Die Polizei beschlagnahmte den Sportwagen eines 20-jährigen Penzbergers nach einem illegalen Rennen am Kesselberg.
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Die Polizei beschlagnahmte den Sportwagen eines 20-jährigen Penzbergers nach einem illegalen Rennen am Kesselberg.

Höchststrafe für Angeklagten: Sein Auto wurde beschlagnahmt

Wegen Rennens mit Sportwagen vor Gericht: Angeklagter ist süchtig nach Autos - „Es hört sich blöd an, aber...“

Seine Leidenschaft für schnelle Autos wurde einem 20-Jährigen aus Penzberg zum Verhängnis. Wegen „verbotenem Kraftfahrzeugrennen“ stand er nun vor dem Amtsgericht Weilheim.

  • Ein 20-jähriger Penzberger musste sich vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten
  • Im Juli vergangenen Jahres soll er an einem Autorennen am Kesselberg in Kochel teilgenommen haben
  • Dabei wurde sein Sportwagen beschlagnahmt, was ihn in Aufruhr geraten ließ

Penzberg – „Sind Sie süchtig nach Autos?“, fragte die Vorsitzende Jugendrichterin Claudia von Hirschfeld. Der Angeklagte gab das offen und ehrlich zu. Sowie auch alle weiteren Angaben zu dem ihm vorgeworfenen Autorennen, das im Juli vergangenen Jahres am Kesselberg in Kochel stattgefunden haben soll.

Strecke hinauf zum Walchensee ist beliebter Treffpunkt für Motorräder und Autos

Mit seinem erst einige Wochen zuvor erworbenen Sportwagen, einem silbernen Nissan 350 Z („mein Traumauto“), fuhr der junge Mann an diesem Tag nach der Arbeit zum Kesselberg. Die Strecke dort hinauf zum Walchensee ist ein beliebter Treffpunkt für rasende Motorräder und Autos.

„Es ist die Hölle an den meisten Tagen. Der Lärm ist unerträglich“, sagten zwei Anwohner aus, die an dem Freitagabend die Polizei gerufen hatten, da eine Gruppe von Motorradfahrern und der junge Mann in seinem silbernen Sportwagen ständig den Kesselberg hinauf und herunter gefahren waren. „Wir konnten bei geschlossenen Fenstern im Haus nicht mehr unser eigenes Wort verstehen“, erklärte eine Anwohnerin. Ob die Gruppe sich zu einem Rennen abgesprochen hatte, konnten die Zeugen nicht bestätigen.

„Das Geräusch ist super“ - Angeklagter liebt Autos

Ein Autorennen im klassisches Sinn mit nebeneinander fahrenden Autos ist am Kesselberg nicht möglich. Man kann nur hintereinander her fahren. Ein Überholen auf der sehr kurvenreichen Strecke, bei der ein Tempolimit von 60 km/h vorgeschrieben ist, ist nicht möglich. Aber es ist ein anderer „Spaß“, den die Fahrer aus der Szene dort ausüben, so wie es der junge Mann dann freimütig schilderte. „Ich fahre mit quietschenden Reifen und aufheulendem Motor bis zur ersten Kurve, bremse dann ab und fahre in dem Stil weiter den Berg hinauf.“

Was daran so schön sei, fragte die Richterin. „Es hört sich blöd an, aber das Geräusch ist super“, erklärte der junge Mann. Er will dabei die Geschwindigkeit von 60 km/h jedoch eingehalten haben. „Das glauben Sie doch nicht wirklich. Ihr Fahrzeug ist 280 PS stark“, gab Claudia von Hirschfeld zu bedenken. Der junge Mann lenkte daraufhin ein. Es könnten schon ein paar Stundenkilometer mehr gewesen sein, so der Angeklagte.

Polizei stoppte den Penzberger und beschlagnahmte seinen geliebten Sportwagen

An besagtem Tag erteilte die herbeigerufene Polizei den Motorradfahrern einen Platzverweis. Dem jungen Mann wurde der Führerschein abgenommen. Als aber sein Traumauto beschlagnahmt wurde, geriet er in Aufruhr, hatte aber keine Chance. Sein Auto wurde abgeschleppt. Die Beschlagnahmung des Autos und der Führerscheinentzug waren ein harter Schlag für den autoaffinen jungen Mann. Seit zehn Monaten konnte er nicht mehr Autofahren, denn die Verhandlung musste Corona-bedingt mehrmals verschoben werden.

Richterin Claudia von Hirschfeld hielt die somit schon erfolgte Strafe für ausreichend und stellte das Verfahren nach Absprache mit dem Staatsanwalt und dem Verteidiger ein. Als Auflage verhängte sie weitere Gespräche bei einem Verkehrspsychologen, den der junge Mann schon freiwillig aufgesucht hatte. Der junge Mann erhält umgehend seinen Führerschein und sein Fahrzeug zurück.

Letztendlich konnte ein geplantes Autorennen in einer Gruppe nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Aber von Hirschfeld hatte auch noch mahnende Worte. „Mindestens dreimal pro Woche rufen Anwohner wegen der Lärmbelästigung die Polizei. Das ist untragbar für den Ort. Autofahren ist Spaß, hat aber seine Grenzen“, sagte sie.

VON REGINA WAHL-GEIGER

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