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Im Bereich der Fußgängerbrücke bei der Au könnte im Sommer ein bewirtschafteter Pavillon oder ein Kiosk Fußgänger und Radler an die Ammer locken – das ist eine der Ideen, die jetzt konkret untersucht werden sollen. 

Erste Projekt-Ideen

Das soll die Ammer in Weilheim zum „Erlebnisraum“ machen

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Der Stadtrat ist sich einig: Die Ammer in Weilheim soll attraktiver und die Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Fluss besser werden. Nun liegen erste Projekt-Ideen vor – während von Anwohnern Gegenwind kommt.

Weilheim – „Erlebnisraum Ammer – Der Zugang zum Fluss“: Unter diesem Titel hatte Weilheims Amt für Standortförderung, Kultur & Tourismus im Juni zu einem Workshop eingeladen. 36 Teilnehmer – Vertreter Weilheimer Vereine und der „Agenda 21“, von Behörden, Gremien und Stadtpolitik – besprachen dabei konkrete Projekt-Ideen. Hintergrund sind zwei Stadtrats-Anträge von CSU und BfW, die einen Kunstweg zur Ammer sowie einen „Ausbau des Erholungs- und Freizeitwertes“ des Flusses in Weilheim forderten.

An der Stadthalle tut sich bald was

Parallel dazu ließen der Tourismusverband Pfaffenwinkel und der Landkreis in den vergangenen Monaten ein „Naturtourismuskonzept an der Ammer“ erstellen. Dieses untersucht für vier Fluss-Abschnitte – einer davon ist das Weilheimer Stadtgebiet –, wie ein nachhaltiger, sanfter „Naturtourismus“ an der Ammer weiterentwickelt werden kann. Dabei entstand laut Weilheims Standortförderer Stefan Frenzl der Wunsch, die Aufenthaltsqualität auf der städtischen Wiese hinter der Stadthalle und entlang des dortigen Weges zu verbessern. Wie Frenzl in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses im Weilheimer Rathaus erläuterte, wolle das Wasserwirtschaftsamt dort 2020 „den Bereich direkt am Wasser“ umgestalten und zugänglicher machen. Die Stadt könnte dann zusammen mit verschiedenen Partnern „die angrenzende Wiese gestalten“; dafür wären aus der LEADER-Förderung der EU Zuschüsse von bis zu 70 Prozent möglich.

Die weiteren Projekt-Ideen für die Ammer

Drei weitere Projekt-Ideen wurden laut Frenzl beim Workshop der Stadt geboren oder näher ausgearbeitet:
- Kunst- und Kulturweg zwischen Innenstadt und Ammer: Er soll vom Marienplatz über den Badeweg und dann an der Ammer zur Stadthalle führen, so die Innenstadt und den Fluss miteinander verbinden. Interaktive Kunstwerke könnten „historische und zeitgenössische Beziehungen aufzeigen“, wie es hieß. Das Projekt, das sich unter Federführung von Stadt und Kunstforum mit verschiedenen Partnern aus Kultur-, Vereins- und Schulleben „über Jahre entwickeln“ solle, wird auf Kosten zwischen 10 000 und 50 000 Euro geschätzt – die Kunstwerke noch nicht eingerechnet.
- Einen bewirtschafteten Pavillon oder Kiosk an der Ammer für die Sommersaison wünscht sich unter anderem der Verein „Junge Menschen für Weilheim“ (JMW). Gedacht ist an „lockere Atmosphäre“, das Angebot könnte auch mobil sein. Über etwaige Standorte wollen die JMW bei der Oberlandausstellung mit Bürgern diskutieren, als eine Möglichkeit wurde der Bereich beim Ammersteg an der Au/BMX-Bahn genannt.
- Deichrückverlegung und „Re-Dynamisierung“ der Ammer im Bereich der Weilheimer Au: Über einen Zeitraum von zehn Jahren soll dort renaturiert und Naherholungsraum geschaffen werden – wofür es laut Frenzl „massive Fördermöglichkeiten“ gibt.

