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Susanne Barnsteiner-Bosch ist Inhaberin der „Lesbar“.

Auszeichnung für Weilheimer Buchhandlung

Sekt auf dem Sofa statt Festakt in Berlin

Die Weilheimer Buchhandlung „Lesbar“ wurde als „Hervorragende Buchhandlung“ ausgezeichnet. Und das bereits zum zweiten Mal. Die Preisverleihung erfolgte online.

  • „Lesbar“ wurde erneut als „Hervorragende Buchhandlung“ ausgezeichnet
  • Normalerweise gibt es dabei einen Festakt in Berlin
  • Wegen Corona fand die Preisverleihung online statt

Weilheim – Ende August, Anfang September fällt die Jury üblicherweise ihre Entscheidung. Da hat das Team der Buchhandlung „Lesbar“ jeden Morgen mit besonderer Spannung in den Mail-Eingang geschaut. Allein – es kam nichts an. „Irgendwann haben wir dann schon gar nicht mehr mit einer Nachricht gerechnet“, erzählt Inhaberin Susanne Barnsteiner-Bosch. Umso freudiger wurden sie und ihre fünf Mitarbeiterinnen schließlich Ende Oktober von der Mitteilung überrascht, nach 2016 nun wieder als „Hervorragende Buchhandlung“ ausgezeichnet zu werden. Die Mail der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, war allerdings „so verschwurbelt formuliert“, dass Barnsteiner-Bosch sie gleich zweimal lesen musste, um zu ergründen, ob die „Lesbar“ denn nun geehrt wurde.

Bewerben für die Auszeichnung können sich Buchhandlungen deutschlandweit, indem sie umfangreiche Materialien einreichen. Das grundsätzliche Geschäftsmodell, besondere Konzepte, insbesondere aber die im Haus stattfindenden Veranstaltungen rund um das Thema „Buch“ interessieren die Jury. Diese ist jedes Jahr anders zusammengesetzt; Verleger und Journalisten sind dort vertreten, Autoren nicht.

„Die Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen ist ein riesiger Aufwand“, berichtet Barnsteiner-Bosch. Doch nach der ersten Auszeichnung 2016 konnte sie erleben, dass sich die Mühe lohnt. „Wir bekamen unglaublich viel Resonanz. Kunden haben gemailt, angerufen oder sind zum Gratulieren vorbeigekommen.“

Ob solch ein Preis nicht nur die Stammkunden begeistert, sondern auch neue Kunden gewinnt, kann die Buchhändlerin nicht einschätzen. „Unser Einzugsgebiet reicht ohnehin von München über Augsburg bis nach Füssen“, erzählt sie. „Ob da jemand durch die Berichterstattung über den Preis neu auf uns aufmerksam wird, lässt sich schwer sagen.“ Insbesondere die Veranstaltungen, allen voran die Autorenlesungen, haben den Ruf der „Lesbar“ über die Region hinaus begründet. Barnsteiner-Bosch vermutet, dass sie genau aus diesem Grund erneut zu den Ausgezeichneten zählt: „Auf ein hochwertiges Veranstaltungsprogramm, und zwar über Jahre hinaus, legt die Jury einen besonderen Wert. Und da konnten wir eben überzeugen.“

Das Preisgeld in Höhe von 7000 Euro ist zweckgebunden und muss in kulturelle Veranstaltungen investiert werden. Daneben komme es der Jury darauf an, dass die Bücher unabhängiger Verlage im Sortiment vertreten sind. Und auch die Buchhandlung selbst muss eine unabhängige sein, darf also nicht zu einer der großen Handelsketten gehören. „Mit dem Preis soll ja gerade die Buchhandlungsvielfalt, die wir hier in Deutschland haben, honoriert werden“, erklärt Barnsteiner-Bosch.

Und wie verlief die Preisverleihung? „Da gibt es einen richtigen Festakt mit Reden und Musik und Büffet. Also üblicherweise“, so Barnsteiner-Bosch. Im Corona-Jahr fuhren jedoch nur die drei Geehrten der Kategorie „Beste Buchhandlung“ zur Verleihung nach Berlin. Alle übrigen Preisträger durften die Ehrung Ende November per Live-Stream online verfolgen. „Mit einem Glasl Sekt auf der Wohnzimmercouch – oder in der Buchhandlung“, ergänzt Barnsteiner-Bosch. Und betont, dass dieser Preis an das ganze Team gehe und keinesfalls ihr alleiniger Verdienst sei. „Und neben motivierten Mitarbeitern braucht es eben auch die Kundschaft, die unsere Arbeit zu würdigen und unser handverlesenes Angebot zu schätzen weiß.“

Da dies in Weilheim alles zusammen kommt, geht die ausgezeichnete Buchhändlerin nach „diesem Wahnsinn 2020“ auch mit Zuversicht ins kommende Jahr: „Ich bin froh und stolz, dass es uns gelungen ist, diese Zeit mit Hilfe unserer treuen Kundschaft gut zu überstehen.“ Und sobald es das Virus erlaubt, wird auch die Feier für den Preis nachgeholt.

Sabine Näher

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