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Ergebnis der Stadtratswahl 

So bunt ist Weilheims neuer Stadtrat

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Weilheims neuer Stadtrat ist bunt: Alle neun Parteien und Gruppierungen, die sich zur Wahl stellten, sind in dem Gremium künftig vertreten. BfW, CSU, SPD und FW mussten teils hohe Verluste hinnehmen, die Grünen konnten ihr Ergebnis fast verdoppeln und holten sechs Sitze. Neu im Stadtrat sind ÖDP, AfD und „Weilheim Miteinander“.

Weilheim – Er zeigt ein zweigeteiltes Bild, Weilheims neuer Stadtrat, der ab Mai im Amt sein wird: Da gibt es drei große Blöcke, die fast gleichauf liegen und je sechs bis acht Mitglieder zählen. Und da sind sechs Parteien und Gruppierungen, die jeweils nur ein oder zwei Sitze haben und sich erst zu Fraktionsgemeinschaften zusammenschließen müssen, wenn sie zum Beispiel Sitze in den Ausschüssen ergattern wollen.

Ein anderes Bild der Zweiteilung ergibt sich zudem bei der derzeit umstrittensten und für viele wohl wahlentscheidenden Frage. Halten sich die Bewerber an ihre Aussagen vor der Wahl, dann ergäbe sich bei einer Abstimmung über die Umgehungsstraße eine denkbar knappe Situation: 15 der neuen Stadträte sind gegen jegliche oberirdische Variante, 15 könnten sich eine solche Umfahrung vorstellen oder wünschen sie sich explizit. Wobei zum letzteren Lager auch noch die Stimme des Bürgermeisters käme – ob sich bei der Stichwahl nun Angelika Flock (CSU) oder Markus Loth (BfW) durchsetzt.

Plötzlich gibt es drei große Fraktionen

Deren Fraktionen haben bei der Stadtratswahl Federn lassen müssen und bleiben doch „die Großen“: Die BfW verloren fast ein Viertel (von 32,6 Prozent bzw. zehn Sitze bei der Wahl 2014 auf 24,8 Prozent bzw. acht Sitze 2020). Die CSU sank etwas weniger von 27,9 Prozent/acht Sitze auf 22,7 Prozent/sieben Sitze. „Angesichts der vielen Parteien und Gruppierungen war uns schon klar, dass wir Sitze abgeben müssen“, erklärte gestern BfW-Fraktionssprecherin Brigitte Holeczek: „Wir strahlen nicht vor Freude, aber der Verlust hält sich im Rahmen.“

„Wir sind zufrieden“, so Marion Lunz-Schmieder, die Fraktionschefin der CSU, „wir haben unsere zwei Ziele erreicht: „Dass Angie Flock in der Stichwahl ist und dass wir ein gutes Ergebnis im Stadtrat haben – was man angesichts der Unkenrufe gegenüber der CSU im Vorfeld wirklich sagen kann.“

Klarer Gewinner der Stadtratswahl sind die Grünen, die nun sechs statt drei Sitze haben: „ein phänomenales Ergebnis“, findet Fraktionssprecher Alfred Honisch. Auch in der Zusammenschau mit der ÖDP sei das eine klare Botschaft der Wähler: „Weilheims Stadtpolitik muss sich viel mehr am Klimaschutz orientieren, und das letzte Wort bei der Umgehungsstraße ist noch lange nicht gesprochen.“ „Sehr zufrieden“ ist auch Andreas Halas, Spitzenkandidat der ÖDP, die vor wenigen Monaten erst ihren Ortsverband gegründet hat und auf Anhieb zwei Sitze eroberte. Das genügt zwar noch nicht für eine eigene Fraktion. Doch die ÖDP sei „dafür bekannt, dass sie auch mit wenigen Sitzen, aber guten Ideen etwas bewegen kann“, so Halas: „Das wollen wir jetzt auch in Weilheim tun.“

Große Enttäuschung (siehe unten) dagegen bei SPD und Freien Wählern, deren Zahl der Sitze jeweils halbiert wurde: von vier auf zwei. Gewiss werde man jetzt nach Fraktionsgemeinschaften Ausschau halten, heißt es aus beider Lager. In welche Richtung, sei noch offen. Je einen Sitz im neuen Stadtrat erlangten die AfD, die neu gegründete Gruppe „Weilheim Miteinander“ um Bürgermeisterkandidat Ullrich Klinkicht und die FDP. Die Wahlbeteiligung lag mit 61,6 Prozent fünf Prozent höher als 2014.

