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750 Zuhörer verfolgten die Stadtratssitzung zum Thema „Umfahrung“ in der Stadthalle. Am Pult Andreas Lenker (Staatliches Bauamt).

Umfahrung Weilheim

Ein Tunnel als Kompromiss?

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Teils nüchtern, teils emotional haben die Stadträte auf die Vorstellung von fünf Varianten einer Weilheimer Entlastungsstraße reagiert, die das Staatliche Bauamt näher untersuchen will. Einige sprachen sich klar gegen Umfahrungen in Ost und West aus.

Weilheim – Für BfW-Fraktionschef Dr. Claus Reindl steht fest: Ohne Entlastungsstraße gehe es nicht, das sei schon bei Gründung der BfW vor 16 Jahren klar gewesen. Andere Bemühungen – vom Bau von Kreisverkehren über neue Radwege bis hin zum Stadtbus – seien „Überbrückungsmaßnahmen, um den Verkehr am Laufen zu halten“, sagte Reindl, der Verkehrsreferent des Stadtrats, bei der Sondersitzung am Montagabend in der Stadthalle. Mit Alternativen habe man jedoch keine Verringerung des Verkehrs in Weilheim erreicht. Dagegen verspreche eine Umgehung „starke Entlastungen unseres Hauptstraßennetzes“, so Reindl.

Weitere BfW-Vertreter positionierten sich bei der Sitzung nicht – während etwa alle drei Grünen-Stadträte Stellung bezogen: Alfred Honisch monierte, dass das Staatliche Bauamt bei dieser „Jahrhundertmaßnahme“ „entscheidende Aspekte außer Acht lässt, vielleicht auch außer Acht lassen muss“, nämlich „die unwiederbringliche Zerstörung von Landschaft“. Allenfalls ein Tunnel unter der Stadt sei denkbar, betonte der Grünen-Sprecher: „Was nicht in Frage kommt, sind oberirdische Varianten links und rechts von Weilheim.“ Dass es viel Geld sparen würde, wenn man die Umfahrungsvarianten gar nicht weiter verfolgen würde, sagte Karl-Heinz Grehl in Richtung Bauamt: „Ost- und Westumgehung wollen die Weilheimer nicht. Überprüfen Sie den Tunnel und lassen Sie alles andere weg!“ – was Brigitte Holeczek (BfW) „despektierlichen Schmarrn eines Vizelandrats“ nannte.

Doch auch eine Untertunnelung würde laut Grünen-Stadtrat Dr. Eckart Stüber einer Überprüfung durch „unabhängige Volkswirtschaftler“ nicht standhalten: Im Verkehrswegeplan seien 35 Millionen Euro angesetzt, doch „ein Tunnel würde mindestens 150 Millionen kosten“, so Stüber, „das ist völlig absurd“. Bauamts-Leiter Uwe Fritsch entgegnete knapp: „Die Wirtschaftlichkeit dieses Projekts ist vom Bund festgestellt.“

Eine „große Bitte an das Bauamt“ hatte 2. Bürgermeister Horst Martin (SPD): Die Tunnelvariante müsse unabhängig von den Kosten „unter allen Umständen im Rennen bleiben“, denn nur sie sei kompromisstauglich: „Ich zweifle heute schon an, dass wir für eine Umfahrungslösung eine Mehrheit bekommen würden“, sagte Martin – und bekam dafür von den 750 Zuhören den längsten Applaus des Abends. „Das ist Glaskugelleserei“, entgegnete indes Bürgermeister Loth (BfW). Bauamts-Chef Fritsch nannte auch die Frage, ob es in 30 Jahren noch eine Umfahrung brauche „Kaffeesatzleserei“. Und angesichts der Entscheidung des Bundes für die Straße sei diese Frage auch „nicht mehr relevant“.

750 Besucher bei Sondersitzung: Das sind die möglichen Trassen. 

„Wie wollen wir uns als Stadt entwickeln?“, diese Frage muss der Stadtrat nach ansicht von CSU-Fraktionssprecherin Marion Lunz-Schmieder „in nächster Zeit intensiv diskutieren“. Dabei werde es „nicht reichen zu sagen, wir wollen gar nicht wachsen“. Die Entscheidung in Sachen „Umfahrung“, so Freie Wähler--Sprecher Walter Weber, „berührt Weilheim die nächsten 50 bis 100 Jahre, das muss jedem klar sein“. Deshalb dürfe eine Tunnellösung auch nicht am Geld scheitern. Klar für eine Unterfahrung sprach sich auch Saika Gebauer-Merx (FDP) aus – und fragte: „Was passiert denn, wenn sich keine Mehrheit für eine Umfahrung findet, der Tunnel aber dem Bund zu teuer ist?“. Uwe Fritsch vom Staatlichen Bauamt wich hier einer direkten Antwort aus: „Warten wir, bis im Frühjahr die Kostenberechnungen vorliegen“.

Die dann folgende „Bewertung der Tatsachen“ ist für Klaus Gast (CSU) „der ganz große Knackpunkt“ des kompletten Verfahrens. Sie müsse „so sauber und nachvollziehbar gemacht werden, dass es möglichst alle Bürger mittragen können“. Wie die Diskussion in den kommenden Monaten weitergehe, „das wird die eigentlich spannende Geschichte“, sagte Gast – und fügte mit Blick in die randvolle Stadthalle an: „Ich hoffe, dass sich weiterhin so viele Bürger einschalten und uns auf die Finger schauen.“

Magnus Reitinger

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