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Chaotischer Schienenersatzverkehr im Werdenfelsnetz: Bahn gelobt Besserung

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Von: Jörg von Rohland

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Auf der Strecke der Werdenfelsbahn zwischen Kochel am See und Tutzing kommt es immer wieder zu Zugausfällen, Pannen im Ersatzverkehr und Langsamfahrstrecken.
Auf der Strecke der Werdenfelsbahn zwischen Kochel am See und Tutzing kommt es immer wieder zu Zugausfällen, Pannen im Ersatzverkehr und Langsamfahrstrecken. © arp

Streckensperrungen, Langsamfahrstellen und ein höchst unzuverlässiger Schienenersatzverkehr (SEV) im Werdenfelsnetz treiben Bahnreisende in der Region nach wie vor in den Wahnsinn. Und sie müssen sich weiter gedulden: Die Bahn hat die bestehenden Sperrungen verlängert, gelobt beim SEV aber Besserung.

Landkreis – Wer von Tutzing beziehungsweise Weilheim eine Reise mit dem ÖPNV in Richtung Süden antritt, sollte in diesen Tagen viel Zeit mitbringen. Nach wie vor müssen Bahnreisende in Murnau aussteigen, um mit dem Schienenersatzverkehr weiter in Richtung Garmisch beziehungsweise Oberammergau zu kommen. Die Kochelseebahn endete zuletzt schon in Tutzing.

Auch für Pendler, die in der Gegenrichtung unterwegs sind, ist die Fahrt mitunter der blanke Horror. Dem Iffeldorfer Jens Merker, der täglich mit dem ÖPNV nach München zur Arbeit fährt, war das Bahn-Chaos jüngst zu krass geworden, er beschwerte sich an oberster Stelle: Er habe überhaupt kein Verständnis für die kurzfristige Sperrung der Kochelseebahn „ohne direkte Vorwarnung“ und die „sehr fahrgastunfreundliche Organisation der Schienenersatzverkehre“, schrieb er dem DB-Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz. Wann Taxis oder Busse an den einzelnen Stationen abfahren, werde nicht publiziert, klagte der Pendler. Und: „Woher soll ich wissen, zu welcher Uhrzeit ich mich an der SEV-Bushaltestelle in Iffeldorf einfinden soll?“

Wenn ein Taxi gerade weg sei, wisse er nicht, wann das nächste komme. „In 30 oder 60 Minuten?“, stellt der Iffeldorfer die rhetorische Frage. Merker meint, dass es doch gerade im PC-Zeitalter ein Leichtes sein müsste, „auf die Schnelle einen SEV-Fahrplan zu erstellen und im Internet zu publizieren“.

Die Bahn entschuldigte sich bei dem Iffeldorfer „aufrichtig“. Die Maßnahme auf der Strecke der Kochelseebahn habe relativ kurzfristig angesetzt werden müssen, eine „vorbereitende und proaktive Fahrgastkommunikation“ sei nicht möglich gewesen.

Dafür dauern die Bauarbeiten jetzt um so länger: Bis zum 21. August wird laut Bahn der SEV zwischen Kochel und Seeshaupt aufrecht erhalten. Und im übrigen Werdenfelsnetz sieht es nicht besser aus. Auch zwischen Murnau und Mittenwald beziehungsweise Murnau und Oberammergau geht bis auf Weiteres nichts auf der Schiene. Die bestehenden Schienenersatzverkehre seien verlängert worden, teilte eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage der Heimatzeitung mit. Wie lange die Sperrungen aufrecht erhalten bleiben, ist noch unklar. „Sobald wir eine Prognose abgeben können, werden wir dazu wir informieren“, heißt es.

Immerhin stellt die Sprecherin Verbesserungen beim SEV in Aussicht: „Durch die längerfristige Planung können trotz der derzeit angespannten Lage auf dem Markt Ersatzbusse zuverlässiger organisiert und eingesetzt werden“, meint sie.

Die eklatanten Probleme im Werdenfelsnetz und auch bei der Bayerischen Oberlandbahn nahm jüngst auch Florian Streibl, Freie Wähler- Landtagsabgeordneter aus Oberammergau, zum Anlass, nachzufragen, wie es in den Bahn-Netzen weitergeht. Von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) erfuhr er, dass die Bahn für Modernisierungsmaßnahmen im Werdenfelsnetz und der Oberlandbahn 80 bis maximal 100 Millionen Euro in die Hand nehmen möchte. „Derzeit wird das Konzept für Erneuerungsmaßnahmen im Werdenfelsnetz erarbeitet, zu Details werden wir zeitnah informieren“, heißt es dazu von der Bahnsprecherin, die „um Geduld“ bittet.

Bahnkunde Merker hegt indes den Verdacht, dass andere Strecken bei den Reparaturen bevorzugt werden und nennt als Beispiel die Pfaffenwinkelbahn. Die Strecke Peißenberg-Schongau sei nach ihrer Sperrung relativ schnell innerhalb einiger Tage durch die DB Netz AG repariert worden, wundert sich der Pendler. Er stellt die Frage, „ob dies daran liegt, dass diese Strecke von einer ,privaten’ Bahngesellschaft, der BRB, befahren wird.“

Die Bahn verneint das ausdrücklich: „Die schnellere Freigabe der Pfaffenwinkelbahn lag keineswegs an dem dort tätigen Betreiber oder irgendwelchen Schadensansprüchen, sondern am technischen Zustand der Strecke“, betont die Konzern-Sprecherin.

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