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Das Rathaus schlägt mit acht Prozent des gesamten Wärmeverbrauchs und elf Prozent des Stromverbrauchs zu Buche.

Bericht aus dem Rathaus

Wo die Energie der Stadt Weilheim hingeht

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Nach mehrjähriger Pause legt die Stadt Weilheim einen Energiebericht vor. Demnach sanken die Gesamtverbräuche der Liegenschaften trotz Sanierungen kaum. Der Wärme-, Strom- und Wasserverbrauch schlug 2018 mit 440.000 Euro zu Buche.

Weilheim – Der „Energiebericht 2000-2018“ für die über 30 städtischen Liegenschaften hat knapp 30 Seiten, speist sich aus tausenden Daten und war viel Arbeit für Marco Schwentzek, den Energiemanager der Stadt und Leiter des Sachgebiets „Liegenschaftsmanagement“ im Weilheimer Rathaus. Und allein die Tatsache, dass es dieses Werk nun gibt,war dem neu gegründeten Klimaausschuss des Stadtrates viel Lob wert. In dem Gremium – das die Stadt im Januar nacheinem Bürgerantrag zur Ausrufung des Klimanotstands vorläufig eingeführt hat, das offiziell aber erst im Mai vom neuen Stadtrat verfasst wird – hat Schwentzek seinen Bericht dieser Tage vorgestellt.

Stadträte und Agenda diskutierten

Dabei haben die Vertreter der Stadtratsfraktionen und der Weilheimer Agenda 21 über eine Stunde lang angeregt diskutiert. Denn nach allerlei energetischen Sanierungen in den vergangenen Jahren hätte so mancher „gedacht, dass die CO2-Einsparung höher wäre“, wie etwa SPD-Stadträtin Petra Arneth-Mangano sagte. Doch „die Zahlen zeigen den bekannten Rebound-Effekt“, interpretierte Manuel Neulinger (Grüne), einer der Initiatoren des Bürgerantrags zum Klimanotstand: Einerseits gebe es Einsparungen durch Sanierungen und effizientere Technik, andererseits aber immer mehr technische Anlagen und Wachstum – und unterm Strich somit kaum weniger Energieverbrauch. Oder sogar Steigerungen.

Wärmeverbrauch weiter hoch

In seinem Bericht zeigt Schwentzek die Verbräuche der städtischen Liegenschaften (von Kitas und Schulen, über Kultur-Einrichtungen, Hallen und Vereinsheime bis zum Friedhof) in den vergangenen Jahre auf – gegliedert in die Posten Wärme, Strom und Wasser. Demnach ist der Wärmeverbrauch sämtlicher Einrichtungen seit 2008 „etwas rückläufig“ – jedoch auf hohem Niveau. Er lag 2018 (aktuellere Zahlen gibt es noch nicht) bei insgesamt 4,23 Millionen Kilowattstunden. 83,4 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs der städtischen Liegenschaften sind somit dem Heizen geschuldet.

Leichter Rückgang beim Stromverbrauch

Die restlichen 16,6 Prozent macht der Stromverbrauch aus (840 000 Kilowattstunden im Jahr 2018). Stieg dieser seit dem Jahr 2000, als mit den Aufzeichnungen begonnen wurde, stetig an, so ist ab 2012 ein leichter Rückgang zu erkennen. Kleinere Maßnahmen wie Umrüstungen auf LED-Beleuchtung oder Nachregulierungen bei Lüftungsanlagen (etwa in der Hardtschule) „schwächen den Stromanstieg in den letzten Jahren ab“, wie Schwentzek in dem Bericht schreibt.

Wasserverbrauch konstant

Der Wasserverbrauch der städtischen Liegenschaften liegt dem Energiemanager zufolge „relativ konstant“ bei rund 10 000 Kubikmeter pro Jahr – wobei die Kosten, wie auch beim Strom, stetig gestiegen sind. Am meisten Wasser verbraucht die Mittelschule (fast 1300 Kubikmeter jährlich), was vor allem deren Sporthalle samt Duschen geschuldet ist: Auch von Vereinen werde diese inclusive Wochenende „durchgehend genutzt“, so Schwentzek.

Schulen mit größtem Energiebedarf

Wenig überraschend ist, dass die drei Schulen, für deren Gebäude die Stadt zuständig ist, unter allen Liegenschaften den größten Energiebedarf haben. Das liegt schon an deren Größe (die Ammerschule umfasst 4000, die Hardtschule 5600, die Mittelschule 8000 Quadratmeter Fläche). 38 Prozent des Wärme- und 37 Prozent des Stromverbrauchs fällt auf diese drei. Doch es gibt auch sehr spezifische Großverbräuche, erklärte der Energiemanager. Zum Beispiel benannte er auf dem Friedhof eine alte, ineffiziente Kühlanlage als „Stromfresser“, und beim Wärmeverbrauch schlagen unter anderem die schlechte Dämmung des Stadttheaters und das in Containern untergebrachte „Kinderhaus am Sonnenfeld“ stark zu Buche.

73 Prozent Erdgas

78 Prozent des Wärmeverbrauchs der städtischen Gebäude wird durch herkömmliche Energieträger gedeckt (73 % Erdgas, 4 % Heizöl, 1 % Flüssiggas), der Rest durch erneuerbare Energien – nämlich Hackschnitzel (Hardtschule, AWO-Kinderhaus) und Pellets (Vereinsheim Unterhausen). Der Nahwärmebezug aus dem Blockheizkraftwerk des Krankenhauses für die Mittelschule hat einen Anteil von vier Prozent.

CO2-Ausstoß gesunken

Der CO2-Ausstoß der städtischen Liegenschaften lag dem Bericht zufolge im Jahr 2018 fast 60 Prozent niedriger als 2009. Das ist unter anderem den Schulsanierungen zu verdanken, vor allem aber der Tatsache, dass die Stadt seit 2010 Ökostrom einkauft. In dieser Hinsicht stehe die Stadt „sehr gut“ da, sagte Schwentzek, „aber der Stromverbrauch ist zu hoch“: Dieser sollte eigentlich 20 Prozent niedriger liegen. Ein hohes Einsparpotenzial sieht der Rathaus-Mitarbeiter bei der Straßenbeleuchtung, die seit kurzem von den Stadtwerken als Dienstleister betreut und nach und nach auf LED umgerüstet wird (weitere Vorschläge zur Energie-Einsparung siehe Kasten unten).

PV-Anlagen verpachtet

Auf mehreren städtischen Dächern sind seit Jahren Photovoltaik-Anlagen zur Stromgewinnung installiert. Der Stadt selbst gehört allerdings nur die Anlage auf der Westseite der Stadthalle (die im Schnitt eine jährliche Einspeisevergütung von etwa 10 400 Euro bringt) sowie seit 2019 eine PV-Anlage auf dem Süddach des Rathauses, deren Strom fast gänzlich von diesem selbst verbraucht wird. Die restlichen Anlagen – etwa auf Mittel- und Ammerschule, Hochlandhalle und Feuerwehrhäusern – sind an Investoren verpachtet. Diese Verträge laufen teilweise noch bis 2030, danach gehen die Anlagen in den Besitz der Stadt über. Zwar gebe es dann keine staatliche Vergütung mehr, so Schwentzek, doch per Eigennutzung könne die Stadt dann den Zukauf von Strom reduzieren. Das ist insofern wichtig, als dass Weilheims Strombedarf vorerst nicht sinken wird, wie es im Klimaausschuss hieß – allein schon durch die neuen Kitas.

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