Einige bekannte, langjährige Mitglieder werden dem neuen Stadtrat nicht mehr angehören: Anton Schreitt, Florian Lechner, Petra Hofer und Jochen Knittel (alle BfW) sowie der jetzige FW-Fraktionssprecher Walter Weber, Werner Loos (einst FW, nun für die FDP angetreten) und Grünen-Bezirksrat Eckart Stüber. Bei den Grünen rückt dafür eine alte Bekannte in den Stadtrat: Luise Nowak, die einst die BfW mitgegründet hat. Jünger wurde der neue Stadtrat übrigens keineswegs (siehe unten). Jüngstes Mitglied ist nach jetzigem Stand Alexandra Bertl (36).

Weitere Stimmen zum Ergebnis der Stadtratswahl in Weilheim:

Petra Arneth-Mangano (SPD): „Nur zwei Sitze für uns, das ist bitter – weil ich denke, dass wir gute Arbeit geleistet haben. Ich finde die Konstellation des neuen Stadtrats schwierig. Da muss man sich wirklich zusammensetzen und schauen, wie das gehen kann.“

Walter Weber (FW): „Die Wahl wurde vom Thema ,Entlastungsstraße’ dominiert. Schade, dass wir Freien Wähler dabei verloren haben, obwohl wir uns von Anfang an damit beschäftigt haben und und und uns für einen Tunnel einsetzen. Ich persönlich finde es schade, nicht mehr im Stadtrat zu sein. Ich habe diese Arbeit gerne gemacht. Es ist bei den Wählern wohl nicht angekommen, was wir bewegt haben – etwa in Sachen Barrierefreiheit und Stadtbus-Optimierung.“ 

Brigitte Holeczek (BfW): „Wir dürfen künftig große Sitzpolster in die Sitzungen mitbringen, die werden sicher länger dauern... Aber im Ernst: Wir werden sachlich bleiben und nehmen die Diskussion auf.“

Alfred Honisch (Grüne): „Dass ein AfD’ler im Stadtrat sitzt, bedeutet für jeden von uns, genau hinzuhören und jeden Ansatz enthemmter Sprache zurechtzuweisen.“

Die Mitglieder des neuen Stadtrates:

BfW (8 Sitze):
Markus Loth (52 Jahre; 6469 Stimmen), Tillman Wahlefeld (55 J.; 5742 St.), Roland Schwalb (63 J.; 4580), Brigitte Holeczek (55 J.; 3719), Hubert Schwaiger (58 J.; 3214), Ragnhild Thieler (75 J.; 3203), Rupert Pentenrieder (69 J.; 3041), Claus Reindl (62 J.; 2751). Sollte Markus Loth die Bürgermeister-Stichwahl gewinnen, rückt Hans Vollmann (57 J.; 2600) nach.

CSU (7 Sitze):
Angelika Flock (61 Jahre; 6372 Stimmen), Alexandra Bertl (36 J.; 4179), Stefan Zirngibl (59 J.; 3997), Johannes Langer (67 J.; 3922), Klaus Gast (55 J.; 3772), Franz Andrä (61 J.; 3247), Marion Lunz-Schmieder (62 J.; 3170). Sollte Angelika Flock die Bürgermeister-Stichwahl gewinnen, rückt Pirmin Mohr (32 Jahre; 2514 Stimmen) nach.

GRÜNE (6 Sitze):
 Manuel Neulinger (42 Jahre; 5162 Stimmen), Karl-Heinz Grehl (59 J.; 4025), Brigitte Gronau (57 J.; 3544), Alfred Honisch (66 J.; 3273), Stefan Emeis (63 J.; 3150), Luise Nowak (61 J.; 3081).

SPD (2 Sitze):
Horst Martin (60 Jahre; 5571 Stimmen), Petra Arneth-Mangano (56 J.; 2515 Stimmen).

ÖDP (2 Sitze):
Andreas Halas (50 Jahre; 2920 Stimmen), Saro Gerd Ratter (59 J.; 2703 Stimmen).

FW (2 Sitze):
Susann Enders (53 Jahre; 3478 Stimmen), Romana Asam (61 J., 2882 Stimmen).

AfD (1 Sitz):
Rüdiger Imgart (63 Jahre; 1762 Stimmen).

Weilheim Miteinander (1 Sitz):
Ullrich Klinkicht (55 Jahre; 2475 Stimmen).

FDP (1 Sitz):
Saika Gebauer-Merx (49 Jahre; 2645 Stimmen).

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