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Starker Auftritt: Das Kammerorchester um Vasja Legiša und Gitarrist Marko Feri. 

Herbstkonzert des Weilheimer Kammerorchesters

Die spanische Seite des Kammerorchesters

Weilheim - Beifallsstürme gab es in der Stadthalle für die gelungene Umsetzung ungewöhnlicher Werke. Das Weilheimer Kammerorchester entführte nach Spanien.

Die rote Blüte im Haar von Konzertmeisterin Susanne Molzberger war mehr als nur Dekoration, denn sie passte zu den Titeln. Diese entführten beim Herbstkonzert des Weilheimer Kammerorchesters am Samstagabend in der Stadthalle überwiegend nach Spanien – inklusive des Gastauftrittes eines Virtuosen mit spanischer Konzertgitarre.

Luigi Boccherinis „Musica notturna“, die nächtliche Musik auf den Straßen Madrids, setzte einen selten gehörten Auftakt. Hier musizierte der ansonsten als Dirigent wirkende Vasja Legiša selber als einfühlsamer Solist. Auf dem Cello gab es zunächst einen schabend-rauen Einstieg, später schmeichelnde Beiklänge. Es wirkte dieses Stück als ein Wechselspiel von Straßenrufen, Volkstänzen, Adelsmusik aus den Fenstern der Paläste und Momenten des Innehaltens – in zunehmender Geschmeidigkeit lebten sich die Streicher auch ohne Dirigent in den barocken Glanz ein und ließen schmunzeln, als Geigen und Bratschen ähnlich einem Mandolinenorchester geschlagen wurden. Von einem Solisten gleich zum nächsten: Zweites Bravour-Instrument des Abends war die Gitarre von Marko Feri, der – wie auch der nunmehr dirigierende Vasja Legiša – aus der multikulturellen Meeresmetropole Triest stammt. Mit großer Feinheit hoben die Andeutungen von Kastagnetten-Klängen auf den Saiten der Gitarre an, schwangen sich durch die Streicher und luden die 15 Bläser zu temperamentvollen Juchzern ein. Die geschickt wechselnde Dynamik und das emotional hervorragende Mitschwingen des Orchesters ließen die farbkräftigen Bilder von Joaquin Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ in schwungvoller Strahlkraft hervortreten.

Der vom Publikum intensiv bejubelte Marko Feri gab gleich zwei Zugaben: Llobets lyrischen „Canco del Lladre“ und Roland Dyens’ „Tango en Skai“, bei dem verschiedenes Klopfen auf den Korpus die feurigen Drehungen des Tanzes unterstrich – bravourös.  Mit dem „Gebet des Torero“ von Joaquin Turina ging es ins dritte spanische Werk. Die komplexen Nuancierungen in diesem Streicherstück, das teils der Klangwelt der „Neuen Klassik“ zuneigt, trafen beim Kammerorchester nicht sogleich eine verbindende Linie. Die fiebrige Mittelpassage markierte aber nicht nur beim Torero das durchschrittene dunkle Tal, auch in der Stadthalle fand die Gefühlswelt zur intensiven Erhabenheit.

Ravels Märchen-Suite „Ma mère l’oye“ (Mutter Gans) vereinte nicht nur die Bläser, sondern auch Harfe, Schlagwerk und Keyboard-Celesta mit den Streichern. Das sehr vielgestaltige Werk wurde überaus stimmig in Szene gesetzt. Ob Orff’sche Wucht oder französischer Feingeist: Die wechselnde Motivik gelang bestens, woran die aus der Region hinzugekommenen Bläser ihren fantastischen Anteil hatten. Auch fürs Kammerorchester war der verdiente Beifallssturm der fast 400 Zuhörer Anlass für zwei Zugaben.

Andreas Bretting 

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