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Erstmals inszeniert beim Weilheimer „Watzmann“ wurde die „Walpurgisnacht“ – mit wirbelnden Hexen des Ballettstudios Reiner. Durchs Gewimmel stapft der „Kleine Knecht“ (Harti Klotz). 

„Der  Watzmann“ im Stadttheater Weilheim  

Ein Spaß, dieser Schicksalsberg

Weilheim - Immer wieder ruft der „Watzmann“: Das seit 35 Jahren auf den Bühnen im Alpenraum beliebte Musical zieht auch Laien-Ensembles in seinen Bann, so auch – zum fünften Mal seit 1993 – die Band „Wolfpack“ mit der Darstellergruppe „s’Xindl“.

Nur elf Tage nach dem Münchener Abschiedsauftritt der „Watzmann“-Erfinder Wolfgang Ambros und Joesi Prokopetz verwandelte die Weilheimer Truppe an drei Abenden das Stadttheater zum „Schicksalsberg“. Die locker zusammengewürfelten Schauspieler waren das Highlight. Bereits eingeführte Darsteller wie der Bauer (Bertl Greiner, zugleich Regie), der Bua (Sebastian Schmederer) und der „Kleine Knecht“ (Harti Klotz) harmonierten perfekt mit neuen Ensemblemitgliedern wie Herbert Leistner als „Großer Knecht“. Alle fanden mit stupender Inspiration in die knarzigen Dialoge, den österreichischen Akzent und die kurios-eckigen Bewegungen. Gut gefiel auch die „Gailtalerin“, selbst wenn Dieter Protz nicht ganz so hoch quiekte wie sein Konterpart im Vorbild-Ensemble. Dafür waren die drei Weilheimer Bauernmägde in ihrem hysterischen Plappern noch weit schriller als die Vorlage und mithin geradezu schmerzhaft gut.

Musikalisch fielen in Weilheim einige der verschwurbelten Rock’n’Roll-Zwischenspiele weg, die das Original-Musical um rund 30 Minuten länger machen. Ärgerlich war, dass zumindest am Freitag zunächst viel zu viel Gewummer in der Tonanlage war und auch bei Duett-Szenen nur ein einziges Mikrofon zwischen den Sängern herumgegeben wurde, wodurch der Gesang mehrfach holperte.

Ganz wie beim Vorbild gab es ein überraschendes Extra-Lied – in Weilheim „Koa Hiatamadl mog i net“, wohinein Schlagzeuger Manfred Zichraser seine ganze Seelenkraft legte und gleich auch sang. Bejubelt wurde ebenfalls der Akkordeon-Part von Franz Wörle und der großartig wirbelnde, erstmals choreografierte Auftritt der zehn jungen „Hexen“ des „Ballettstudios Christine Reiner“. Insgesamt ergab dies einen „Watzmann“, der weitgehend überzeugte. Allerdings ließ die Inszenierung gerade bei der Musik das Kabarettistische etwas vermissen: Die im Stück angelegte Spannung zwischen musikalischer Rotzigkeit und textlicher Alpen-Romantik wurde manchmal nicht getroffen und in die Lieder wurde, ungewöhnlich, dies zu sagen, bei „Wolfpack“ fast zu viel Seele gelegt.

Aber das Weilheimer Gemüt ist wohl einfach nicht so morbid wie die Wiener Mäkel-Melancholie. Der etwas mildere Lokalkolorit des Pfaffenwinkels zeitigte auch sein Gutes – einerseits viel Spaß und andererseits die Bereitschaft zur Wohltätigkeit: Der Reinerlös kommt dem „Fonds für Kinder“, initiiert vom einstigen Stadtpfarrer Hans Appel, zugute.

Andreas Bretting

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