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Da freut sich der Investor: Obwohl Vox-Juror Frank Thelen begeistert von der Bindung war, schlugen (v.l.) Jakob Schneider, Johannes Weckerle und Matthias Albrecht den angebotenen Deal aus.   

Weilheimer Start-Up im Fernsehen bei VOX

Snowboard-Bindung begeistert die „Löwen“

„Ganz, ganz großes Kompliment“: Viel Lob haben drei Jungunternehmer aus Weilheim am Dienstagabend in der VOX-Gründer-Show „Höhle der Löwen“ eingesackt – ganz im Gegensatz zum erhoffen großen Deal. Aufgeben kommt für die Jungs von „Clew“ aber nicht in Frage – sie sehen sich auch so auf dem richtigen Weg.

Weilheim– Da staunte Frank Thelen nicht schlecht. Das Trio Johannes Weckerle, Jakob Schneider (beide Weilheim) und Matthias Albrecht (Polling) hatten soeben ein Angebot von ihm erhalten – und es eiskalt abgelehnt. Statt „ja, wir machen’s“ zu sagen, verließen sie mit einem freundlichen „Auf Wiederschauen“ die „Höhle der Löwen“. Mit ihrem „Clew“-Produkt (Zusammensetzung aus „clever“ und „new“), aber ohne den erhofften „Löwen“ im Gepäck. „Nicht schlimm“, berichtet Johannes Weckerle im Nachgang. Schließlich sind die Clew-Jungs nicht als die „Verlierer des Abends“ nach Weilheim zurückgekehrt, sondern viel mehr als die heimlichen Gewinner. Denn nach der Sendung, die bereits im März aufgezeichnet worden war, hatten sie ihre heutigen Investoren gefunden.

Selbstbewusster Auftritt

Selbstbewusst waren die Weilheimer Jungunternehmer zur Sendung gereist, weil sie von ihrem Produkt überzeugt waren. Seit 2014 gibt es die Sendung, die es Start-Up-Unternehmern ermöglicht, einen Deal abzuschließen. Dafür müssen sie einen der fünf einflussreichen Investoren, einen „Löwen“, von ihren neuartigen Produkten überzeugen. Und gegen Abgabe von Firmenanteilen dabei nicht nur Löwen-Kapital, sondern auch viel Know-how zurückzubekommen.

Um den „Löwen zu bändigen“, braucht es aber nicht nur eine tolle Geschäftsidee. Das Gesamtpaket aus Produkt, Präsentation und Unternehmer muss stimmen. Und das tat es wohl bei den Clew-Jungs.

Schon mit ihrem Einstieg hatten sie die Latte hoch gelegt. „Wir sind clever, wir sind new – wir sind Clew“. Da mussten sogar die sonst so förmlichen „Löwen“ schmunzeln. Auch im weiteren Verlauf des TV-Auftritts wurde klar, dass Weckerle und Co. mit ihrem Produkt ein wortwörtlicher „Clew“ gelungen war. Eine „echte Erfindung“, „ein Problemlöser“ – die Löwen-Begeisterung fand keine Grenzen.

Dabei hatten die selbsternannten „Snowboardverrückten“ aus Weilheim und Polling doch nur das „Nervigste“ an der „geilsten Sache des Winters“, dem Snowboarden, beseitigt: Das ständige Bücken zum Öffnen der Schnallen-Bindung. Notwendig, um mit Lift oder Gondel den Berg überhaupt wieder heraufzukommen.

Weckerle sei es Leid gewesen, sich von Skifahrern deswegen belächeln lassen zu müssen. So kam ihm im Gespann mit seinen Kumpels eines Skitages der „Clew“ in den Sinn: Warum nicht eine Skibindung fürs Snowboard produzieren? Dort könne man mit einem einfachen „Klick“, ganz ohne Schnalle, in die Bindung einsteigen. Und durch Ziehen an einer roten Lasche diese wieder lösen. Ganz unkompliziert, ganz ohne Bücken.

„Eine intelligente Lösung“, befindet sogar der sonst oft kritische Thelen. Er ist selbst begeisterter Hobby-Snowboarder und hat schon so einige Bindungssysteme gesehen. Die „Clew“-Bindung sagt ihm dabei besonders zu – schließlich lässt sich diese schuhunabhängig an jeden belieben Snowboard-Boot anpassen. Das habe nicht einmal Marktführer Burton geschafft. „Respekt.“

Angebot allein schon eine Bestätigung

Den zollen auch alle weiteren „Löwen“ den Bindungsentwicklern. „Krasses, krasses Kompliment“, sagte zum Beispiel Ralf Dümmel. Und Judith Williams setzt noch Einen drauf: Sie würde sogar von den Skiern auf das Snowboard umsteigen. Nicht nur der „Clew“, sondern auch der „sehr sympathischen Gründer“ wegen.

„Das war schon cool“, erinnert sich Weckerle. Er und seine Kollegen hätten sich zu diesem Zeitpunkt aufgrund des positiven Feedbacks sehr „euphorisiert“ gefühlt – ehe „der kleine Dämpfer“ folgte: das Frank Thelen-Angebot.

Allein ein Angebot zu bekommen, sei natürlich „eine Bestätigung“ für die Arbeit gewesen. Die gestellten Konditionen – Thelen forderte 30 Prozent der Firmenanteile – seien aber einfach nicht mit ihren Vorstellungen vereinbar gewesen. „Wir hatten vorher eine Grenze von 20 Prozent festgelegt“, sagt Weckerle. So verließ man eben wieder die Höhle.

Wehmut kommt aber keine auf. Denn nach der Sendung lief die Erfolgsgeschichte auch ohne Unterstützung von Thelen an, Eine PR-Agentur kümmert sich inzwischen um das Marketing, die erste eigene Bindungsserie wird ab Anfang Dezember ausgeliefert. Da bleibt den „Clew“-Jungs sogar Zeit für die großen Träume: „Wir wollen als Snowboard-Ausstatter zu Olympia“, sagt Weckerle. Die Investoren sollen ihnen dabei helfen. „Mit denen läuft’s nämlich super.“

Da dürfte Thelen zum zweiten Mal nicht schlecht staunen.

Max Edinger

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