So hätte das Singspiel 2020 auf dem Nockherberg ausgesehen, das Richard Oehmann und Stefan Betz inszenierten – das dann aber coronabedingt ausfiel. Hier ein Probenfoto.
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So hätte das Singspiel 2020 auf dem Nockherberg ausgesehen, das Richard Oehmann und Stefan Betz inszenierten – das dann aber coronabedingt ausfiel. Hier ein Probenfoto.

Interview

„Entspannt und vergnügt“: So hat Singspiel-Autor Richard Oehmann den „Nockherberg“ 2021 erlebt

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Wie hat der aus Weilheim stammende Autor und Regisseur Richard Oehmann das diesjährige Politiker-Derblecken auf dem Münchner Nockherberg erlebt - nachdem „sein“ Singspiel heuer Corona zum Opfer fiel? Seine Highlights“ verrät er im Interview - und blickt schon mal ins Jahr 2022.

Weilheim/München – Der Pandemie zum Trotz gab es vergangenen Freitag wieder das traditionelle Politiker-Derblecken auf dem Münchner Nockherberg, live übertragen vom BR-Fernsehen und -Radio. Publikum – darunter wie gewohnt viel Politprominenz – war der Fastenrede von Kabarettist Maxi Schafroth aber nur digital zugeschaltet. Und das Singspiel, das erneut Stefan Betz und der Weilheimer Autor Richard Oehmann inszeniert hätten, entfiel coronabedingt gänzlich. Wie er die Veranstaltung als Zuschauer „dahoam“ erlebt hat, erzählt Oehmann (54) im Interview der Heimatzeitung.

Mit welchen Gefühlen haben Sie den „Nockherberg“ heuer von daheim aus angeschaut? Eher entspannt – oder eher frustriert, weil es kein Singspiel geben konnte?

Entspannt und vergnügt. Da erleben andere gerade Schlimmeres.

Was war für Sie das Highlight der Veranstaltung?

Das Lied an den Scheuer. Das ist schon wirkungsvoll, wenn einem seine Unfähigkeit so scheinbar freundlich vorgesungen wird. Da bleibt keine passende Reaktion mehr, weder das Lachen, noch das Granteln. Weniger gemein, aber sehr lustig war, wie der Maxi Schafroth zum twitternden Aiwanger im Elterntonfall „Jetzt tu’s halt mal weg!“ gesagt hat.

Hat das digitale Konzept mit zugeschalteten Politikern Ihrer Meinung nach funktioniert?

Ein Mordsaufwand. Und für das – hoffentlich – eine Mal eine gute Idee. Komischerweise hat man mit den ganzen Monitoren das Gefühl gehabt, dass die Distanz zwischen Redner und Politikern diesmal geringer wäre. Aber, obwohl der Maxi Schafroth so viel lächelt und lacht, ist er ja mit den Derbleckten keineswegs verbandelt. Die Kanzel bringt da nächstes Jahr hoffentlich wieder die bessere Ausgangsposition. Die Forentrolle glauben ja eh schon immer, dass alles abgesprochen, abgemildert, zensiert und zerschnitten ist, stimmt aber hinten und vorne nicht.

Welche Pointe aus Maxi Schafroths Rede hätte auch von Ihnen sein können?

Da maße ich mir nix an. Das, was der da macht, ist unheimlich schwer.

Richard Oehmann wuchs in Weilheim auf.

Gab’s schon Ideen für ein Singspiel 2021? Wie hätten Sie denn den ganzen Corona-Wahnsinn auf die Bühne gebracht?

Wir haben ja noch das Märchen-Bühnenbild vom letzten Jahr gehabt, aber auch schon früh gewusst, dass drei Wochen Proben mit Kapelle, Tanz und einem Dutzend Schauspielern wohl nicht hinhaut. Ich bin jetzt eigentlich ganz froh, dass ich nicht auch noch zu Corona irgendwas mitteilen muss.

Und was hätte zur Bundestagswahl unbedingt gesagt werden müssen?

Wir hätten ja letztes Jahr ein Märchen gemacht, in dem sich am Ende Schwarz und Grün ein gemeinsames, aber zweifelhaftes Happy End einbildet. Das hätte man natürlich auch dieses Jahr erzählen können. Die jeweiligen Spitzenkandidaten sind ja immer noch unklar. Da kann man noch viel behaupten. Nur hätten wir dieses Jahr den Scholz besetzen müssen, was gar nicht so leicht ist.

Gibt’s wenigstens finanziell irgendeinen Ausgleich für die beiden ausgefallenen Singspiele?

Das gesamte Team ist letztes Jahr von Paulaner komplett und hurtig bezahlt worden. Im Laufe des Jahres 2020 hab’ ich immer wieder unterbeschäftigte Tänzer, Schauspielerinnen, Musiker getroffen, die darüber sehr froh waren.

Am Ende der TV-Übertragung am Freitag hat der BR kurze Ausschnitte der Generalprobe vom geplanten, aber dann coronabedingt abgesagten Singspiel 2020 gezeigt. Wird man davon irgendwann mehr sehen können?

Das war erst die zweite Durchlaufprobe, die wir noch spontan nach der Absage gemacht haben. Die ist zwar aufgenommen worden, aber die Kostüme und Masken haben noch nicht gestimmt, die Abläufe waren holprig, Ton und Licht waren nicht fertig, der Hund von der Kostümbildnerin hat dazwischengebellt. Das will man gar nicht alles herzeigen. Aber in der BR-Mediathek gibt es noch fünf längere Szenen, darunter ein Ritterturnier, die SPD als Hänsel und Gretel, oder die gestiefelte Katha Schulze. Damit bekommt man vielleicht eine Ahnung, dass es vielleicht doch ganz lustig gewesen wäre. Man sieht da auch großartige Leute, die neue Rollen gespielt hätten: Thomas Limpinsel als Habeck, Natalie Hünig als Saskia Esken, Nikola Norgauer als Heidi Klum, alle sehr, sehr komisch! Und auch der Toni Gruber, der 30 Jahre nach seiner Weilheimer Schultheaterzeit beim Herrn Röttger wieder den Zeremonienmeister gespielt hätte.

Und wird es – wenn es das Virus zulässt – 2022 ein Nockherberg-Singspiel von Ihnen geben?

Wenn das Virus nix dagegen hat, wer wäre ich, dann Nein zu sagen?

Interview: mr

Zur Person: Richard Oehmann

Richard Oehmann, geboren 1967 in Weilheim, lebt als Autor, Musiker und Puppenspieler in München. Mit Josef Parzefall betreibt er seit 1994 „Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater“, von dem es auch 14 Hörspiele auf CD gibt. Er textet und singt „ungesüßte Kinderkultur“ für „Café Unterzucker“, hat das Buch „Wolfi, der Musketier“ veröffentlicht – und ist seit 2018 Autor und Regisseur des Singspiels beim Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg (gemeinsam mit Stefan Betz).

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