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Die Toiletten in Warkworth/Neuseeland sind ganz besondere Exemplare.

Sonderausstellung im Stadtmuseum

Ein Lob der öffentlichen Toilette

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Ein anrüchiges Thema behandelt die neue Sonderausstellung im Stadtmuseum Weilheim: Es geht um Toiletten. Genauer: um öffentliche Toiletten. Denn damit hat man in diesem Museum ja nun wirklich Erfahrung.

Weilheim – Das Thema der Ausstellung wurde dem Weilheimer Stadtmuseum gleichsam in die Wiege gelegt. Als es 1966 am neuen Standort, dem Alten Rathaus am Marienplatz, wiedereröffnet wurde, hatte die Stadt im östlichen Drittel des Parterres öffentliche Toiletten miteingerichtet: das „Stadtklo“.

„Haben diese Toiletten in den letzten 50 Jahren so manchem Weilheimer zu großer Erleichterung verholfen und so manches Ungeschick zu verhindern gewusst, so waren sie für das Museum doch auch ein stetiger Quell von Ärgernissen und unangenehmen Überraschungen“, stellt Museumsleiter Tobias Güthner fest – der das Haus nach Dienstschluss übrigens nur durch das Stadtklo verlassen kann. Im Zuge des Museumsumbaus soll das öffentliche WC bekanntlich bald an einen anderen Ort verlegt werden. Wohin, das ist allerdings noch unklar.

Das Museum selbst nähert sich derweil künstlerisch dem anrüchigen Thema: Am kommenden Samstag, 26. Oktober, wird die Ausstellung „www.c – World Wide Water. Closets“ eröffnet – mit Bildern von über hundert öffentlichen Klos in aller Welt. Der Steingadener Fotograf Ernst Weeber hat sie in den vergangenen fünf Jahren auf vielen Reisen aufgenommen („und größtenteils auch benutzt“, wie er hinzufügt): in Argentinien und in Ostsibirien, in Tibet, Kambodscha und quer durch Europa. Und besonders gern in Neuseeland, „denn da gibt’s die schönsten öffentlichen Toiletten“, wie Weeber weiß, wahre Kunstwerke wie die „Hundertwasser Toilets“ in Kawakawa, die der berühmte Künstler gestaltet hat und auf die sogar Schilder an der Autobahn verweisen.

„Manche Örtchen ekeln“, berichtet der Fotograf in seinen „Gedanken zur Toilette“, „manche reduziert man auf das Nötigste, aber manche versetzen einen auch in eine angenehme Stimmung, die über den Akt der Defäkation hinausgeht. Dabei können schon mal philosophische Gedanken entstehen.“

Solche Gedanken können nun auch den Betrachtern dieser Fotos kommen, die Weeber – der eigentlich auf Reise- und Makrofotografie spezialisiert ist – zu großen Collagen zusammengestellt hat. Ergänzt werden diese durch Cartoons des bekannten, ebenfalls in Steingaden lebenden Künstlers Erik Liebermann. Er hat für den Heyne-Verlag bereits zwei witzige und keineswegs vulgäre Bücher zum Thema „Klo“ gestaltet, musste für diese Ausstellung also „nur ins Archiv greifen“. „Durch seine Peinlichkeit, die man humorvoll auffangen kann, ist das Thema lukrativ für einen Zeichner“, grinst Liebermann, der seit 1975 hauptberuflich zeichnet. Im Weilheimer Stadtmuseum war von ihm vor drei Jahren eine Ausstellung zum Thema „Schneemänner“ zu sehen – mit Cartoons zum Dahinschmelzen.

Nun also Toiletten. Und man sollte dieses Sujet nicht unterschätzen. „Öffentliche Toiletten sind ein Spiegel der Kultur eines Landes“, so die Erfahrung des Fotografen Ernst Weeber, „und da sind wir in Deutschland nicht gerade vorn dabei“. Aber Weilheim hat ja die Chance, es besser zu machen, wenn an anderem Ort demnächst ein Stadtklo entstehen wird. Im Stadtmuseum findet es jetzt schon mal Inspirationen dazu. Man muss allerdings auf der richtigen Seite reingehen.

Zur Eröffnung

der Ausstellung „www.c – World Wide Water. Closets“ am kommenden Samstag, 26. Oktober, 11 Uhr, gibt’s eine „Klonissage“ mit dem Theaterstück „Kasperl und das Klokodil“ von Hannes Kohlmaier und einer Lesung von Christine Fremmer, die das Thema „öffentliche Notdurft“ laut Einladung „nochmals von einer ganz anderen Seite beleuchten“. Die Ausstellung selbst ist zu sehen bis zum 24. November: Di-Sa 10-17 sowie So 14-17 Uhr (Montag geschlossen). Info im Internet: www.museum.weilheim.de.

Aus anderem Grund sind die Toiletten in einem Kindergarten in Burggen Thema. Sie sind in einem Zustand, der Eltern und Erzieher schockiert. 

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