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Weilheim: Stadtbus soll künftig Biogas tanken

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Von: Magnus Reitinger

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Ein Fahrzeug des Weilheimer Stadtbusses an der zentralen Haltestelle auf dem Herzog-Albrecht-Platz in Weilheim.
Weilheims Stadtbus soll ab 2022 neu organisiert werden. Die Stadtwerke setzen dann auf einen umweltfreundlicheren Antrieb. © Gronau

Wenn Weilheims Stadtbus ab 2022 neu organisiert wird und deutlich öfter fährt, dann sollen auch neue, umweltfreundlichere Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Aber welche? Darüber hat der Klima-Ausschuss des Stadtrates kontrovers diskutiert.

Weilheim – Die Linien sollen optimiert werden, die Fahrpläne verdichtet – mit Halbstundentakt an Werktagen sowie Betrieb auch abends und an Sonntagen: Das ist der Plan, wenn die Stadtwerke zum 1. Januar 2022 den Stadtbus Weilheim übernehmen. Und: Statt Dieselbussen will das Kommunalunternehmen dann umweltfreundlichere Fahrzeuge durch die Kreisstadt rollen lassen. Stadtwerke-Chef Peter Müller hat vier mögliche Alternativen zum Dieselantrieb näher untersucht und diese nun dem Klimaausschuss des Stadtrates vorgestellt. Wobei eine davon, der herkömmliche Erdgasantrieb, gar nicht näher in Betracht gezogen wird. Man will ja wegkommen vom fossilen Brennstoff.

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Auch Wasserstoffantrieb ist laut Müller vorerst nicht realistisch – jedenfalls nicht, wenn das neue Stadtbuskonzept 2022 starten soll. Zwar sei diese Variante „technisch nicht ausgeschlossen“, so der Stadtwerke-Vorstand, doch seien noch viele Fragen offen. Und die vier Midibusse, die gebraucht werden, wären mit Wasserstoffantrieb bis Januar 2022 „sicher nicht zu haben“. Der Projektbeginn aber sollte nicht verschoben werden, so der Tenor im Ausschuss. Auch, weil die aktuell eingesetzten Busse nur noch eine begrenzte Lebensdauer haben, wie Müller zu bedenken gab: „Die sind nicht morgen kaputt, aber übermorgen.“ Deshalb will die Stadt auch nicht auf ein Förderprogramm für Wasserstoffantriebe warten, das nach Informationen von FW-Stadträtin Romana Asam derzeit im bayerischen Wirtschaftsministerium ausgearbeitet wird; denn dann würde sich der neue Stadtbus noch zwei Jahre verzögern.

Bei Elektroantrieb bräuchte es einen Bus mehr

So bleiben letztlich zwei Möglichkeiten, die man für umweltfreundlich hält und die 2022 bereits einsetzbar wären: Biogas- und Elektroantrieb. Für die Variante „Biogas“ wären vier Busse nötig (Kostenpunkt: 1,04 Millionen Euro) und zusätzlich eine eigene Biogastankstelle für rund 600 000 Euro – macht Investitionskosten von insgesamt 1,64 Millionen Euro. Für die Variante „Elektro“, also batterieelektrische Busse, bräuchte es fünf Fahrzeuge, weil eines jeweils aufgeladen werden muss. Nach Abzug des Bundeszuschusses, den es dafür gibt, wäre das eine Investition von rund 2,02 Millionen Euro.

„Klare Vorteile für den Biogas-betriebenen Bus“

BfW-Stadtrat Claus Reindl sah „momentan klare Vorteile für den Biogas-betriebenen Bus“. Denn dafür könne „Grüngut vor Ort genutzt werden“; seitens der Stadtwerke laufen bereits entsprechende Gespräche mit der Biogasanlage Sporer (Grasschnitt-Sammelstelle) in Wielenbach. Dagegen, so Reindl weiter, brauche es für Elektrobusse „Rohstoffe von weit her“, die Entsorgung sei schwierig, und auch der Strommix passe dafür noch nicht – sprich: Zu viel des benötigten Stroms stamme aus fossilen Quellen. Letzteres sah Grünen-Vertreter Stefan Emeis optimistischer: Der Anteil regenerativer Energien im Strommix steige zusehends, weshalb der „ökologische Fußabdruck“ von E-Bussen immer besser werde. Bezüglich der Biogas-Variante ist für Emeis fraglich, ob die Wielenbacher Anlage überhaupt die benötigten Mengen gewährleisten könne. „Die Menge ist da“, antwortete Müller – und betonte, dass es sich dabei ausschließlich um Grünschnitt, nicht um Mais handle. Dieser Grünschnitt, ergänzte Sitzungsleiter Alfred Honisch, komme teilweise jedoch aus dem Landkreis Starnberg: „Das erzeugt auch einen gewissen Verkehr.“

„Der ökologische Nutzen hängt nicht so sehr vom Antrieb ab, sondern...“

Für Elektrobusse votierten im Klimaausschuss letztlich drei von neun Stimmberechtigten (Emeis, Grünen-Sprecher Manuel Neulinger und ÖDP-Vertreter Gerd Ratter). Die Mehrheit sprach sich für den Biogas-Antrieb aus – und so lautet nun auch die Empfehlung an den Stadtrat. Die Lebensdauer für die Busse liegt Müller zufolge bei etwa zehn Jahren. Und in einem Jahrzehnt, so die Überlegung von Claus Reindl, seien dann womöglich batteriebetriebene oder auch Wasserstoff-angetriebene Busse die richtige Wahl. Letztlich konnten aber auch alle Ausschuss-Mitglieder unterschreiben, was Neulinger als neuer Verkehrsreferent des Stadtrates sagte: „Wir hätten gern einen möglichst sauberen Stadtbus, und es wäre toll, wenn Weilheim da Vorreiter sein könnte. Aber der ökologische Nutzen des Stadtbusses hängt nicht so sehr vom Antrieb ab, sondern davon, dass ihn möglichst viele Leute nutzen und dadurch Autoverkehr eingespart wird.“

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