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Gute Bäume, böse Bäume

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Eine Linde (auf der rechten Straßenseite) ist Bewohnern eines Reihenhauses Am Meisteranger ein Dorn im Auge. Doch der Bauausschuss lehnte die Fällung einstimmig ab. © Ruder

Zwei größere Bäume auf städtischem Grund sollten gefällt werden, weil sie Probleme verursachen – das hatten im Sommer zwei Hauseigentümer in der Innenstadt und im Weilheimer Westen gefordert. Doch der Bauausschuss des Stadtrats lehnte in seiner jüngsten Sitzung beide Fällungen einstimmig ab. Es handle sich um kerngesunde Bäume.

Weilheim Im ersten Fall hatten die Eigentümer eines Reihenhauses Am Meisteranger die Entfernung einer Linde vor ihrem Grundstück beantragt. Durch überhängende Äste des von Blattläusen befallenen Baumes, so die Begründung, seien Ameisen ins Dach des Hauses geraten, die die Dämmung fressen würden. Nun müsse ein Handwerker die Dämmung erneuern und ein Kammerjäger die Ameisen beseitigen. Die Kosten dafür, geschätzt 1500 Euro, solle die Stadt übernehmen. Zudem lasse sich der Parkplatz vor dem Haus wegen der Linde halbjährig nicht nutzen: Die „klebrige Verschmutzung“, die durch den Baum entstehe, habe bereits mehrfach zu irreparablen Schäden am Auto der Familie geführt.

Doch der Bauausschuss befand, die im Bebauungsplan als „zu erhalten“ festgesetzte Linde solle bleiben: Die Stadtwerke hätten sie auf eine Beschwerde hin „ohnehin schon ganz schlank zugeschnitten“, sagte Bauverwaltungs-Leiter Manfred Stork. Zwar sei die von den Anwohnern geschilderte Problematik grundsätzlich „nachvollziehbar“. Doch die Behauptung, dass der Schädlingsbefall vom Baum käme, sei „fragwürdig“, so Stork; das sehe auch die Versicherung der Stadt so – und zahle nicht. „Der Baum ist gesund“, erklärte Rupert Pentenrieder (BfW), der Stadtratsreferent für städtisches Grün; einer Fällung dürfe man keinesfalls zustimmen: „Da würden wir ein Fass aufmachen, dem wir nicht mehr Herr werden.“

Genauso entschied der Ausschuss bezüglich einer Birke in der städtischen Grünfläche vor einem Grundstück am Schwattachweg. Dessen Eigentümer beantragte die Fällung, weil das Grundstück durch die Birke an einer Stelle bereits 25 Zentimeter abgesunken und dadurch der Zaun beschädigt worden sei. Außerdem bestehe die Grünfläche „nur aus Löwenzahn und Unkraut“, das sich in den Garten aussäe.

Das Argument mit dem Zaun sei „an den Haaren herbeigezogen“, sagte Pentenrieder. Der schiefe Zaun, befand auch Stork, komme „sicherlich nicht vom Baum“, sondern sei wohl dem mangelhaften Fundament geschuldet: „Der Baum ist gesund und sollte stehen bleiben.“ So sah es auch der Ausschuss.  

Magnus Reitinger

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