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Mit einem „Gründerpreis“ will Weilheim Firmen in die Stadt locken.

Debatte im Hauptausschuss

Braucht Weilheim einen „Gründerpreis“?

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Die Stadt soll künftig einen „Gründerpreis“ vergeben – als Anreiz, in Weilheim innovativ wirtschaftlich tätig zu sein. Das fordert Saika Gebauer-Merx (FDP), die Wirtschaftsreferentin des Stadtrats. Der Hauptausschuss findet die Idee „charmant“, hat aber auch Bedenken.

Weilheim – Kulturpreis, Umweltpreis, Sozialpreis: Alljährlich vergibt der Stadtrat im festlichen Rahmen seiner Weihnachtssitzung drei Ehrenpreise an Menschen oder Organisationen, die sich im jeweiligen Bereich „in hervorragender Weise“ engagiert haben. Außerdem gibt es, seltener verliehen, den Ludwig-Pütrich-Preis für Gönner, „die sich durch großherzige Zuwendungen an die Stadt Weilheim oder deren Einrichtungen, an Vereine oder an bedürftige Bürger Weilheims ausgezeichnet haben“.

Wirtschaftsreferentin will Preis

Geht es nach Saika Gebauer-Merx (FDP), der Wirtschaftsreferentin des Stadtrats, soll bald ein weiterer Preis hinzukommen: ein „Gründerpreis“ für Personen, „die sich innerhalb des Jahres vor der Auszeichnung in Weilheim entweder selbstständig gemacht haben oder deren operatives Geschäft (Marketing und Verkauf an Kunden) in Weilheim in diesem Zeitraum begonnen hat“ – so heißt es im Antrag der FDP-Vertreterin, über den der Hauptausschuss des Stadtrats in seiner jüngsten Sitzung diskutiert hat.

Ausschuss entscheidet noch nicht

Dabei gab es „grundsätzliche Zustimmung“, eine Entscheidung hat das Gremium jedoch noch nicht getroffen. Die Fraktionen, so der einstimmige Beschluss, sollen sich in den kommenden Wochen Gedanken über einen „Gründerpreis“ machen. Aus den Ergebnissen solle Standortförderer Stefan Frenzl dann gemeinsam mit Gebauer-Merx eine Vorlage erarbeiten. Eile sei dabei nicht nötig, so wurde betont.

Starnberg ist ein Beispiel

Frenzl nannte die Idee eines solchen Preises vom Grundsatz her „gut und richtig“. Ein „schönes Beispiel“ gebe es ganz in der Nähe: den Wirtschaftspreis des Landkreises Starnberg, der heuer für „die innovativste Neugründung des Landkreises“ ausgeschrieben sei. In der Stadt Weilheim zähle man pro Jahr rund 200 Gewerbe-Anmeldungen, etwa 90 davon seien hauptberuflich. Darunter sei aber nur „ein ganz geringer Anteil an wertigen, qualitativen Gründungen“ im Sinne eines solchen Preises, erklärte der Standortförderer: „Das mag ein Grund sein, warum man sich das in Starnberg auf Landkreis-Ebene überlegt hat. Es muss schon eine Besonderheit dabei sein.“

Landkreis plant auch Auszeichnung

Auch der Landkreis Weilheim-Schongau wolle ab 2020 wieder einen Wirtschaftspreis verleihen, sagte Frenzl. Dieser werde „ein anderes Format als der ,Standortprofi’“ sein und sich nicht explizit dem Thema „Gründer“ widmen. „Aber das kann dabei natürlich auch eine Rolle spielen.“

Nicht jedes Jahr vergeben

Bezüglich der Bewerbungskriterien nannte Gebauer-Merx als Vorbild für ihre Idee den „Frankfurter Gründerpreis“ – der laut Frenzl „ein großes Event“ in der Main-Metropole ist. Ein Weilheimer „Gründerpreis“ solle „den Anreiz verstärken, in Weilheim innovativ wirtschaftlich tätig zu sein“, erklärte die Wirtschaftsreferentin des Stadtrats. Existenzgründer und Jungunternehmer sollten sich selbst dafür bewerben, als Dotierung schlägt Gebauer-Merx 1000 Euro vor, analog zu den Ehrenpreisen der Stadt. Doch es gehe nicht nur um eine medienwirksame Auszeichnung. Ein solcher Preis, der im Übrigen nicht jedes Jahr vergeben werden müsse, diene auch dazu, „Kontakte in der Gründerszene zu knüpfen – sei es mit Investoren, Partnern oder Kunden“.

Wer ist preiswürdig?

Die BfW-Fraktion begrüße die Idee grundsätzlich, sagte Hauptausschuss-Mitglied Jochen Knittel, „das hat sicherlich einen positiven Effekt für den Standort“. Doch problematisch sei, „wie man die Preiswürdigkeit beurteilen kann: Das ist bei Neugründungen schwierig einzuschätzen“. Ein Gründer müsse sich deshalb schon eher drei Jahre bewährt haben, um preiswürdig zu sein, fügte FW-Sprecher Walter Weber an. Ein wichtiges Kriterium wäre seiner Meinung nach auch, „dass Ausbildungsplätze in Weilheim angeboten werden“. Doch „auf die Schnelle“, so Weber, sei ein solcher Preis „nicht zu stemmen“.

CSU tritt auf Bremse

Das sah auch CSU-Fraktionssprecherin Marion Lunz-Schmieder so: „Die Idee ist charmant, aber zum jetzigen Zeitpunkt sind wir noch weit davon entfernt, das einrichten zu können.“ Angesichts anstehender Aufgaben wären sowohl die Stadträte als auch die Verwaltung „damit aktuell überfordert“, betonte die CSU-Vertreterin: „Da müssen wir alle gemeinsam noch viel Gehirnschmalz reinbringen.“

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