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Thomas Lochte musste ein Taxi nehmen, um rechtzeitig nach Schweinfurt zu kommen.

Schach

Sensationell: SK Weilheim jetzt in der 2. Liga

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Es ist die Sensation schlechthin: Der Schachklub Weilheim hat den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Als Aufsteiger in die Oberliga gestartet (und als Abstiegskandidat gehandelt), haben die Weilheimer hinter Meister SC Noris-Tarrasch Nürnberg den zweiten Platz belegt.

Weilheim – „Wir sind noch ungläubig bis fassungslos“, sagte Weilheims Spieler Thomas Lochte nach dem 4,5:3,5-Sieg im letzten Saisonkampf gegen den SK Schweinfurt. Fast wären die Weilheimer auf der Zielgerade noch gestrauchelt. Denn vor dem Beginn der Partie „ging alles schief, was schiefgehen konnte“, so Lochte.

Der letzte Spieltag der Oberliga wurde für alle Teams zentral in Uttenreuth (bei Erlangen) ausgetragen. Das Gros der Weilheimer reiste bereits am Vortag an, um ausgeruht antreten zu können. SK-Spitzenspieler Bernhard Bayer wurde dann aber von einer Nierenkolik geplagt, er musste sogar ins Krankenhaus. Auf eigene Verantwortung verließ er das Klinikum, wollte unbedingt spielen – doch es ging einfach nicht. Die Weilheimer bemühten sich kurzfristig um einen Ersatz. Und tatsächlich fanden sie jemanden: Georg Fuchs, ein Österreicher, der regelmäßig für den SK Weilheim antritt, war mit seiner Lebensgefährtin in der Nähe von Pilsen privat unterwegs und sagte spontan zu, nach Uttenreuth zu kommen. Die Probleme der Weilheimer waren aber keineswegs gelöst: Thomas Lochte konnte berufsbedingt erst Sonntagfrüh nach Uttenreuth fahren. Auf der A9 bei Allershausen sorgte ein defekter Zylinderkopf dafür, dass sein Auto streikte. Das Warten auf den ADAC dauerte zu lang, Lochte musste ein Taxi organisieren. Der Fahrer schaffte es noch rechtzeitig nach Uttenreuth. Mit 20 Minuten Verspätung kam der SK-Routinier an sein Brett; die Karenzzeit in der Oberliga beträgt eine Stunde. Die Kosten für die Taxifahrt: 270 Euro.

Da Bayer nicht spielen konnte und daher die Aufstellung umgestellt werden musste, spielte Lochte allerdings gegen einen Gegner, gegen den er sich nicht vorbereitet hatte. Alles keine günstigen Umstände, doch die Weilheimer, die im Fernduell mit dem Münchener SC unbedingt gewinnen mussten, siegten denkbar knapp. Ludwig Deglmann (Brett 1), Oliver Lehner (2), Klaus de Francesco (3) und Markus Pierecker (6) erreichten jeweils ein Remis. Lochte (4), von der turbulenten Anfahrt noch gestresst, verlor zu Beginn einen Bauern, schaffte es aber dennoch seinen Gegner in ein Remis zu zwingen.

Beim Stand von 2,5:2,5 liefen noch drei Partien. Robert Wiesinger (7) befand sich in kritischer Lage, blieb aber cool und holte ein Remis. Georg Fuchs (5) stand günstig und begnügte sich mit einem halben Punkt. Die Entscheidung über Wohl und Wehe fiel schließlich am achten Brett: Dort gewann Moritz Binder und machte so den Aufstieg perfekt. Da der Münchener SC gesiegt hatte (4,5:3,5 gegen SG Regensburg), hätte den Weilheimer ein 4:4 nicht zum Aufstieg gereicht. Am Ende war auch der Weilheimer Konkurrent Schweinfurt zufrieden: Mit den erzielten 3,5 Brettpunkten verhinderten die Unterfranken gerade noch den Abstieg.

Nach dem Aufstieg in die 2. Bundesliga sind die Schachspieler nun die höchstklassige Sportmannschaft in Weilheim. Die Volleyballer des TSV Weilheim spielten 1995 für eine Saison in der 2. Liga, die Basketball-Frauen waren von 1986 bis 1993 sogar erstklassig. In ähnlichen Sphären wie die Weilheimer bewegen sich derzeit nur mehrere TSV-Turner, die für den TSV Buttenwiesen und „Exquisa Oberbayern“ in der 2. Liga Süd turnen.

Dem Schachklub steht nun einiges an organisatorischer Arbeit bevor. Unter anderem müssen Sponsoren gesucht werden. Eine Teilnahme an der zweithöchsten Klasse „ist finanziell nicht ohne“, sagt Lochte. Allein schon die Reisekosten werden deutlich steigen. Kommt der SK in die Ost-Staffel, geht es in Richtung Halle und Au, wird er in die Süd-Staffel eingeteilt, stehen Fahrten nach baden-Württemberg und Frankfurter Raum an. Klar ist aber auch: „Wir wollen mit unserer Stammbesetzung weiterspielen“, sagt Lochte. Bezahlte Top-Spieler soll es in Weilheim weiter nicht geben. Solch ein Umbruch hin zum Profitum birgt für Vereine ja auch immer Risiken. Den Aufstieg „haben wir ja auch mit ,Bordmitteln‘ geschafft“, so Lochte.

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