+
Wohin geht die Reise beim Weilheimer Stadtbus? Darüber hat der Stadtrat demnächst zu entscheiden.

Konzept der Stadtwerke vorgelegt

Stadtbus Weilheim: Halbstundentakt geplant  - und mehr

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
    schließen

Weilheims Stadtbus könnte ab 2022 deutlich ausgeweitet werden. Werktags ist ein Halbstundentakt vorgesehen, Betrieb dann auch abends sowie an Sonn- und Feiertagen – mit batterieelektrischen oder mit Erdgasbussen. Die Stadtwerke präsentierten jetzt ein erstes Konzept.

Weilheim – „Stadtbus 2022“ heißt das Konzept, das Stadtwerke-Chef Peter Müller diese Woche im Verkehrsausschuss des Stadtrates vorstellte. Damit bewirbt sich das Kommunalunternehmen als Stadtbus-Betreiber ab 1. Januar 2022. Derzeit bedienen der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) und das Eberfinger Busunternehmen Oppenrieder im Auftrag der Stadt Weilheim dieses Angebot. Der Vertrag mit ihnen läuft bis Ende 2021, mit der Option auf Verlängerung um weitere zwei Jahre.

Über eine Neukonzeption wird bereits seit 2016 nachgedacht – vor allem, weil die durchweg Diesel-betriebenen Stadtbus-Fahrzeuge „nicht mehr up to date sind“, wie Müller sagt. Im Gespräch sind nun batterieelektrische Midibusse oder Erdgas-Midibusse. Die Stadtwerke als Betreiber würden diese Fahrzeuge anschaffen und warten, mit dem tatsächlichen Betrieb (einschließlich Fahrpersonal) aber wiederum Busunternehmen beauftragen.

Die Linien sollen optimiert werden, die Fahrpläne verdichtet

Die Linienführungen des Stadtbusses sollen in diesem Zuge „optimiert“ werden, erklärte der Stadtwerke-Chef, und die Fahrpläne verdichtet: An Werktagen ist tagsüber ein Halbstundentakt vorgesehen (eine Verdopplung gegenüber heute). Und, anders als jetzt, will man auch abends, an Samstagnachmittagen sowie Sonn- und Feiertagen Busse fahren lassen – im Stundentakt. „Rendezvousplatz“ für die Stadtbusse soll dann nicht mehr der Herzog-Albrecht-Platz sein, dessen Pflaster eigentlich nicht Bus-tauglich ist. Stattdessen schwebt Müller dafür der Untere Graben vor, wo die jetzigen Regionalbushaltestellen „zurückverlegt“ und auf beiden Seiten Busbuchten angelegt werden sollten.

Für das verbesserte Angebot müsste die Stadt freilich deutlich tiefer in die Tasche greifen. Entscheidet man sich für E-Busse, hätte sie jährlich rund 1,05 Millionen Euro zu tragen, so Müllers Kostenschätzung. In der Variante mit Erdgasbussen wären es etwa 777 000 Euro. Zum Vergleich: Heuer hat die Stadt Ausgaben von 490 000 Euro für den Stadtbus eingeplant, wie es in der Sitzung hieß. Bürger können den Stadtbus seit diesem Jahr bekanntlich kostenlos nutzen.

Entscheidung soll noch heuer  fallen

Bei batterieelektrischen Bussen wäre sowohl die Anschaffung als auch der Betrieb teurer, wie der Stadtwerke-Chef vorrechnete – trotz Bundeszuschüssen, die es für E-Busse, nicht aber für Erdgasbusse gibt. Der Kauf von vier Erdgas-Midibussen würde die Stadtwerke laut Müller rund 1,04 Millionen kosten (nach Abzug von Zuschüssen 688 000 Euro). Fünf batterieelektrische Midibusse – hier braucht es fünf statt vier, weil stets einer aufgeladen werden muss – würden mit etwa 2,67 Millionen zu Buche schlagen (nach Abzug von Zuschüssen 1,76 Millionen). Mit den Unterschieden im „ökologischen Fußabdruck“ der beiden Antriebsarten soll sich demnächst der neu gegründete Klimaausschuss des Stadtrates befassen.

