Helmut Hornung arbeitet bei der „Max-Planck-Gesellschaft“
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Helmut Hornung arbeitet bei der „Max-Planck-Gesellschaft“

INTERVIEW - mit dem Weilheimer Helmut Hornung

„Viele Glückwünsche für den Nobelpreis erhalten“

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Überraschend hat Reinhard Genzel, der Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching, am Dienstag den Physik-Nobelpreis verliehen bekommen. Was diese Entscheidung mit dem Weilheimer Astronomieexperten, Chefredakteur des Magazins „Max Planck Forschung“ und Mitarbeiter der Pressestelle der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), Helmut Hornung, zu tun hat und weshalb er am Tag, als die Entscheidung verkündet wurde, viele Glückwünsche für den Nobelpreis erhalten hat, erzählt er im Interview mit dieser Zeitung.

Als die Öffentlichkeit von dem Physik-Nobelpreis für Reinhard Genzel erfuhr, war sicher einiges los bei der MPG.

Nachdem Reinhard Genzel den Anruf aus Stockholm erhalten hatte und wenig später offiziell verkündet wurde, dass er den Physik-Nobelpreis verliehen bekommt, hatten wir in der Pressestelle natürlich schlagartig alle Hände voll zu tun: Wir mussten diese Nachricht vermelden, Informationen über die Arbeiten Genzels veröffentlichen und eine Pressekonferenz am Institut vorbereiten, zu der wir sofort eingeladen hatten. Zudem haben sich viele Journalisten und Mitarbeiter von Nachrichtenagenturen bei uns gemeldet, die über das Thema berichten oder ein Interview mit dem frisch gekürten Nobelpreisträger führen wollten.

Und viele haben Ihnen dann gratuliert?

Ja, tatsächlich haben meine Kollegen und ich vorgestern viele Glückwünsche erhalten für diesen Nobelpreis – auch wenn wir an der Forschung nicht beteiligt waren. Ich glaube, die Gratulanten meinten die „Max-Planck-Gesellschaft“ als Ganzes.

Lässt sich für Nicht-Astronomen verständlich erklären, wofür der Nobelpreis verliehen wurde?

Genzel hat schon vor mehr als 20 Jahren herausgefunden, dass es rund 26 000 Lichtjahre entfernt ein dunkles, massereiches Objekt im Herzen unserer Milchstraße gibt – höchstwahrscheinlich ein schwarzes Loch. Den Nobelpreis hat er dafür bekommen, dass er eine Methode entwickelt hat, dieses dunkle Objekt zu beobachten. Dazu hat Genzels Team vier Einzelteleskope mit einem Spiegeldurchmesser von jeweils acht Metern zusammengeschaltet, die ein so gutes Auflösungsvermögen erzielen, dass sie eine Münze auf dem Mond zeigen würden. Dies hat den indirekten Nachweis dieses mutmaßlichen schwarzen Lochs ermöglicht. Zudem hat er verschiedene relativistische Effekte in seiner Umgebung entdeckt.

War damit zu rechnen, dass der Nobelpreis ans MPE nach Garching geht?

Nein, damit war zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich nicht zu rechnen, weil die Physik-Nobelpreise in den Jahren 2017 und 2019 ebenfalls an Astrophysiker vergeben wurden. Zudem hat Genzel bereits den renommierten „Crafoord-Preis“ verliehen bekommen, der normalerweise in Disziplinen vergeben wird, die der Nobelpreis nicht abdeckt. Dass jemand diesen Preis erhält und später noch den Nobelpreis, ist höchst ungewöhnlich. Deswegen waren wir alle wirklich überrascht – einschließlich Reinhard Genzel selbst.

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