die Landschaft war einfach atemberaubend und unbeschreiblich schön. Im Süden der Insel stand dann in Puerto Naos die Besichtigung einer Bananenplantage auf dem Programm.

Auf La Gomera haben wir für drei Tage auf einem traditionell geführten landwirtschaftlichen Hof, einer Finka, mitgearbeitet. Das Konzept dort ist ,Arbeit gegen Schlafplatz‘, auch für Leute mit wenig Geld. Es war toll dort mitzuarbeiten und den Alltag kennenzulernen. Das Beste war: Wir haben Palmen gehäckselt, die dann in Kleinteilen aus der Maschine geschossen kamen. So ein Spaß! In einem Garten haben wir mit Buschmessern Palmen für Bohnengestänge geschlagen und reife Orangen geerntet. Danach sind wir ans Meer gelaufen, das nicht weit entfernt war. Herrlich! Die Natur war wunderschön mit Bergen, Palmen, Felsen, Steinmauern und Terrassen, die zur Finca gehörten. Von dem Hof aus hatten wir einen wunderschönen Blick auf das Meer, wir hatten dort also einen traumhaften Arbeitsplatz bei milden Temperaturen, während in Weilheim die Schneeflocken fielen.

Spannender Unterricht

Die anderen drei Tage haben wir Ausflüge in die Umgebung gemacht und von Experten etwas über die invasiven (das heißt eingewanderten) und endemischen (die einheimischen) Arten auf den Kanaren gelernt. Bei einer Strandwanderung haben wir außerdem mehr über die Ozeanografie, die Meereskunde, erfahren. Das Wetter war wechselhaft.

Segelt durch die Welt: die Weilheimerin Magdalena (16).

Wir hatten für den Aufenthalt Beobachtungsaufgaben bekommen, so etwas wie: Wie sieht die Vegetation aus? Wie wird Energie auf den Kanaren gewonnen? Das gehörte zu unserem Unterricht, der hier ganz anders ist als in der Schule. Es war ziemlich spannend, sich zum Beispiel in der Natur die verschiedenen Vegetationszonen anzuschauen. Und es war interessant, Bananenstauden, Avocados, Orangen- und Zitronenbäume unter die Lupe zu nehmen – all diese Früchte eben, die man normalerweise nur so im Vorbeigehen im Supermarkt sieht. Wir alle bereiteten Vorträge vor, meine Mitschüler sprachen zum Beispiel über ,Vulkanarten‘ und „Migration auf den Kanaren“, ich über ,Wolken‘.

Privilegiert in Coronazeiten

Die letzte Woche verbrachten wir in einem Häuschen auf Teneriffa in der Nähe von Puerto de la Cruz in Quarantäne. Hier war es trockener als auf den anderen beiden Inseln. Wir hatten Unterricht, bei dem wir unter anderem unsere Beobachtungen von unterwegs besprochen haben. Am 14. Dezember haben wir unsere erste Deutsch-Schulaufgabe geschrieben. Daneben gab es Zeit zum Tennis- und Tischtennisspielen und zum Baden im Pool.

Dann war wieder Leben auf dem Boot angesagt. Das Lernen unter Segeln ist bei warmen Temperaturen prima, man kann sich in kurzen Hosen die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Und ich finde es angenehm, mit 50 Personen an Bord zu sein, ein Privileg in Coronazeiten!“

Online-Blog
Über die Fahrt der „Thor Heyderdahl“ wird in einem Blog berichtet. Er ist im Internet unter der Adresse kus-projekt.de zu finden.

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