Der Hauptausschuss des Stadtrates nahm Kenntnis von den Vorschlägen, konkrete Beschlüsse wurden noch nicht gefasst. „Das ist ein längerer Prozess“, sagte Bürgermeister Markus Loth (BfW), zunächst sollen sich die Fraktionen Gedanken dazu machen. Das Engagement der Bürger in dieser Sache nannte Loth „sehr positiv“ – während einige Anwohner gegen „noch mehr Attraktivität“ der Ammer protestieren (siehe unten).

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Protest von Anwohnern: „Wer braucht noch mehr Attraktivität an der Ammer?“

Während Weilheims Stadtrat die Ammer „attraktiver machen“ will und die örtliche CSU Wahlkampf-Postkarten mit Werbung fürs „Flussleben“ verteilt, gibt es Protest von Anwohnern. Unter dem Titel „Wir leben (in) Weilheim – jetzt reicht’s, oder: Wer bitte vergibt Aufbaugenehmigungen für Sonntag?, oder: Wer braucht noch mehr Attraktivität an der Ammer?“ hat Bernd Steffen „im Namen zahlreicher Anwohner am Schießstattweg“ einen Brief an Weilheims Bürgermeister, das Ordnungsamt, die CSU und das „Weilheimer Tagblatt“ geschickt – mit folgendem Wortlaut:

„Überstrapaziert werden die Anwohner rund um den Volksfestplatz mittlerweile durch wechselnde Veranstaltungen wie Volksfest (daher auch der Name Festplatz), Autoausstellung, regelmäßige Verkehrsübungen mit quietschenden Reifen, Flohmarkt, Oberlandausstellung, Foodfestival, lärmende Feste in der Stadthalle, die eine oder andere Abschlussfeier oder Abiball, natürlich mit passender musikalischer Untermalung, oder ein paar politische Veranstaltungen, die natürlich aufgrund der hitzigen Diskussionen mit offenen Türen geführt werden müssen. Ergänzt werden die Veranstaltungen durch Trainingsrunden der GoKart-Jugend, Trommelübungen mit Formationslauf, den Boule-Club sowie durch Nachwuchsrennfahrer, die nachts nur mal ausprobieren wollen, ob die Reifen noch quietschen und ob man auf der Festplatzfläche die 100-km/h-Marke knacken kann. Das alles wird unterbrochen durch den ein oder anderen Zirkus, der natürlich nachts auf- und auch nachts wieder abbaut. Dazu kommen des Nächtens lärmende Jugendliche an der Ammer oder an der Stadthalle, die das eine oder auch das andere gute Weilheimer Bier genießen. Falls es kalt werden sollte, könnte ihnen auch hier einfallen, mit der Ruhebank ein kleines Lagerfeuer gegen die Kälte zu machen. Das halten wir bisher klaglos aus, obwohl es manchmal echt grenzwertig ist. Die nur sehr kurzen Ruhepausen des Platzes könnten wir genießen, wenn da nicht auch noch Sonntagsarbeitsgenehmigungen vergeben würden. Lautstarke Arbeiten am frühen Morgen, die bei besserer Planung sicherlich auch an Wochentagen ausgeführt werden könnten. Doch nicht genug damit. Jetzt wird auch noch überlegt, wie man die Ammer noch attraktiver machen kann! Bitte nicht! Wir, die Anwohner, werden regelmäßig Zeugen, wie attraktiv die Ammer ist. Wir haben genug, noch mehr Attraktivität halten wir wirklich nicht aus. Falls die Sicht aus dem Rathaus oder dem Amt für Ordnung etwas schlecht sein sollte, können Sie sich gerne, vorzugsweise an einem sonnigen Samstag oder Sonntag, entweder vor, nach oder während eines Events, vor Ort ein Bild von der Situation machen. Vorausgesetzt, Sie können einen Platz ergattern zwischen E-Bikern, Fahrradfahrern, Fußgängern und Reitern samt Pferd. Die Geräuschkulisse, welche entsteht, wenn sich vorbeifahrende Radfahrer unterhalten, würde Ihnen auf ihrer Terrasse sicherlich auch nicht gefallen.“

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