Lesen Sie auch: Neue Pläne für die B2 in Weilheim

Um Anfang 2022 mit der neuen Stadtbus-Konzeption starten zu können, müsste der Stadtrat noch heuer eine Entscheidung fällen, denn die Bestellfristen für die Busse sind lang. Der Stadtwerke-Vorstand warb im Verkehrsausschuss – wo das Konzept vorerst nur „zur Kenntnis“ vorgestellt wurde – für das Kommunalunternehmen als Betreiber. „In 20 der 33 bayerischen Oberzentren führen die jeweiligen Stadtwerke den Busbetrieb“, führte er ins Feld. Und dank seiner früheren beruflichen Tätigkeiten beim Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband und bei den Gemeindewerken Oberstdorf verfüge er über „entsprechendes Know-how“, so Müller. Er ist überzeugt, dass Weilheims Stadtbus mit den beabsichtigten Verbesserungen bis zu einem Drittel mehr Fahrgäste bekommen würde.

Für den neuen Verkehrsreferenten wäre die Ausweitung „ein Quantensprung“

Bezüglich der Neukonzeption gebe es freilich noch „viele Dinge, die man abwägen muss“, sagte Bürgermeister Markus Loth (BfW) in der Ausschuss-Sitzung. Für Manuel Neulinger (Grüne), den neuen Verkehrsreferenten des Stadtrates, wäre die Stadtbus-Ausweitung mit Halbstundentakt am Werktag und Sonntagsbetrieb „ein Quantensprung“: Gerade angesichts des „hohen Anteils von Binnenverkehr“ in Weilheim solle die Stadt das zusätzliche Geld in die Hand nehmen. Denn, so Neulinger: „Bisher ist der Stadtbus für viele potenzielle Nutzer nicht wirklich eine Alternative, weil man den Fahrplan im Kopf haben muss.“

Für Klaus Gast (CSU) ist indes die Frage, „wofür man mehr Geld in die Hand nimmt“: für ökologische Antriebstechnik oder für noch bessere Linien und Taktungen. Er sprach sich für Letzteres aus, zumal „auch das ökologische Effekte hat“. Eine bessere Anbindung der Ortsteile, wie sie zuletzt immer wieder gefordert wurde, ist im jetzigen Konzept der Stadtwerke noch nicht enthalten. Dafür sei ein „kleiner Bus auf Anruf“ – wie es etwa in Murnau praktiziert werde – angedacht, so Müller: „Ein Halbstundentakt in die Dörfer macht keinen Sinn.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wolf in oberbayerischem Wald gesichtet: Jäger mit mahnenden Worten - Wer jetzt aufpassen muss
Ein Wolf treibt sich in einem Landkreis in Oberbayern herum. Das bestätigte das bayerische Landesamt für Umwelt. Die Identifizierung ist eindeutig.
Wolf in oberbayerischem Wald gesichtet: Jäger mit mahnenden Worten - Wer jetzt aufpassen muss
Kommandoübergabe in der Kaserne Altenstadt: Ein Hamburger als neuer Chef
Seit der Gründung Ende 2013 in Altenstadt ist Sven Tillery der vierte Leiter des Feldwebel-/Unteroffizieranwärterbataillons 3 – aber der erste Hamburger. Er übernahm …
Kommandoübergabe in der Kaserne Altenstadt: Ein Hamburger als neuer Chef
Nach Reifenplatzer mit 180 km/h in die Leitplanke: So erlebte der Fahrer den Horrorunfall
Wie ist es, einen Autounfall mit 180 km/h unverletzt zu überleben? Kaum jemand kann das wohl besser erzählen als der Gautinger Friseur Michael Frenzel. Schließlich hat …
Nach Reifenplatzer mit 180 km/h in die Leitplanke: So erlebte der Fahrer den Horrorunfall
Das Verbindendeder „Stoa 169“
Die Säulenhalle „Stoa 169“ an der Ammer bei Polling bekommt derzeit ihr Dach. Für den Bauherren, Künstler, Bernd Zimmer, ist das ein großer Moment.
Das Verbindendeder „Stoa 169“

Kommentare